Sonntag, 07.02.2010

„PIGS"

Sage noch einer, Banker hätten keinen Humor. Für die inflationsgeneigten Hochrisikostaaten der Eurozone, die mit ihren Schuldenbergen immer munter an der Klippe zum Staatsbankrott entlangschrammen, für Portugal, Italien, Griechenland und Spanien also, hat die Finanzwelt seit kurzem ein prägnantes Sammelkürzel: PIGS.

Fragt sich nur, wer die größeren Schlawiner sind – die wörtliche Übersetzung wollen wir mal lieber nicht benutzen: Die Schlaumeier in den Südländern, die vor lauter Freude über die Erhöhung ihrer Kreditwürdigkeit durch eine Gemeinschaftswährung mit Deutschland und anderen Schwergewichten so viele Schulden gemacht haben, daß uns der Euro demnächst um die Ohren fliegen könnte - oder die Superstrategen, die uns das Ganze erst eingebrockt haben.

 Fragen wir doch mal die EU-Kommission, was sie im Moment so über den Euro denkt. „Wachsende Ungleichgewichte durch die auseinanderdriftende Wettbewerbsfähigkeit der Mitgliedsländer“ gäben „Anlaß zu ernster Besorgnis für die Euro-Zone als Ganzes“, liest man in einer Vorlage der Generaldirektion Wirtschaft und Finanzen für die Finanzminister der Eurogruppe. Und: „Ungleichgewichte in der Euro-Zone führen zu Spannungen, die nicht mehr über Wechselkursveränderungen ausgeglichen werden können.“

Fragen über Fragen

Ach nee. Und das hatte man vorher wirklich nicht wissen können? Dabei hört sich das verdächtig nach den Warnungen der Euro-Gegner vor der Einführung des Synthetik-Geldes an. Ja, genau, der europalosen Gesellen, die den Euromanen ihr neues Spielzeug – „der Euro wird mindestens so stabil wie die Mark“, O-Ton 1996 Kanzler Kohl, Bundesfinanzminister Theo Waigel, Wolfgang Schäuble, heute Finanzminister, hahaha – miesmachen wollten.

Nun könnte man sich behaglich zurücklehnen und feixen, sehr ihr, wir haben’s ja gleich gesagt – wenn es nicht um unser aller Geld ginge. Was passiert denn, wenn Griechenland sein Defizit nicht in den Griff bekommt? Kann man die Griechen dann zwingen? Vielleicht sogar rausschmeißen?

Oder bricht man das Beistandsverbot im Euro-Vertrag und hilft ihnen mit einer gemeinsamen Euro-Anleihe oder anderen Hilfen aus der Patsche? Dann wird der Euro endgültig zum Inflationsgeld. Soll Deutschland dann aussteigen? Oder freut sich die Bundesregierung im Gegenteil darauf, dann per Geldentwertung ihre auch schon bald griechisch dimensionierten Schulden loszuwerden?

Fragen über Fragen. Die Kanzlerin schweigt, sowieso. Man wüßte aber doch ganz gerne, wie man in Berlin mit dieser Krise umzugehen gedenkt. Macht schließlich auf die Dauer auch keine Freude, in der eigenen Skepsis immer wieder bestätigt zu werden.

 



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Florian Geyer aus Hofheim

Dienstag, 09-02-10 22:28

Vox populi....

Es gab genug Warnungen vor der Zwangsjacke Euro,
auch in den Massenmedien.
Die allermeisten deutschen Wähler haben trotzdem die Parteien gewählt, die für die Euro-Einführung waren.
Selbst schuld, kann man denen nur sagen,
die sich wundern, warum bis 2007 die Immobilienpreise in Irland und Spanien explodiert sind, während sie in (Bundes-) Deutschland und Österreich gefallen sind.
Die Leitzinsen sind nämlich für den Knoblauchgürtel zu niedrig gewesen und für (Bundes-) Deutschland und Österreich zu hoch.
Ohne Euro, EZB und EU-Beiträge hätte Deutschland ein Defizit, das selbst in der derzeiigen Krise kaum über 3% läge. Aber man mußte ja unbedingt in Spanien noch den allerletzten Feldweg teeren.

 

Helmut M. aus Unfreiburg

Montag, 08-02-10 13:01

Es wird wohl so kommen: Wir zahlen den Griechen usw., was sie an Milliarden schon bekommen und verjubelt haben, nun ein zweites Mal - denn wir sind ja "mitschuld", da wir sie gewähren ließen - es gibt wohl keine Handlung oder Nichthandlung des Deutschen, an der er nicht schuldig würde. Und wir büßen ein drittes Mal, wenn wir die Inflationsfolgen tragen.

 
 

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