Deutschland

Samstag, 28.01.2012

Nicht im deutschen Interesse

Von Günther Deschner

Der Befehlshaber der Isaf-Schutztruppe, General David Petraeus, am Bundeswehr-Ehrenmal: Entgrenzung des Verteidungsauftrags Foto: Bundeswehr/Rütters

Im Dezember hatte das Bundeskabinett ein neues Mandat für den schon mehrfach verlängerten Afghanistaneinsatz beschlossen. Jetzt hat der Bundestag darüber abgestimmt. Zugleich wird mit dieser Verlängerung der Abzug der Truppen eingeleitet. Damit soll „die Nachhaltigkeit der Übergabe der Verantwortung in Afghanistan und der Abzug der internationalen Truppen bis Ende 2014 gewährleistet werden“, wie es in dem Kabinettsbeschluß heißt.

Ein Fragezeichen hinter diese Absicht setzte allerdings die jüngste Bonner Afghanistankonferenz. Schon am Eröffnungstag war sie ein Opfer des amerikanisch-pakistanischen Konflikts geworden. Daß Pakistan, Schlüsselstaat für die Zukunft am Hindukusch, demonstrativ fernblieb, ließ die Konferenz wie ein Staatsbegräbnis für Afghanistan aussehen. Weder Befriedung noch Rettung und schon gar nicht eine Umformung des Krisenstaats nach westlichem Gusto können noch als Optionen gelten. Jenseits des Schönredens der Politiker sind die Illusionen verflogen.

Seit über zehn Jahren führen die USA und ihre Verbündeten Krieg in Afghanistan, länger als der Erste und der Zweite Weltkrieg dauerten. Was haben sie in dieser Zeit erreicht? Ein klein wenig mehr als „nichts“, auf jeden Fall aber ein politisches Debakel. Nach dem Abzug werden alle Strukturen wieder eingerissen werden. Von Zivilgesellschaft und Demokratie ist Afghanistan – trotz militärischer Kraftakte, Milliardenspritzen und gutgemeinter Projekte – weit entfernt.

Das afghanische Staatswesen wurde nicht berücksichtigt

Realität ist, daß Isaf- und Nato-Truppen (inklusive Bundeswehr) ein Afghanistan verlassen werden, dessen Herz sie nicht gewinnen konnten und dessen eigenes Lebensgesetz sich durch Bombenkrieg und Besatzung eher gefestigt hat. Fraglich ist, ob eine tribalistisch organisierte, ethnisch zerklüftete und religiös fixierte Gesellschaft sich überhaupt „westlich“ entwickeln kann. Die Sicherheitslage bleibt angespannt, die Taliban beherrschen schon jetzt weite Gebiete, Korruption und Opiumanbau blühen. Pakistan, das Afghanistan als strategisches „Hinterland“ betrachtet, bereitet sich darauf vor, „zu übernehmen“.

Isaf und Nato konnten der Realität des unverstandenen Landes nicht die Stirn bieten. Bereits im Konzept der Isaf-Mission hatte man die komplizierten Strukturen des afghanischen Staatswesens – eines mißratenen Wechselbalgs britischer Kolonialarroganz – nicht berücksichtigt: Die Planer hatten auf eine hoffnungsvoll wartende Bevölkerung gerechnet, nicht mit wachsendem Widerstand. Richtig ist, daß der US-Militärschlag 2001 in erster Linie der Rache für „9/11“ geschuldet war. Mag sein, daß der sich anschließende Krieg zusätzlich mit einer Art „Seidenstraßenstrategie“ zu tun hat oder dem geostrategischen Interesse, an Chinas Südflanke engagiert zu sein.

Möglich wurde der Übermut, weil das Ende des Kalten Kriegs den USA eine „Position des überlegenen Abstands“ zu allen anderen Mächten beschert hatte. Washingtons neue Sicherheitsdirektive war inspiriert von der Anmaßung, in der zukünftigen Weltordnung komme allein den USA eine „globale Souveränität“ zu. Der „Rausch der einzig verbliebenen Supermacht“ (Scholl-Latour) zeigte eine ausgeprägte Tendenz, den Globus nach eigenem Gutdünken neu zu „ordnen“, und in der Folge formulierte auch die Nato eine neue Bündnisstrategie, die eine Selbstmandatierung für Kriegseinsätze in aller Welt vorsah.

