DDR-Briefmarke zum 10. Jahrestag des Mauerbaus: Geschichtspolitisch vor den SED-Erben kapituliert Foto: Wikimedia/Bundespost
Als die DDR am 13. August mit der Abriegelung ihrer Zonengrenze zu den Westsektoren begann, glaubten die meisten Berliner, dies würden Bonn und die Westalliierten nicht widerstandslos hinnehmen.
Das medienwirksame Auffahren von US-Panzern am Checkpoint Charlie entpuppte sich jedoch als Theaterdonner. Inzwischen wissen wir, daß die Westmächte vorab akzeptiert hatten, daß die Sowjetunion das Problem des Ausblutens der DDR durch das Errichten einer Sperrmauer stoppen wollte. Die Enttäuschung über das passive Verhalten Bundeskanzler Adenauers, der Berlin erst neun Tage später aufsuchte, ließ viele am Willen der CDU zur Einheit zweifeln.
Von der CDU erwartet inzwischen kaum noch jemand, dies überregional zu skandalisieren. Beschämender ist das Schweigen der SPD, die zeigt, daß sie geschichtspolitisch vor den SED-Erben kapituliert hat.
Till Eulenspiegel aus Québec (ville), Québec (pays)
Dienstag, 16-08-11 03:44
"Mauer des Schweigens" (Titel, oben)
Ja, das ist sie, eine Mauer des Schweigens die Frau Merkel in Bezug auf die DDR und ihre Rolle darin umgibt!
Selbst in diesem Forum wird die Frau Bundeskanzlerin nur am Rande, nur en passant erwähnt. Ein erstaunlicher Vorgang!
Frau Merkel war eine Nutznießerin der DDR; sie genoß ihre Privilegien in vollen Zügen -- solange sie dort andauerten. Sie durfte die Oberschule besuchen -- was nur wenigen zu jener Zeit gewährt wurde -- danach durfte sie Naturwissenschaften studieren -- was nur sehr wenigen gewährt wurde -- bis zum Doktorat -- was noch wenigeren gewährt wurde -- und dann wurde sie in die exklusive und prestigiöse Akademie der Wissenschaften der DDR aufgenommen -- was den allerwenigeren gewährt wurde, nicht einmal brillianteren Wissenschaftlern. Ob das eine Reihe von grandiosen und erfolgreichen intellektuellen Anstrengungen war, oder das zielgerichtetes Aufbauen einer Persönlichkeit zur besonderen Verwendung, oder eine Kette von Zufällen, oder einfach eine andauernde Glückssträhne, oder eine Verknüpfung aller jener Ursachen bleibt selbst dem aufmerksamen Zeitgenossen verborgen. So wie in der Quantenmechanik es nicht möglich ist, festzustellen, durch welchen von zwei Schlitzen das Lichtteilchen von der Quelle zur Senke gelangt. Man nennt das Unbestimmbarkeit. Ein Gleiches gilt für Frau Merkels Lebensweg in der DDR. Sie weiß das!
Andre Boine aus Dresden
Montag, 15-08-11 15:53
Sehr geehrter Edler, vielen Dank für Ihren Beitrag!
Dazu folgende Anmerkung meinerseits: mit den "Unrechtsstaaten" ist das so eine Sache, der Begriff ist im heutigen Sprachgebrauch nicht mehr als eine Worthülse, der jedwede juristische Handlung in der DDR zum Unrecht erklärt. Und hier kommt der Knusus-Knaksus: Erstens, da war nicht alles Unrecht; Zweitens, Unrecht gibt & gab es auch massiv in der Bundesrepublik. Meine diesbezüglich existenzielle Erfahrung war meine entschädigungslose Enteignung im Jahre 2005 durch einen Richter der Bundesrepublik Deutschland. Auf meine Anfrage an meinen Anwalt, ob ich nun Strafanzeige wg. Amtsmißbrauch, Rechtsbeuung oder Ähnlichem stellen wolle, erntete ich ein müdes Lächeln. Nicht zu vergessen, dass Staatsanwälte noch heute weisungsgebunden sind.
Zum Umgang mit dem politischen Gegner: unter Adenauer saßen Leute im Knast, weil sie - wegen welcher pazifischen Gründe auch immer - gegen die Wiederbewaffnung der Bundeswehr waren. Für diese Zeit der BRD gibt es keinen Unterschied zur DDR.
Was mich nicht stört, ist die DDR als Unrechtsstaat zu bezeichnen.
Was mich stört ist, dass die dafür angeführten Gründe z.T. sowohl i.d. alten, als auch neuen Bundesrepublik anzutreffen sind, man sich gleichsam aber "hoch-moralisch" zum "angeblichen Rechtsstaat" aufschwingt.
