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Deutschland

Samstag, 13.03.2010

Auf Augenhöhe

Von Thorsten Hinz

Briefmarke zum 40. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland Foto: Wikimedia/Deutsche Post/S. Klein, O. Neumann

Ganz ohne Sentimentalitäten, Sympathien und Antipathien geht es auch in der Realpolitik nicht ab. Nehmen wir das kleine Ungarn, das im Sommer 1989 seine Grenzen für DDR-Flüchtlinge öffnete und die Berliner Mauer samt SED-Regime tödlich unterminierte. Solche Ereignisse führen zu emotionalen Bindungen, zu Grundsympathien, die zwar die Politik nicht ersetzen, aber stark beeinflussen. Das gilt, unter anderen Vorzeichen und in intensiverer Qualität, auch für die Beziehungen zu Israel.

Vor dem Hintergrund des Mordes an den europäischen Juden leuchtet es ein, daß Deutschland mit Israel solidarisch ist, daß es sich mit Kritik an ihm zurückhält und der jüdische Staat eine gewisse Narrenfreiheit besitzt.

Etwas anderes aber ist es, wenn Kanzlerin Merkel in bezug auf den Iran die israelischen Positionen unbesehen übernimmt und damit die Stellung Deutschlands gegenüber einem großen muslimischen Staat kompromittiert. Das geschichtliche Argument dient dazu, die deutsche Politik von außen her – und zwar einseitig – zu definieren.

„Historisch begründete besondere Verantwortung“

Das demonstrierte die Rede des israelischen Staatspräsidenten Schimon Peres am 27. Januar vor dem Deutschen Bundestag. Sie war – soweit sie Peres’ Familiengeschichte betraf – eindrucksvoll und bewegend, doch sie enthielt nichts Neues und aus deutscher Sicht jedenfalls nichts, was notwendig vor dem Parlament wiederholt werden mußte.

Für Peres aber ging es darum, die suggestiven Erinnerungen mit aktuellen politischen Forderungen zu verknüpfen. Bundestagspräsident Norbert Lammert war ihnen schon in seiner Eröffnungsansprache präventiv entgegengekommen, indem er von einer „historisch begründeten besonderen Verantwortung“ Deutschlands für Israel sprach.

Der Begriff „historische Verantwortung“ ist vage und für moralische Aufladungen offen. Seine konkrete Auslegung ist eine Definitions- und Machtfrage. Weil wir es hier mit einer klaren Täter-Opfer-Relation zu tun haben, die, so Lammert, für alle Zukunft „wachzuhalten“ sei, impliziert er das Vorrecht Israels festzulegen, wie Deutschland seiner Verantwortung konkret nachzukommen hat. Diese Konsequenz steckt auch in dem ominösen Satz, den Kanzlerin Merkel 2008 vor der israelischen Knesset aussprach: „Diese historische Verantwortung ist Teil der Staatsräson meines Landes.“

Moralische Erpressungen

Weder die Kanzlerinnenworte noch die politischen Verhältnisse, der sie entspringen, stellen göttliche Offenbarungen oder ein höheres Wissen dar. Sie resultieren aus politischen Entscheidungen und Entwicklungen, die im Zusammenhang mit dem Sechstagekrieg zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn im Juni 1967 getroffen bzw. in Gang gesetzt wurden. Norman Finkelstein, Peter Novick und andere haben beschrieben, wie das Dogma von der Einzigartigkeit des Holocaust dazu dienen sollte, weltweite Unterstützung für Israel zu mobilisieren. >>



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ALON AMSELLEM aus tel aviv

Montag, 15-03-10 11:44

Michael Nauheim aus Darmstadt,

Rache, Vergeltung, Angst und Panik sind nicht die christlichen Reaktionsweisen, sondern Besonnenheit, Vorsicht, Guete.

 

Otto Ohnesorge aus Berlin

Sonntag, 14-03-10 21:59

Lieber Anna Luehse aus Hessen,

Ihren Beitrag kann ich nur bekräftigen.

 

Rudi Ratlos aus Ratingen

Sonntag, 14-03-10 21:35

@ R. Rolfes: Was Sie über die „Einzigartigkeit des Holocaust“ schreiben, hab ich in der Schule gelernt. Ob es stimmt, wußte ich nie, konnte es aber auch nicht überprüfen, da die Gegenseite zum Schweigen gebracht ist. Als Bischof Williamson da eine andere Meinung vorbrachte, wollte ich der Sache nachgehen. Es begann aber die Vorgänger-Kampagne der jetzigen antiklerik. Kampagne. Der Papst, der keinerlei Sympathien mit den hist. Ansichten von Williamson hat und ein weltbekannter Freund der Juden ist, wurde von Hinz&Kunz bis hin zur Merkel niedergemacht. Wie geht es dann erst einem, der kein so ausgewiesener Freund der Juden ist wie der Papst? Anstatt meine Existenz zu gefährden, stelle ich nun meine Zweifel zurück und glaube Ihnen, H. Rolfes!