Präzedenzfall „humanitäre Intervention“ im Kosovokrieg

Als 1999 der Kosovokrieg begann, ließ sich zum ersten Mal auch Deutschland in den Sog dieses Denkens ziehen, der die deutsche Außenpolitik neu ausgerichtet hat. Im Kosovo beteiligte sich die Bundesrepublik erstmals an einem Krieg – der noch dazu nicht ihrer Verteidigung diente. Zum ersten Mal hatte die Nato, der die Bundeswehr Truppen stellte, einen souveränen Staat angegriffen, ohne ihm einen Bruch des äußeren Friedens vorwerfen zu können. Für das neue Kriegsbild, das einen vom Angreifer definierten Bruch des „inneren Friedens“ als Interventionsgrund nannte, wurde eine neue Kategorie erfunden – die „humanitäre Intervention“.

Für Deutschland wurde die Teilnahme am Kosovokrieg zum Präzedenzfall. Sie verwies die „deutschen Interessen“ als Maxime der Außenpolitik auf einen hinteren Rang – und öffnete den Weg für fremdorientierte Interpretationen der „sicherheitspolitischen Verantwortung“ Deutschlands, wie sie dann in Afghanistan ihre umstrittene Fortsetzung fand. Hinter den USA und Großbritannien stellt Deutschland dort das drittgrößte Kontingent. Der Einsatz kostete bisher 52 Bundeswehrsoldaten das Leben.

Die „Entgrenzung“ des Verteidigungsbegriffs spiegelt sich in der außen- und sicherheitspolitischen Praxis Deutschlands seit dem Epochenwandel 1989/90 – in der langen Liste von Auslandseinsätzen vom Kosovo über Somalia bis Afghanistan. In der amtlichen Begründung der Bundesregierung zur Fortsetzung des Afghanistaneinsatzes heißt es: „Die Stabilisierung, der Wiederaufbau und die Entwicklung Afghanistans bleiben vorrangige Ziele der internationalen Gemeinschaft und damit der Bundesrepublik Deutschland.“

Deutsche Soldaten sterben nicht für Deutschland

Der Kölner Staatsrechtsprofessor Otto Depenheuer kritisierte dies in der FAZ als „Begriffsverwirrung“: „Deutsche Soldaten kämpfen also unter Einsatz ihres Lebens für den Wiederaufbau Afghanistans, weil die internationale Gemeinschaft und damit die Bundesrepublik dies so will. Von deutschen Sicherheitsinteressen kein Wort. Die deutsche Republik verteidigt nicht sich, sondern die Freiheit Afghanistans.“

Der Begriff der Verteidigung nehme aber „Bezug auf den Staat“ und damit notwendig auf: Staatsgebiet, Staatsvolk und Souveränität. Nur bei einer „nationalen Erdung“ des Verteidigungsauftrags könnten deutsche Soldaten auch wissen, wofür sie ihr Leben riskieren sollen: „nämlich für den Staat des Grundgesetzes, dem sie vieles zu verdanken haben und dem sie solidarisch verpflichtet sind“.

JF 05/12

 



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Wahr-Sager - aus NRW

Montag, 30-01-12 22:29

Ich verstehe immer noch nicht, wie ein Soldat für diesen Antifa-Staat sein Leben riskieren kann.

 

Lüder Osmers aus Deutschland

Sonntag, 29-01-12 22:33

Also, der dritte Versuch...

-I-

Solange sich ein Parlament mit Soldatenzahlen in einer Größenordnung von einigen Hundert befaßt, solange Abgeordnete angesichts von Soldatenzahlen unter 5.000 das Wort "Strategie" in den Mund nehmen, ein Verteidigungsminister den Abzug resp. Rückzug von Bundeswehrsoldaten in dieser Größenordnung als die "schwierigste aller strategischen Aufgabenstellungen" bezeichnet, solange für Planung und Durchführung solcher Operationen gleich mehrere Jahre(!) veranschlagt werden, solange kann man nur konstatieren, daß sich hier die Maßstäbe in einem als skurril zu bezeichnenden Ausmaß verschoben haben.

 

Lüder Osmers aus Deutschland

Sonntag, 29-01-12 21:19

Beim letzten Mal wurde einiges "verschluckt". Hier die Korrektur.

- I -

Solange sich ein Parlament mit Soldatenzahlen in einer Größenordnung von einigen Hundert befaßt, solange Abgeordnete angesichts von Soldatenzahlen

 

Julius Recht aus Irrenheim

Sonntag, 29-01-12 16:28

Außer dem Land, das diesen Krieg angezettelt hatte,
gibt es kein Gewinner, sondern nur Verlierer und Zahler. Die Verbreitung von Opium hat sich sogar in den Jahren danach verstärkt und das alles mit unseren Steuergelder....
Herrschaften, habt ihr alles gutgemacht....