Abschließende Bemerkung: die Sache mit den Parteiausschlüssen halte ich für zu schnell geschossen, ich denke da vor allem an die Fälle Hohmann, Sarrazin und das politische Ableben Möllemanns.
Es ist auch für eine Demokratie gut, sich mal ohne Beißreflexe einer Sache aus einer anderen Perspektive zu nähern. Ein für mich wunderbares Beispiel dafür sind die Beiträge von Herrn Eckstein hier im JF-Forum, siehe bspw. hier:
JF-Artikel "Dem antiken Ideal verpflichtet", http://www.jungefreiheit.de/Single-News-Display-mit-Komm.154+M58977ab769e.0.html
Lion Edler aus BRD
Montag, 15-08-11 02:49
(Teil 2)Ich habe z.B.großen Respekt vor Schabowski, weil der eben Groß-Reinemachen gemacht hat und die Irrtümer zugegeben hat.Super Interview von ihm in JF. Ich bin auch nicht dagegen, dass Ex-RAF-Sympathisanten oder Ex-Steineschmeißer eine politische Karriere machen können.Jeder hat eine zweite Chance verdient. Nur gilt eben nicht nur bei der SED, sondern auch bei den Ex-RAF-Sympathisanten und Ex-Steineschmeißern: auch hier wird eben keinesfalls konsequent Schlußstrich gezogen,auch hier wird die Vergangenheit schöngeredet,während in Thüringen ein Politiker wegen ehemaliger JF-Tätigkeit nicht Minister werden darf. Das ist das Problem. Die CDU ist im Übrigen nicht besser,auch dort widerspricht ja niemand de Maiziere; anderes Thema.
Lion Edler aus BRD
Montag, 15-08-11 02:44
(Teil 1)Sehr geehrter Herr Boine,
in der Tat ist es m.E. ein Irrweg,der Linkspartei das Gedenkean an Mauertote vorzuwerfen.Wenn sie es nicht tun würde,würde man ihr wohl wiederum deshalb Vorwürfe machen.So kann sie es gar nicht richtig machen.
Ich finde es richtig,wenn die Partei der Mauertoten gedenkt,und sie sollte es noch mehr tun.Zu Ihrer Frage an Herrn Holt kann ich nur als erst '87 Geborener sagen:Mein Problem mit der Linkspartei besteht nicht beim Thema Gedenken, sondern bei fehlender "Aufarbeitung".Wenn ich die Linkspartei als Partei wie jede andere ansehen oder gar die Partei respektieren soll,müsste sie vor allem alle Personen aus der Partei schmeißen,die die DDR verharmlosen,indem sie z.B. leugnen dass es ein Unrechtsstaat war.
Andre Boine aus Dresden
Sonntag, 14-08-11 16:06
Sehr geehrter Herr Holt, haben Sie vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort!
Ich habe es mir (fast) gedacht: bei einem solchen Schicksal ist vergessen nicht möglich, eine Verzeihung auch nicht, es sei denn durch eigene Wahl.
Ich selbst glaube manchmal an Versöhnung, in meinen wenigen christlichen Momenten.
Aus der moralischen Verantwortung kann man die Linke nicht entlassen. Allerdings bin ich gegen ein sklavisches Festhalten von Schuld an den Nachgeborenen, dass betrifft auch unsere 13 z.T. finsteren Jahre. Ansonsten müsste man jeden Menschen mit politischen Grundüberzeugungen verdammmen, weil sich ein Teil seiner Ideologie stets aus finsterer Vergangenheit speist. Ich kenne bisher keine politische Strömung, deren Vorgänger nicht massiv Menschen-Blut an den Händen kleben haben.
Linke Strömungen werden, so glaube ich, auch in Zukunft nicht enden, erst Recht nicht unter den derzeitigen Voraussetzungen: im Ergebnis der Finanzkrise & der kommenden Transferunion, wird man bald wieder an den falschen Stellen sparen (Arbeit, Wohnen, Familie, Gesundheit), damit ein paar Banken & Ihre Verbündeten fleißig weiter gemästet werden. Das gibt der Linken stets Auftrieb.
Frank Herrmann aus Berlin
Sonntag, 14-08-11 11:52
http://www.pro-berlin.net/?p=3388
Die Bürgerbewegung pro Deutschland hat am 13. August an der Leipziger Straße in Mitte eine Kundgebung zum 50. Jahrestag des Mauerbaus durchgeführt.
Volker Larina aus Nordland
Sonntag, 14-08-11 10:05
Es fehlt nicht nur die Aufarbeitung des "Mauerbaues", von der Planung, über den Gigantismus der Realisierung, bis hin zum endgültigen Fall und der damit vielerorts verbundenen "Spurenbeseitigung".