 

Michael Nauheim aus Darmstadt

Sonntag, 14-03-10 18:54

In dieser Region der Welt ist Israel der einzige Staat der unsere Werte und Rechtsnormen teilt. Schon alleine deshalb verdient er unsere Unterstützung. Die verbalen Ausfälle und finanziellen Ansprüche aus Israel haben wir uns ja zu einem guten Teil selbst zu zuschreiben. Wer ständig "mea culpa" ruft, dem wird geglaubt!
Interessant an dieser Stelle ist aber auch, nur die toten Juden verdienen unsere Anteilnahme, die lebenden werden gerne als Unterdrücker und Kriegstreiber genannt. Dabei wird außer acht gelassen, daß eine Reihe von Staaten versucht hat, versucht oder versuchen möchte Israel von der Landkarte zu tilgen. Hier wird dann auf die "Selbstschuld" der Israelis verwiesen, Stichwort Palästinenser.

 

Stefan Weber aus Göppingen

Sonntag, 14-03-10 17:44

Lieber Herr Hagemann,
wir finanzieren also Ihrer Meinung nach indirekt den palästinensischen Terror. Nur um die unterschiedlichen Größenordnungen zu verdeutlichen: schenken wir denn den Palästinensern U-Boote, Korvetten und ABC-Spürtechnik? Ich glaube nicht. Großgerät geht nur nach Israel.
Wir sollten uns aus diesem Konflikt heraushalten - egal wen wir unterstützen, wir können nur verlieren.

 

Anna Luehse aus Hessen

Sonntag, 14-03-10 16:47

# Sven Hagemann
"...die einen antsemitischen islamischen Mob auf deutschen Strassen toleriert..."

Wenn dieser Mob sich nicht antisemitisch verhalten würde, wäre er tolerierbar? Nein, mich stört, daß die Massenzuwanderung gegen uns gerichtet ist, gegen unsere Kultur und unsere Identität. Deshalb habe ich keine der etablierten Parteien gewählt. Deshalb brauche ich mir auch nicht die eigene Nase kratzen.

Und nur weil Ihnen das Regime im Iran nicht paßt - Sie waren sicher häufig im Iran und kennen deshalb die Verhältnisse so genau - glauben Sie man muß dagegen angehen? Und die muslimischen Staaten: soll unsere Regierung alle Länder bevormunden, die nicht unseren Vorstellungen entsprechen? Am "westlichen Wesen soll die Welt genesen" ?

 

Paul Sachse aus Zwickau

Sonntag, 14-03-10 15:37

Meine Familie, meine Freunde und Bekannten, die alle nach 1944 geboren wurden, lehnen eine besondere Verantwortung für Israel kategorisch ab!Wir sind keine Mörder und wir haben mit dem zweiten Weltkrieg nichts zu tun.Die eventuellen Untaten unserer Vorfahren ist deren Sache, dafür sind sie zur Verantwortung gezogen worden.Dennoch wird meine Nachfolgegeneration bis heute bestraft, indem erhebliche Mittel des Nationaleinkommens für immer neue Forderungen abfließen, die unseren Enkeln und Urenkeln, die gleich gar nichts mit der Judenvernichtung zu tun haben, für soziale Zwecke nicht zur Verfügung stehen.Diese CDU-Politik führt zur Verelendung unseres Volkes.

 

Sven Hagemann aus Hannover

Sonntag, 14-03-10 14:07

Zum einen ist im Iran ein Regime an der Macht das sich mit hilfe der Gewhrläufe an der selben hält und somit keine Unterstützung verdient, ob sich die deutsche Regierung dabei nun die israelische, amerikanische oder sonst eine Sicht zu eigen Macht ist egal.
Zum zweiten werden die muslimischen Staaten in diesem Land und von unserer Politik eh verherrlicht und in einem Licht gezeichnet das sie nicht erfüllen, geschweige verdienen.
Außer man wäre Antisemit und sucht Verbündete.
Wir müßen uns auch deshalb noch immer an der eigenen Nase kratzen da wir alle Jahre wieder eine Regierung wählen die einen antsemitischen islamischen Mob auf deutschen Strassen toleriert, indierekt seit Jahren palästinensischen Terrorismus finanziert etc. etc.

