Streiflicht

Donnerstag, 09.02.2012

Mehr Mut zur Differenz

Von Dieter Stein

Mit dem Schreibverbot für Pfarrer Oblinger unterwirft sich die Kirche einem Zeitgeist, den sie eher herausfordern müßte Foto: Pixelio/Gerd Altmann

Im Gespräch mit der JUNGEN FREIHEIT macht sich der Literaturwissenschaftler Hans Ulrich Gumbrecht Luft über eine deutsche Krankheit: die ekelhafte Konsenssucht, den kollektiven Zwang zur Harmonie, der in die obsessive Gängelung abweichender Köpfe mündet, „dieses Phänomen der ‘erwünschten Meinung’ (...) und das Selektieren der ‘unerwünschten Meinungen’.“ Bestätigt finden kann man dies erneut am Fall des katholischen Pfarrers Georg Alois Oblinger, der von seinem Bischof ein Verbot erhielt, für die JF zu schreiben. Oblinger hat nicht gegen die katholische Lehre verstoßen, sondern er hat für die – im Sinne der herrschenden politischen Korrektheit – „falsche Zeitung“ geschrieben.

Die Entscheidung des Bischofs, die autoritär anmutet, fügt sich in das Bild einer Kirche, die auf diese Weise wiederholt ihre Autorität dem Zeitgeist unterwirft. Unter dem Druck dieses Geistes wurde eine Zensurmaßnahme gegen eine Zeitung getroffen, die in Fragen unbequem ist, in denen es die Kirche auch sein sollte: Ehe, Familie, Lebensschutz und christliche Tradition. Das Virus der spezifisch deutschen Harmoniesucht hat im Fall Oblinger ausgerechnet eine Institution befallen, die in der Gesellschaft Anstoß erregen muß, wenn sie ihrem eigentlichen Auftrag nachkommt. 

Der Fall schlägt in der katholischen Publizistik Wellen: Auf zwei Seiten widmet sich Christ & Welt, die für die ehemaligen Abonnenten des 2010 eingestellten Rheinischen Merkur gefertigte Beilage der Zeit, der Zensurmaßnahme. Michael Rutz, der gescheiterte letzte Chefredakteur des von der katholischen Kirche lange Zeit hochsubventionierten und schließlich an die kirchenferne Wochenzeitung verscherbelten Blattes, rühmt sich dort, es habe unter ihm einen Unvereinbarkeitsbeschluß mit der JF gegeben.

Das Rechte, das Konservative findet faktisch fast keinen Raum mehr

„Rassistische Untertöne“, eitle Autoren, die zu wenig aus dem Nationalsozialismus gelernt hätten, macht er bei der JF aus. Rutz trug einst Mitverantwortung dafür, daß der Philosoph Günter Zehm, der schon wegen „abweichender Meinungen“ in der DDR drei Jahre im Zuchthaus saß, mit seiner legendären Pankraz-Kolumne aus dem Rheinischen Merkur gemobbt wurde.

Reinhard Müller beklagte vergangene Woche in der FAZ diese „Stigmatisierung als ‘rechts ’“, die generell „hierzulande ein vernichtendes Urteil“, ein „wirksamer Pranger“ sei, weil es mit Rechtsextremismus gleichgesetzt werde. Das Rechte, das Konservative findet so faktisch fast keinen Raum mehr.

Gumbrecht hingegen fordert eine „echte Debatte“, die eine „Konfrontation verschiedener Standpunkte“ bedeute „und nicht das Durchsetzen des einen, angeblich richtigen“. Nichts mehr und nichts weniger beabsichtigt diese Zeitung. Audiatur et altera pars – man höre auch die andere Seite, dieses Prinzip wird man mit Maulkörben und Schreibverboten nicht ersticken können; es muß jedoch täglich erkämpft werden.

7/12



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Jürg Rückert aus Südwest

Samstag, 11-02-12 16:27

Eine Lokalzeitung berichtete diese Woche über den „umstrittenen“ Pfarrer Oblinger. Er habe für eine rechte Zeitung geschrieben. Später wird das Wort „rechtsextrem“ eingestreut. Zum Schluss kommt eine frommer Gläubiger zu Wort, der sich darüber entrüstet, dass man ihnen in Lindau einen solchen Mann zumute und warum der Bischof den nicht vom Dienst suspendiert habe.
Das Fernsehen argumentierte übrigens ähnlich über den Opernball in Wien. Man rückt ein Szenario zurecht, zitiert andere, hat das selber gar nicht behauptet: Dreckschleudern mit weißen Handschuhen!

 

Simon Boccanegra aus Katzenelnbogen

Freitag, 10-02-12 20:56

Oblingeris obliviscar nunquam neque Zdarsae censoris
Augustae episcopi turpe qui se praebuit.

 

Ulrich Motte aus Dortmund

Freitag, 10-02-12 10:12

S.g. O. Ditges! Unten finden Sie eine kleine Auswahl kirchensteuerfreier Kirchen. Niemand muß Kirchensteuerkirchen angehören. Gern nenne ich Ihnen für Ihren Ort (und anderen für andere Orte) kirchensteuerfreie UND Konservativere Kirchengemeinden.