 

Lüder Osmers aus Deutschland

Sonntag, 29-01-12 16:10

-II-

Mit solchen Aufgaben befaßten sich in der Vergangenheit militärische Planer bestenfalls unterhalb der Ebene einer Armee, die Kommandierenden Generale oder Oberbefehlshaber gar nicht.

"Vergangenheit" kennzeichnet die Zeit, zu der die Bundeswehr - im Begriff, endgültig auf Zwergenmaß zu schrumpfen - jegliche Traditionslinien leugnet, abgebrochen hat.

 

Lüder Osmers aus Deutschland

Sonntag, 29-01-12 16:06

-I-

Solange sich ein Parlament mit Soldatenzahlen in einer Größenordnung von einigen Hundert befaßt, solange Abgeordnete angesichts von Soldatenzahlen

 

Joachim Reuter aus Mönkeberg

Sonntag, 29-01-12 13:20

Und noch ein Wort zum Bundeswehr-Ehrenmal:
Man sollte sich dieses "Ehrenmal" in Berlin einmal ansehen - wenn man es überhaupt findet. Jede Panzerhalle wirkt dagegen erhaben.

Das Ehrenmal spiegelt genau die Geschichts- und Traditionslosigkeit dieses Staates und seiner Streitkräfte wieder. Diesem Staat fehlt es darüber hinaus an Charakterfestigkeit, Stil, Würde und Souveränität. Letztere haben wir ja - laut Schäuble - am 8. Mai 1945 verloren. Seitdem ist die BRD der 51. Staat der USA.

 

Joachim Reuter aus Mönkeberg

Sonntag, 29-01-12 13:06

General Keitel ist wegen der "Beteiligung an einem Angriffskrieg" von den Siegermächten liquidiert worden.

Nach den Maßstäben des unsäglichen Nürnberger Tibunals müßten alle am Afghanistankrieg beteiligten NATO-Generale und ihre politischen Vorgesetzten in Todeszellen sitzen.

Die "westliche Wertegemeinschaft" ist auch nur ein verlogener Klub korrupter Profiteure.

 

Gabriele Niggenaber aus Werne

Sonntag, 29-01-12 10:40

„Bezug auf den Staat“ und damit notwendig auf: Staatsgebiet, Staatsvolk und Souveränität.
Diesen Blödsinn kann man nur einem "Volk" erzählen, das eben nicht weiß, wie sich ein Staat ausweist!
Das ist typisches Verdrehen von Tatsachen, wie es die 68iger so gerne machen, da sie den wirklichen Gegebenheiten grundsätzlich nicht ins Auge schauen können!- Das gilt übrigens auch für die Sozen! Sie reden sich das Leben schön und nehmen derweil einmal an, wir hätten Souveränität oder einen Friedensvertrag oder einen Staat oder eine Verfassung!!!

Wer mehr wissen will, sollte die Neuauflage von
Rolf Kosiek
"Die Machtübernahme der 68iger" lesen
ISBN: 978-3-89180-087-4 lesen!

 

Klaus Hoffmann aus Münsterland

Sonntag, 29-01-12 10:35

Es macht keinen Sinn, Moslems unsere Denkungsart und unsere Moralvorstellungen aufzuwingen. Die denken in archaischen Strukturen des Islam und verstehen gar nicht, was wir wollen. Unsere Hilfe wird verachtet. Ich sage raus aus Afghanisten, sollen sie sich doch gegenseitig die Köpfe einschlagen. Nicht unser Bier. Wenn sie es zu doll treiben mit Taliban und Konsorten, dann gibts eben mit der Luftwaffe auf die Griffel. Ansonsten auch ein Job für die Luftwaffe: Zerstörung der riesigen Opiumfelder. Im Interesse der Jugend der Welt. Kein deutsches Blut mehr für diese Leute.

 

Gabriele Niggenaber aus Werne

Sonntag, 29-01-12 10:10

Der Begriff der Verteidigung nehme aber „Bezug auf den Staat“ und damit notwendig auf: Staatsgebiet, Staatsvolk UND richtigerweise STAATSGRENZEN!!!! Und nicht, wie hier blödsinnig steht: „Souveränität“! Ein Staat zeichnet sich durch ein Staatsvolk, ein Staatsgebiet und Staatsgrenzen aus!
Und genau an diesem Punkt sind wir wieder bei dem leidigen Thema!- WO liegen unserer Staatsgrenzen? Was ist Deutschland, bzw. die BRD? Wo liegt der Geltungsbereich des GG? Wer ist Rechtsnachfolger des Deutschen Reichs? Woher nimmt die jetzige Regierung das Recht Gesetze und Verordnungen zu erlassen oder auch nur durchzusetzen? Wo ist der Beweis unserer Souveränität? Wo bleibt die Verfassung? Wo ist der Friedensvertrag?
Gerade deutsche Soldaten haben diesem Staatskonstrukt BRD oder Deutschland gegenüber eben NICHT die Verpflichtung, sich für fremde Interessen in Angriffskriegen gegenüber souveränen Staaten von dieser hochverräterischen Regierung, vertreten durch Merkel, sinnlos verheizen zu lassen.
Im Gegenteil! Sie sollten sich auf das Grundgesetz dabei berufen. Uns ist der Angriffskrieg VERBOTEN! Und von Deutschland SOLL NIE WIEDER EIN KREIG AUSGEHEN!!!!!!