 

resh trem aus bayern

Sonntag, 14-03-10 12:26

weil alle westlichen staaten, insbesodere deutschland diese verantwortung gegenüber israel an die fahnen schreiben, dürfen die juden die rechte der araber täglich bescheiden. bei aller rücksichtnahme sollte man die west-werte auch gegenüber israel nicht außer acht lassen. israel in den alten grenzen hat existenzrecht, dafür soll die weltgemeinschaft sorgen. das gilt aber auch für die palästinensern

 

Carsten Schulz aus Mannheim

Sonntag, 14-03-10 11:15

Auch wenn es unsere Politiker in ihren Sonntagsreden immer anders sagen: es gibt keine 'historisch besondere Verantwortung' Deutschlands gegenüber Israel, von 'Staatsraison' ganz zu schweigen. Es gibt eine Verantwortung Deutschlands gegenüber den Opfern des Holocaust. Und es gibt diese Verantwortung des deutschen Staates natürlich auch gegenüber den hier lebenden Juden - so wie gegenüber allen deutschen Staatsbürgern, aber nicht mehr und nicht weniger. Sonderrechte für hier lebende Juden können daraus nicht abgeleitet werden. Zumal die heute hier lebenden Juden größtenteils nach dem Krieg eingewandert sind und mit dem Holocaust genausowenig zu tun haben wie eingewanderte Moslems.

 

Roman Rolfes aus Hamburg

Sonntag, 14-03-10 10:02

(2/2)

Der Rest des "JF"-Artikels besteht in antisemitisch grundierten Phantasmagorien wie etwa der Behauptung, dass Israel Deutschland politisch lenke und moralisch erpresse - wie ein staatlicher Dr. Caligari oder Dr. Mabuse. Überzeugende konkrete Belege für diese abenteuerliche These - Fehlanzeige.

Zudem unterschlägt der "JF"-Autor, dass der "große muslimische Staat" (sic!) Iran das Existenzrecht Israels verneint. Die deutsche Auffassung, der Iran dürfe keine Atombombe besitzen, ist kein Diktat Israels, sondern sie fußt auf dem vom Iran unterzeichneten Atomwaffensperrvertrag und auf fünf Resolutionen der IAEO und des UN-Sicherheitsrates, und sie dient einem genuin deutschen Interesse: einen Atomkrieg in Nahost zu verhindern.

 

Roman Rolfes aus Hamburg

Sonntag, 14-03-10 10:02

(1/2)

> das Dogma von der Einzigartigkeit des Holocaust

Ein Dogma ist ein unbegründeter Glaubenssatz. Dass der Holocaust einzigartig sei, ist kein unbegründeter Glaubenssatz, sondern von der Geschichtswissenschaft sorgfältig untersucht und begründet worden; man lese etwa Eberhard Jäckels Arbeiten.

Der Holocaust als essentielles und vorrangiges Staatsziel - selbst im Krieg; die Größenordnung und Gründlichkeit seiner bürokratisch-logistischen Planung und Durchführung; die industrielle, fließbandartige Tötung; die massenhafte Verschleppung und Ermordung von Menschen auch weit über die deutschen Staatsgrenzen hinaus, nämlich europaweit -- all das sind deutliche Belege für die Einzigartigkeit des Holocausts.

 

O. Ditges aus NRW

Sonntag, 14-03-10 02:11

Ich finde, daß Begriffe wie Schuld und Verantwortung im staatlichen Umfeld Fremdkörper sind. Menschen können Schuld und Verantwortung empfinden und tragen, auch die Menschen die Staaten lenken, aber nicht die Organisation Staat.
Wenn die deutsche Staatsführung von einer Schuld spricht, dann spricht sie damit nicht für mich.

 

Bernd Schmieder aus Berlin

Samstag, 13-03-10 18:32

Nein, Deutschland hat nach meiner Ansicht keinerlei gesonderte Verantwortung gegenüber Israel. Israel besteht nicht nur aus Juden und Deutschland oder seine Regierungen haben niemals etwas gegen Israel oder die Israelis unternommen. Was den Mord an deutschen und ausländischen Juden und anderen Menschen- die in diesem Zusammenhang gerne mal vergessen werden- hat jedes Volk, auch das Deutsche alles zu tun, das die nicht wiederholt wird. Warum sollte das deutsche Volk eine besondere Verantwortung haben ?
Nebenbei müsste noch geklärt werden, was das deutsche Volk zwischen `33 und `45 wollte, was es wusste und was es verhindern konnte ! Ich will es nicht zulassen, dass jeder Schnösel mein Volk angreifen kann und dafür auch noch Geld bekommt.
Ich denke übrigens, das hier großräumig der Angriff auf den Iran vorbereitet wird. Mal sehen, wie die Deutschen (die wieder nichts verhindern können) diesmal eingebunden werden sollen.