Was hauptsächlich fehlt ist eine wissenschaftliche Aufarbeitung der DDR-Diktatur insgesamt. Sie ist einfach nicht gewollt, nicht von den Tätern, nicht von den opportunistischen Mitläufern und nicht von vielen Kreisen aus der Alt-BRD.
Es wird ein bisschen an der Oberfläche gekratzt und es werden einige wenige Einzelbeispiele publiziert. Das war es aber schon. Ansonsten gilt das Gebot der Omerta.
Praktisch, fast zur Entschuldigung wird die allgegenwärtige, monströse "Aufarbeitung" der NS-Zeit betrieben.
Ohne Migrationshintergrund aus dEUtschland
Sonntag, 14-08-11 09:59
Kersti Wolnow... Sie sprechen mir aus dem Herzen! Von 1976 an kämpfte ich um die Ausreise aus der ddr. Als mir dies 1984 endlich gelang, durfte ich glücklicherweise noch ein paar Jahre die selige Bonner Bundesrepublik kennenlernen und als meine Heimat betrachten. Damit war es 1989 vorbei. Als die Mauer fiel, habe ich zu meiner Frau gesagt: " Jetzt holen uns die Kommunisten wieder heim." So ist es gekommen und dieses unsägliche Gebilde ddrII ist mir keine Heimat mehr!
Hans Holt aus Mauerstadt Berlin
Sonntag, 14-08-11 09:35
@ Andre Boine aus Dresden
Die SED-Nachfolger gedenken der Toten – ihren. Ihre Frage ist schwer zu beantworten. Gefühlsmäßig würde ich sagen, die Tatsache allein, dass die SED/PDS/LINKE in Teilen der linken Gesellschaft toleriert wird, ist für mich beleidigend genug.
So wie wir als Nation für 13 Jahre Finsternis von den Juden in moralischer Haftung genommen werden, so sollten wir die Linken (von Dunkelrot bis Grün) auch für die Gulags, Killing Fields und Mauer nicht aus der moralischen Verantwortung entlassen.
Als Betroffener war ich am 13. August an der Bernauer Straße. Es war für mich unerträglich, einen Mann sprechen zu hören, der mit den Kommunisten ins Bett geht. Es war die Sprache eines Heuchlers. Es mag unter den Linken Täter geben, welche auch Opfer sind – aber verzeihen – nein, das werde ich nicht – schon gar nicht vergessen!
Paul Mannstein aus dem Amiland
Sonntag, 14-08-11 05:16
Die Freiheit ist manchmal teuer.
klaus raus aus Niederrhein
Samstag, 13-08-11 23:10
In Westdeutschland lief das Wirtschaftswunder noch auf Hochtouren , Arbeitskräfte konnte man nach wie vor gebrauchen. Aber für Adenauer war es kein Problem , das durch den Mauerbau , weitere Verstärkung für die brummende Wirtschaft ausblieb.......so konnte man mehr , und billigere Leute , aus der Türkei holen.
Nathan Samuelsson aus EUdSSR
Samstag, 13-08-11 22:08
Es gibt eine für die Linke nahelegende und historisch bewährte Lösung für die doch eher peinliche Mauer: Die deutschen Geschichtsbücher müssen einfach umgeschrieben werden, jede Erinnerung an die Mauer aus dem Gedächtnis der Massen getilgt werden, und jeder, der behauptet es hätte doch eine Mauer gegeben, muss einem Holocaust-Leugner gleichgestellt, als Radikaler klassifiziert, und in den Knast geworfen werden. Diese im Stalinismus hochbewährte Methode sollte vom linken Polit-Prekariat doch endlich von Neuem in Betracht gezogen werden. Wieso das einfache Fussvolk so sehr mit hässlichen Widersprüchen belasten? Wer die Vergangenheit kontrolliert, der kontrolliert auch die Zukunft.
Andre Boine aus Dresden
Samstag, 13-08-11 20:31
Zur Aufarbeitung durch die Hauptstadt verweise ich auf folgenden Link:
http://www.berliner-mauer-gedenkstaette.de/de/
Ich kann da keine Halbherzigkeit erkennen.
@Hans Holt: Ihr Zitat "Das heute auch von den linken Heuchlern der Toten der Mauer gedacht wird, ist für mich besonders unangenehm."
Sind Sie der Meinung, dass die Nachfolger der SED überhaupt nicht der Mauertoten gedenken oder an diese erinnern sollen, so wie Dieter Stein es wesentlich vehementer fordert?
Als direkt Betroffener würde mich interessieren, welchen Umgang Sie heute von den Nachfolgern der SED mit den Mauertoten und Systemgegnern/Ausreisewilligen wie Ihnen erwarten würden? Gibt es überhaupt eine Möglichkeit der Entschuldigung, ein Stück Wiedergutmachung Ihnen gegenüber? Wie sähe diese aus?
