Sonntag, 25.09.2011

Der Höhepunkt der Woche

Da meine Kolumne immer am Sonntag erscheint, lohnt es sich, einmal über die Bedeutung dieses Tages für den Christen und für unsere heutige Gesellschaft nachzudenken. Jede Religion kennt einen heiligen Tag, der von der Arbeit befreit und für den Gottesdienst reserviert ist. Dem Pilger in Jerusalem wird dies deutlich vor Augen geführt, wenn er durch die Straßen der Altstadt geht. Muslimische Geschäfte haben am Freitag geschlossen, jüdische am Samstag und christliche am Sonntag.

Der Siebentagerhythmus ist grundgelegt im Alten Testament, demzufolge Gott in sechs Arbeitstagen die Welt erschaffen hat und durch einen Ruhetag am siebten Tag vollendet hat. Diesen siebten Tag, den Sabbat (unseren Samstag) heilig zu halten, galt den Juden als fromme Pflicht. Zahlreiche strenge Einzelreglungen hierzu kennt das jüdische Gesetz.

Der Sonntagsschutz wird heute vielerorts ausgehöhlt

Als dann Jesus am ersten Tag der Woche, am Sonntag, von den Toten auferstanden ist, war es den Christen ein dringendes Bedürfnis an diesem Tag zum Gottesdienst zusammenzukommen. Da dieser Tag im Römischen Reich zunächst noch ein Arbeitstag war, traf man sich in aller Frühe vor Beginn der Arbeit. Daß dieser Tag seit dem Jahr 321 arbeitsfrei ist, darf als große christliche Errungenschaft gelten. So sollte für alle Christen ein Gottesdienstbesuch möglich sein. Leider wird der Sonntagsschutz heute vielerorts durch immer großzügigere Ausnahmeregelungen ausgehöhlt. Praktizierende Christen stehen vor der wichtigen Aufgabe, sich die Bedeutung dieses Tages neu bewußt zu machen.

Der Sonntag ist für jeden Christen der Höhepunkt der Woche. Es ist der Tag der Auferstehung Christi. Der Besuch der Sonntagsmesse bleibt der wichtigste Punkt im wöchentlichen Leben eines Katholiken. Er darf nicht leichtfertig unterlassen werden. Doch der Sonntag besteht nicht nur aus dem Gottesdienstbesuch. Es bleibt die Frage, wie wir den Rest dieses Tages gestalten. Für die christliche Familie sollte der Sonntag ein Tag des Miteinanders sein, an dem gemeinsame Unternehmungen im Vordergrund stehen.

Festtagskleidung ist wieder im Kommen

Oftmals haben die gemeinsamen Mahlzeiten und Ausflüge an diesem Tag eine wichtige Bedeutung für das Familienleben. Der Sinn des menschlichen Lebens besteht in der Beziehung des Menschen zu Gott und nicht im Konsum. Das gilt es, in einer sich wandelnden Gesellschaft wieder neu zu unterstreichen. Wer die Brötchen am Sonntagmorgen beim Bäcker kauft, sollte sich vor Augen stellen, daß er damit die Aushöhlung der Sonntagsruhe weiter fördert. Nicht nebensächlich ist auch die Frage der Kleidung. Früher hatte die spezielle Sonntagskleidung einen wichtigen Stellenwert. Auch heute darf die Bequemlichkeit nicht das alleinige Kriterium bei der Wahl meiner Bekleidung darstellen.

Festtagskleidung wird heute wieder mehr geschätzt als noch vor zwanzig oder dreißig Jahren und ist heute bei festlichen Ereignissen wieder allgemein üblich. Durch eine festtägliche Kleidung kann ich auch in der Öffentlichkeit zeigen, was mir der Sonntag bedeutet. Der Glaube an die Auferstehung Christi soll mein Leben prägen. Mindestens an einem Tag der Woche sollte ich mir Zeit nehmen, mein Leben auf Christus hin auszurichten.

Und wie verbringen Sie den heutigen Sonntag?