 

ALON AMSELLEM aus tel aviv

Samstag, 13-03-10 18:08

@Hans Holt,

"Viele Israelis sind Überlebende oder Kinder dieser, aber nicht alle".

Deswegen ist dieses ,,Auf Augenhöhe" mir gegenueber moeglich.

 

Willi Wunder aus Dresden

Samstag, 13-03-10 16:31

stimmt ja alles- aber ist auch kein Wunder. Weder die BRD noch die DDR waren einzeln oder jetzt im Verbund in irgendeiner Weise ein souveräner Staat wie jeder andere. Auch wenn man sich gern selbst so gesehen und nach innen und außen präsentiert hat.
Dass die Bundesmerkeln ihre über das Notwendige hinausgehende, und von der Mehrheit des Volkes unverstandene Israel-Begeisterung in der DDR erworben haben soll, kann ich als Ossi nicht unterschreiben.
Im Osten war Israel genauso, fast noch schlimmer angesehen als der ultimative Erzfeind USA. Die Stasi bildete pausenlos Palästinenser aus und jede jüdische Anfrage nach Entschädigungen u.dgl. wurde komplett abgeschmettert- was der DDR den Titel antisemitisch eintrug.

 

Hans Holt aus Berlin

Samstag, 13-03-10 14:01

Israel gibt es nur, weil es den Holocaust gab. Viele Israelis sind Überlebende oder Kinder dieser, aber nicht alle. Mit der Ächtung der Nazi-Gewaltherrschaft wurde den Juden der Welt ein wunderbares Mittel für Rache, Genugtuung und immerfließenden finanziellen Mitteln gegeben. Auch Unbeteiligte Deutsche, gehalten in moralischer Sippenhaft, bezahlen diesen Tribut. Wenn schon längst der letzte Täter gestorben ist, wird die "immerwährende" Erbschuld weiterleben, tödlich für Israel und Deutschland.

 

Klaus Reichel aus Forchheim

Samstag, 13-03-10 12:02

Die Zahl 55 sollte auf der deutschen Hälfte der Marke stehen, schließlich sind wir die Zahlenden (wenn auch hier nur das Porto).

Zudem ist das Geschwafel von Frau Merkel natürlich hirnverbrannter Blödsinn. Man kann mit Mühe noch eine Verantwortung gegenüber den Holocaust-Überlebenden erkennen (die sonderbarerweise nicht weniger werden) aber nie und nimmer für den Staat Israel. Gerade unter dem Blickwinkel deutscher Geschichte sollte jede Unterstützung für einen Staat, der sämtliche Grundrechte bestimmter Bevölkerungsgruppen mit Füßen tritt, gestrichen werden. Wohin es führt, wenn ein Volk sich als "auserwählt" betrachtet, haben wir Deutschen im 3.Reich leidvoll erfahren.

Wer schweigt zu Völkermord und Vertreibung, macht sich mitschuldig!

 

Martin R aus Berlin

Samstag, 13-03-10 11:58

Zu der historische Verantwortung muss man mal sagen das ja die Opfer des Holocaust der Staatsangehörigkeit nach keine Israelis waren, da es Israel zu den Zeitpunkt nicht gab, sondern sie waren Deutsche Staatsbürger.
Die Israel-Treue ergibt sich eher aus aktuellen Machtverhältnissen.
Wenn die Kanzlerin jetzt Juden mit Israelis gleichsetzt offenbart das ein völkisches denken was nicht mit der deutschen Einbürgerungspolitik zusammenpasst. Doppelmoral? Ist doch einer Karrieregeilen Merkel egal.

 

Ferdinand S aus Nürnberg

Samstag, 13-03-10 11:55

Deutschland sollte Sanktionen gegen den Iran mittragen, wenn sie von den großen Nationen ebenso mitgetragen werden. Dennoch wird man nicht alle israelischen Wünsche erfüllen können. Ich bin überzeugt, würde Deutschland seine Handelsbeziehungen zum Iran abbrechen, hätte man auch in einem Postmullah-Staat wirtschaftlich keinen guten Stand mehr. Freilich muß man deswegen nicht Waffen oder gar Atomtechnologie an den Iran verkaufen, aber das tut Deutschland ja auch nicht.

 

ALON AMSELLEM aus tel aviv

Samstag, 13-03-10 11:40

Superbe!

 
 

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