Donnerstag, 22.09.2011
Hier schreibt der Volontär – August 2011
Von Henning Hoffgaard

Immer im Einsatz: JF-Volontär Henning Hoffgaard
Wer den Wahlkampf in Berlin miterlebt, wünscht sich fast, er würde niemals aufhören. Neben den seltendämlichen Wahlplakaten, die offenbaren, daß die Schamgrenze aller Parteien im Wettstreit um Parlamentssitze und Staatskohlenach nach unten mehr als offen ist, sind besonders die Diskussionen in der Redaktion äußerst erheiternd.
Dabei dreht sich meist alles um die Frage, wie wichtig die Hauptstadt-Wahl wirklich ist. Während die Berliner Lokalpatrioten nicht müde werden, „die herausragende“ Stellung der Stadt zu betonen, die, so klingt es zumindest durch, nicht weniger ist als die Wiege der menschlichen Zivilisation, sind andere Redakteure da eher skeptisch.
Als in Niedersachsen bereits die „größte Bibliothek nördlich der Alpen“ stand, meint Entwicklungsredakteur Christian Vollradt, sei Berlin nicht mehr als ein zu vernachlässigender Sumpf gewesen. Daß so manch mittelalterliche Metropole heut bestenfalls noch als provinzieller Güllegürtel von sich reden macht, spielt dabei offenbar keine Rolle.
Der Blick geht nach Berlin
Schon weil die JUNGE FREIHEIT hier ihren Redaktionssitz hat, ist trotzdem nicht zu übersehen daß die Berlin-Wahl deutlich intensiver wahrgenommen wird als manch andere Wahl. Das dürfte nicht zuletzt auch an den zahlreichen liberalen und konservativen Kleinparteien liegen, die sich, so sieht es aus, unberechtigte Hoffnungen auf den Einzug ins Abgeordnetenhaus machen.
So sympathisch „Pro-Deutschland“, „Die Freiheit“ und „Die Konservativen“ auch auftreten, so gering sind ihre Chancen in einer Stadt wie Berlin, die neben Harare (Zimbabwe) die einzige Hauptstadt der Welt ist, deren Bewohner durchschnittlich weniger zur Wirtschaftsleistung beitragen als der Rest der Bevölkerung. Eine Metropole, deren Einwohner in der Mehrzahl kaum aus ihrem Kiez kommen. So dürften viele zugezogene Schwaben zwar jede Bar in Kreuzberg kennen, von Bezirken wie Hohenschönhausen, Köpenick, Lichtenberg oder Marzahn aber bestenfalls durch hysterische Warnungen der „Mobilen Beratungsstelle gegen Rechtsextremismus“ gehört haben.
Einschüchtern klappt nicht
Ende August geht es dann zum sogenannten „Anti-Islamisierungskongreß“ der Bürgerbewegung Pro-Deutschland. Etwa 150 Demonstranten sind gekommen, die von eifrigen Antifa-Fotografen einzeln abfotografiert werden. Einschüchtern lassen sich die Demonstrationsteilnehmer davon jedoch nicht.
Comedypreisverdächtig verhalten sich die „Antifaschisten“, wenn man ihnen dann mal persönlich „Hallo“ sagen will. So mancher „Nazi-Jäger“, der noch gerade aufgeregt den Finger am Auslöser hatte, versteckt sich da lieber hinter einer Gruppe sichtlich genervter Polizeibeamter. Da verwundert es nicht, daß das „Bündnis Rechtspopulismus stoppen“ zur groß angekündigten Blockade der Pressekonferenz von Pro-Deutschland-Chef Manfred Rouhs nicht mehr als 13 Gegendemonstranten zusammentrommeln kann.
Darunter auch Bündnis-Sprecher Dirk Stegemann und die übliche Quotenmuslima, die aussieht, als hätte sie wenig Spaß am Leben. Aber mehr als „Nazis raus“ Schildchen hochhalten muß sie auch nicht. Um die wirklich „wichtigen Dinge“ kümmert sich bei dem linksextremen Bündnis sowieso nur Dirk Stegemann. Der droht auch gerne mal mit Klagen, wenn es nicht nach seinem Willen geht.
Bundesligatippspiel gestartet
Wirklich geschlaucht hat im Hochsommer eigentlich nur der Urlaub von JF-Online-Redakteur Felix Krautkrämer. Während seiner Abwesenheit darf der Internetauftritt schließlich nicht lahm liegen. Also nehmen Medienredakteur Ronald Gläser und ich uns des Onlineauftritts an. Angeleitet von Vollradt und angefeuert von Politik-Redakteur Marcus Schmidt gelingt es, die Artikel-Schlagzahl aufrechtzuerhalten. Daran hat allerdings auch ein neuer Praktikant Anteil, der acht Wochen bei der JF mitarbeitet und natürlich sofort in den Produktionsablauf integriert wird. Arbeitskraft wird am Hohenzollerndamm nie verschwendet.
Ich für meinen Teil hoffe jetzt erst mal, daß sich das JF-Bundesligatipspiel, an dem acht Redakteure sowie Leserdienstmitarbeiter Marc Mühlbrandt teilnehmen, sich künftig etwas besser für mich entwickelt. Nach furiosem Start aus der unangefochtenen Favoritenrolle bin ich jetzt vorläufig auf Platz vier abgerutscht. Naja, zumindest noch besser als der stellvertretende Chefredakteur Thorsten Thaler.
Dem gelang es allerdings auch erst mit tatkräftiger Unterstützung, sich überhaupt für die Tipprunde anzumelden. Aber ich will mich nicht beschweren. Er hat mir schließlich erlaubt, in seinem heiligen Kulturteil über die britische Heavy-Metal-Legende Judas Priest zu schreiben. Die hört nämlich bald auf. Ich mach jetzt erst mal weiter. Genug zu tun gibt es schließlich immer.