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Klaus Kurz aus Russell, Neuseeland

Dienstag, 27-09-11 08:24

@ Thomas Lentze aus Bonn:
Selbstverstaendlich handelt es sich bei Religion um eine Privatsache (religio, lat. = Glaube, Gottesverehrung, innerliche Froemmigkeit), die jeder fuer sich selbst entscheidet und zu der er sich bekennt. Vgl. dazu auch Friedrich der Grosse: "In meinem Land kann jeder nach seiner eigenen Fasson selig werden." Waere Religion keine Privatangelegenheit, sondern von oben verordnet, dann: "Helm ab zum Gebet!" Ich wuenschte es keinem! Siehe Islam und Katholizismus bis zur Franz. Revolution.

 

Ulrich Motte aus München

Montag, 26-09-11 14:06

Auch für Baden und für ganz Deutschland findet man Gemeinden im Gemeindeatlas (darunter viele konservative. NUR konservative Gemeinden findet man unter KfG(Gemeinden anklicken und das Bundesland)- weitere konservative nennt die Kamen-Initiative.

 

Ulrich Motte aus München

Montag, 26-09-11 08:40

S. g. Herr Calvin: Viel stärker als die Bibelkritiker Papst und seine Mitarbeiter sind evangelisch-konservative Kirchen biblisch-konservativ, bei Ihnen in Baden etwa die Lutherische Bekenntnisgemeinde (Durmersheim), die Selbständige Reformierte Kirche (Heidelberg), rund 250 Gemeinden des AB-Vereins,viele Gemeinden der Liebenzeller Gemeinschaft, recht viele rußlanddeutsche lutherische Gemeinden, sonstige Gemeinden, die Ihnen etwa Dr. lothar Gassmann in Pforzheim/Baden nennt. Auch ich helfe gern.

 

Jean Calvin aus Baden

Sonntag, 25-09-11 20:43

Lieber Pf. Oblinger,
Sie möchten wissen, was ich heute getan habe? Ich besuchte die Heilige Messe auf dem City Flugplatz in Freiburg.
Ich hörte klare Worte aus der Bibel, die direkt ins Herz gingen.
Erschreckend wurde mir bewußt, was für ein abgrundtiefer Graben zwischen Ihrem Chef (und seinen Mitarbeitern) und der Synode der EKD besteht. Auf der katholischen Seite steht theologische Kompetenz, auf der evangelischen ungläubiger, die eigenen Wurzeln verwerfender, unfruchtbarer Zeitgeist.
Die evangelische Kirche, in ihrer heutigen Verfassung, ist sicherlich nicht den Herausforderungen der kommenden Jahrzehnte gewachsen.
Der Papst läßt in mir allerdings die Hoffnung keimen, daß dieses Mal die Rettung aus Rom kommen könnte.
Herzlichst,
Ihr JC

 

Helmut M. aus Unfreiburg, heute einmal: Freiburg

Sonntag, 25-09-11 20:41

Ich war heute bei der Messe mit Benadikt XVI., sie hat mich tief berührt. Für die restlichen 51 Sonntage im Jahr bin ich meist kein Vorbild, gebe aber zu, dass Sie in jedem Satz recht haben, Herr Pfarrer Oblinger.

 

Herbert Weiß aus Stahnsdorf

Sonntag, 25-09-11 20:35

Es ist völlig in Ordnung, dass auch am Sonntag einige gebrechliche Leutchen gepflegt werden, dass Busse und Bahnen rollen, Saft aus der Steckdose kommt usw. Aber muss sich an diesem Tag jemand im Baumarkt mit neuen Fliesen eindecken, weil er die alten am Samstagabend plötzlich zum Kotzen fand? Tun es die alten Möbel und sonstiges nicht auch noch bis zum Montag? Hat man durch den Sonntagseinkauf einen einzigen Cent mehr in der Tasche? Ich will keine DDR-Nostalgie anheizen - aber auch unsere roten Socken wussten diesen Tag der Ruhe durchaus zu schätzen.

Der noble Zwirn wird nach dem Kirchgang ordnungsgemäß weggehängt und gegen die allerdings etwas bessere Freizeitkleidung getauscht.

 

Olaf Ramcke aus Fellin

Sonntag, 25-09-11 17:41

Ich war im Moor und habe die wohl letzten warmen Sonnenstrahlen dieses Jahr genossen, nebenher ein paar Hände voll Moos-, Preisel- und Rauschbeeren gepflückt.