 

Michael V aus dem Werratal

Sonntag, 29-01-12 09:57

Zitat: "Nur bei einer „nationalen Erdung“ des Verteidigungsauftrags könnten deutsche Soldaten auch wissen, wofür sie ihr Leben riskieren sollen: „nämlich für den Staat des Grundgesetzes, dem sie vieles zu verdanken haben und dem sie solidarisch verpflichtet sind“."

"Grundgesetz" und "Staat" sind Hilfsmittel des Volkes, kein Selbstzweck! Als Familienvater würde ich mein Leben auch nicht für meine Zentralheizung riskieren, sondern für meine Kinder! Auch dem "Staat" bin ich nicht "solidarisch verpflichtet", sondern ich fühle mich dem deutschen Volk "solidarisch verpflichtet", unabhängig von seiner jeweils aktuellen Staatsform oder seinem Verfassungssurrogat.

 

stefan samhuber aus ED

Sonntag, 29-01-12 01:18

Ich kann nur sagen raus aus dieser NATO ... den Warschauer Packt gibt es schließlich auch nicht mehr!


Europa der Vaterländer mit Verteidigungsbündniss und EWG reicht völlig! Schluss mit dem Euro und EU Diktatur und Kriege für die usa und nwo!

 

Bernd Schmieder aus Bernd

Sonntag, 29-01-12 00:15

Na gut aber das sollte inzwischen sogar jeder Soldat wissen, der sich nach Afghanistan hat verkaufen lassen. "...das nie wieder eine Mutter ihren Sohn beweint." stand ja zum Glück nur in der DDR-Hymne, davon sind wir ja zum Glück bereits meilenweit entfernt. Es leben die Gasleitungen und die "seltenen Erden". Irgendwie tun mir die Mütter trotzdem leid.

 

Hein Mück aus Bremerhaven

Samstag, 28-01-12 22:27

Es ist doch sinnlos, immer und immer und immer wieder über jede Sau zu lamentieren, die den Dorfbach runter treibt. Fragen wir doch lieber, welcher Schweinehund die armen Viecher da rein schmeißt. Und warum?

Und dann, was wir dagegen tun können.

Wie stellen wir die alltägliche Schweinerei ab? Eins ist sicher! Bestimmt nicht, wenn wir möglichst viele Splitterparteien gründen.

 

Jürg Rückert aus Südwest

Samstag, 28-01-12 18:34

Mir tun die Frauen leid, die im Vertrauen auf den Westen Schulen besuchten oder sich sonstwie exponierten, weil sie sich eine freiere Zukunft schaffen wollten. Ihnen werden nach dem Verduften des Westens von dieser "Sonderheit muslimischer Lebensweise", genannt Taliban, die Gesichter verätzt, die Nasen abgeschnitten! Machen wir uns doch nichts vor! Besser, wir wären nie, nie gekommen!
Die Deutschen hätten sich schon am Vietnamkrieg beteiligen sollen, so der Wunsch unserer amerikan. Freunde. Ein 2. Mal werden wir ihnen das nicht durchgehen lassen, sagte damals ein am. Politiker. Na, im Irak durften wir nochmals austreten. Das hat sich jetzt ein für allemal.

 

Lüder Osmers aus Deutschland

Samstag, 28-01-12 17:23

Noch einmal:

Kein Beitrag zum gestrigen Pflicht-Gedenktag in der "Jungen Freiheit" - wenn das nur gutgeht, verehrte Schriftleitung...

Stattdessen ein anläßlich eines 27. Januar politisch nicht ganz korrektes Gedenken:

Ich hebe mein Glas zu einem geziemenden Streifen auf den Ehrentag von S.M. Wilhelm Zwo! Geboren am 27. Januar 1859 in Berlin.

 

Ralf Beez Ofw d. R. aus 72250 Freudenstadt

Samstag, 28-01-12 15:50

Hoffentlich hört dieses Verheizen von deutschen Soldaten bald auf und werden die Verantwortlichen vor
Gericht gestellt!

 
 

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