 

andreas anders aus deutschland

Freitag, 10-02-12 09:50

@ Ulrich Motte aus Dortmund

die Gemeinden in der SELK sind nicht teilweise besser , sie sind alle besser !
Nicht teilweise !!!

In der SELK wird das Wort GOTTES rein und klar gepredigt. Der Bischof nimmt teil am 1000 Kreuze Marsch in Berlin ( 2009 ) teil, ich habe einen Pastor kennengelernt der von der Landeskirche zur SELK wechselte nachdem man ihm in der Lk vorwarf " Missionierung ist fundamentalistisch " .
Dieser Mann hat seine Berufung in der SELK gefunden , wo er zwar 25 % weniger Gehalt bekommt , aber sein Haupt aufrecht tragen kann !

Die SELK besteht aus Idealisten und Realisten die das Wort Teufel und Hölle auch noch in den Liedern singen und nicht ganze Strophen ausklammern wie in der Lk .

 

Olaf Ditges aus NRW

Freitag, 10-02-12 04:25

Ohne Kirchensteuer wär alles nur halb so wild, denn dann könnte jeder selber entscheiden was er unterstützen will und was nicht. Demokratischer geht es nicht.

 

Ralf Beez Ofw d. R. aus 72250 Freudenstadt

Donnerstag, 09-02-12 19:54

Als ich vor cirka 20 Jahren aus dieser Kirche ausgetreten bin, weil ich zu einer bibeltreuen Gemeinde
gefunden habe, bei der ich die richtigen Antworten auf
meine Fragen erhalten habe, da war mir schon klar:

Diese Kirche ist NICHT mehr zu retten, es gilt nur noch
den einzelnen Gliedern das Evangelium zu verkündigen,
auf das sich noch möglichst viele bekehren und dem
Schlund dieser babylonischen Hure entrissen werden.

Lies hierzu auch die Offenbarung des Johannes!!!

 

Ulrich Motte aus Dortmund

Donnerstag, 09-02-12 18:56

Gut! 2 Bemerkungen: Die EKD (=Evgl. Landeskirchen) ist meist auch nicht besser als die römisch-katholische Kirche in Deutschland (RKKD). Die Evangelisch-Konservativen Kirchen, ETWA die Evangelisch-Lutherischen Freikirche, die Gemeinden in der Brüderbewegung, in der Konferenz für Gemeindegründung, bei der Kamen-Initiative, Freie Baptistengemeinden, teils sogar die Gemeinden in der Selbständig-Evangelisch-Lutherischen Kirche (alle kirchensteuerfrei von Spenden lebend) sind meist besser.

 

Maximilian Irrlicht aus Berlin

Donnerstag, 09-02-12 18:32

In der Tat ist die NS-Zeit und ihre Bewertung der zentrale Bezugspunkt der BRD, wobei der Terminus "aus dem Nationalsozialismus lernen" synonym zu "die Propaganda der Kriegsgegner blind glauben" ist. Martin Broszat beklagte schon in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts die mangelnde Wissenschaftlichkeit der NS-Forschung. Die JF ist nicht so sehr wegen klassischer konservativer Themen unbequem, sondern weil ihre Stimme gelegentlich schrill aus dem Chor, der mit Hingabe und Eifer das aufoktroyierte Geschichtsbild besingt, hervorsticht.

 

T. Nehrenheim aus BRD

Donnerstag, 09-02-12 18:26

Ich möchte widersprechen: "den kollektiven Zwang zur Harmonie" haben wir nicht. Es ist eher eine Art Elternbewusstsein, das uns zwanghaft leitet, Richtigkeit, Perfektion einzufordern, und dies eben mit klaren Worten, mit Sanktionierungen usw., also eben unharmonisch. Das Streben nach Harmonie (und auch ihre negativen Effekte) kann man in einer buddhistischen Gesellschaft lernen.
Wir Deutschen leiden manchmal an den praktischen Ausprägungen unseres Volkscharakters. Wir neigen zu Extremen, 100%igkeit, so als wären wir ständig in einer Notlage und erkennen nicht den Wert der "Grautöne" zwischen Schwarz und Weiß.

 

Petrus Urinus Minor aus Zorn

Donnerstag, 09-02-12 16:19

Was wollen Sie, so ist das nun einmal, wenn man in einer Diktatur lebt.

Ich frage mich manchmal, wann die Menschen "DAMALS" mitgekriegt haben, dass man kein Rechtsstaat mehr war. Schließlich konnte man noch die ganze Zeit seinen Nachbarschaftsstreit wegen Überwuchses paletti nach BGB regeln.

Und wenn man die Perlbaums von neben an abholte, naja, irgendwas werden die ja schon gemacht haben. Das ist die Schuldsvermutung des Spießers. Gibts heute längst wieder.

Die Sensibleren merkten es wohl, als es für Taten wie "Feindsender hören" und "Flüsterwitze" tatsächlich Rübe ab gab; der Durchschnitt erst, als man ihm 24 Stunden am Tag anerzog, daß das doch eine ganz schlimme Sache gewesen sein sollte.

 
 

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