 

Der Klaus aus Deutschland

Sonntag, 25-09-11 16:17

Ich darf nachher nur Nachtschicht rennen damit sich das Karrussel der Wirtschaft weiter dreht und auch der Griechiche Beamte noch seine Pünklichkeitszulage geniessen kann. Man gönnt denen ja sonst nichts.

 

Thomas Lentze aus Bonn

Sonntag, 25-09-11 16:00

@ Klaus Kurz aus Russell, Neuseeland:

Sie sehen also in Religion eine Privatsache.

Privatisierung der Religion führt aber zur Politisierung ihrer Perversion ("Homo-Ehe" u.a.) sowie zur Verstaatlichung der Kindererziehung. Das Eine ist nämlich die notwendige Kehrseite des Anderen. Etwas näher ausgeführt habe ich das hier:
http://mann-pass-auf.de/mpa2.php

 

Ralf Kersten aus Flensburg

Sonntag, 25-09-11 15:49

Ruhetag: "Immer wieder Sonntags kommt die Erinnerung". Welche Bedeutung hat überh. noch Stille, Rückzug, Einkehr, Besinnung ("zur Besinnung kommen"), Meditation? Alles restlos verlärmt. Eine Band nennt sich (berechtigterw.) "Audiosmog". Zeitgeist der Unkultiviertheit. Trash ist nicht "chic" - aber "in"! Klassikhörer werden als Spinner und/oder "Weicheier" hingestellt. Ich will, daß Musik meine Ohren streichelt und umschmeichelt. Man haut sich ja auch nicht mit dem Hammer auf den Kopf! Aber jagt sich 120 Dezibel in die Hörgänge: "Bass, Bass, Bass!" u. guckt "Die Hard 5". Kann sich dabei nur um eine Gesellschaft handeln, die vor Reizüberflutung so abgestumpft ist, daß sie nur noch bei auditivem Krach u. visuellem Mord & Totschlag was "merkt".

 

Thomas Lentze aus Bonn

Sonntag, 25-09-11 12:51

"Und wie verbringen Sie den heutigen Sonntag?"

Da Sie so direkt fragen, Herr Oblinger, antwortete ich Ihnen auch direkt: Ich habe mir, wie jeden Sonntag, eine schwarze Hose und ein weißes Hemd angezogen und bin per Fahrrad in einer Stunde Fahrtzeit zum Gottesdienst der sog. Christengemeinschaft gefahren. (Die nennen das allerdings nicht Gottesdienst, sondern Menschenweihehandlung. Ähnelt dem tridentinischen Ritus der Katholiken.)

Nachher will ich einen nahegelegenen Flohmarkt besuchen, und für den Nachmittag habe ich mir das meditative Lesen in einigen Büchern von Valentin Tomberg (Betrachtungen zum Alten bzw. Neuen Testament) vorgenommen.

Korrekt so? ;-)

 

Ulrich Motte aus München

Sonntag, 25-09-11 09:00

Der Papst sagte am Freitag, daß die Anwesenheit zahlreicher muslimischer Familien zunehmend ein Merkmal dieses Landes geworden sei. Die (in Stil und Niveau) hervorragende Katholische Akademie in Bayern bietet eine Tagung zum religiösen Pluralismus an. Dieser Pluralismus wird mit Wahrscheinlichkeit auch Feiertagsregelungen mehr als bisher zu Konflikten machen. Schulfrei in öffentlichen Schulen in Berlin-Kreuzberg oder Duisburg-Marxloh am christlichen Sonntag oder muslimischen Freitag? Auch Betriebe müssen sich einigen...

 

Klaus Kurz aus Russell, Neuseeland

Sonntag, 25-09-11 05:43

Mein Gott! Kann ich da nur sagen - zu diesen trivialen Reflexionen zum siebten Wochentag. Wozu, um Himmels Willen, bedarf es heute noch des Sonntagsschutzes, es sei denn, er diente dazu, mehr Zeit fuer die Familie und zur Erholung zu gewaehrleisten, oder eben anderes, Privates, tun zu koennen. Und dazu zaehlt dann - in Gottes Namen - auch die Ausuebung einer wie auch immer gearteten Religiositaet.

 
 

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