Gabriele Niggenaber aus Werne
Samstag, 13-08-11 12:00
Kersti Wolnow aus Irrenhaus BRD
Ich kann mir zwar nicht vortsellen, dass Sie sich die DDR mit all der Unfreiheit wirklich zurück wünschen, aber ich sehe auch, dass wir uns vollkommen von dem Weg zur Freiheit und Demokratie weg und zu einem totalitären Regime hin bewegen.
Die Regierung bricht das GG, wann und wie sie will und liefert uns Bürger rechtswidrig der EU aus. Einem Moloch, der nie gewählt wurde und nicht demokratische legitimiert ist! Sie veruntreut unser Steuergeld.
Sie übt einen Staatsstreich gegen das Volk aus und begeht Hochverrat. Wegen dieses Verdachts werde ich Schäuble und Merkel verklagen!
Erwin der Querdenker aus Dummerland
Samstag, 13-08-11 10:42
Teil 2
Es war immer der richtige Kommunismus, ob in der Sowjetunion oder anderswo! Das ist die hässliche Fratze der kommunistischen Ideologie! Menschen zählen hierbei nicht. Menschen sind bei dieser Ideologie das zu "formende Material", um den Glauben an die Lehre des Kommunismus zu erfüllen. Opfer werden deshalb billigend in Kauf genommen. Die beschwichtigenden Worte der Linken sind daher kein Lapsus linguae oder ein Hinweis auf einen Gedächtnisschwund, sondern lediglich eine Schutzbehauptung, um dem Zuhörer "Sand in die Augen zu streuen". Weder distanzieren sie sich von diesen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, noch wollen sie diese Verbrechen aufarbeiten. Und so billigen sie linke Gewalt nach wie vor in unserer Gesellschaft!
Erwin der Querdenker aus Dummerland
Samstag, 13-08-11 10:19
Teil 1
Die Erinnerung an dieses totalitäre menschenverachtende kommunistische Regime auf deutschem Boden ist doch störend für die Einrichtung der "DDR 2.0". Selbst die CDU und FDP scheinen diesen Bestrebungen nicht abgeneigt zu sein. Anders kann man die Gesinnungsschnüffelei und zunehmnende Diskriminierung Andersdenkender nicht mehr erklären. Auch ein Herr Friedrichs benötigt eine "Ritterrüstung", um sich mit kritischen Fragen und Antworten zu befassen. Offenheit ist ganz sicher etwas anderes. Wenn sich in der Öffentlichkeit die Linke dennoch genötigt! sieht, auf die alten DDR-Zustände zu reagieren, dann heißt es lapidar: "Es war doch nicht alles schlecht" oder "das war doch nicht der richtige Kommunismus".
Hans Holt aus Mauerstadt Berlin
Samstag, 13-08-11 08:31
Wer erinnert sich des politischen Spruchs, "Wer hat uns verraten? - Sozialdemokraten!"? Es scheint sich immer wieder bitter zu bewahrheiten.
Am 13. August 1961 wurde mir meine Jugend genommen, am 13. August 1973 wurde ich von der Stasi eingesperrt. Zwei verhängnissvolle Daten für mein Leben. Das heute auch von den linken Heuchlern der Toten der Mauer gedacht wird, ist für mich besonders unangenehm. Nur die Tatsache, das ich zwei Tage vor meiner geplanten Tat verraten und inhaftiert wurde, hat mir vielleicht das Leben gerettet. Daran zu denken, dass beim anderen Ausgang meiner Flucht für mich auch so eine Roststange im Boden gesteckt worden wäre, ist obskur.
Die von der Stasi an mich ausgegebene Haftnummer 182 366 ist ein Adelsprädikat.
Kersti Wolnow aus Irrenhaus BRD
Samstag, 13-08-11 07:59
Walter Ulbricht baute eine Mauer um sein Volk, um ein Ausbluten zu verhindern. Heute versuchen die an der Macht stehenden Kommunisten von Trittin bis Merkel alles Deutsche zu vernichten, von der physischen Auslöschung unseres Volkes durch ungefilterte Einwanderung bis zur Sprachverhunzung (Schlechtschreibreform, Denglisch in der Werbung und die Vereinfachung der Schrift). Ich stand einmal am abgesperrten Brandenburger Tor, sah die Spatzen hin und herlaufen und wünschte mir das auch. Jetzt haben wir sperrangelweite offene Grenzen, Moscheen, Ausländer in der Regierung und Kriminalität. Ich als DDR Flüchtling wünsche mir die DDR zurück, nie hätte ich das gedacht, denn ich habe in der BRD keine Heimat mehr.