Sonntag, 07.02.2010

Pfarrer unter Generalverdacht

„Wenn ich es mit neuen Eltern zu tun bekam, war einer meiner ersten Sätze: Trauen Sie keinem Pfarrer!“ So äußerte sich am Freitag der Jesuitenpater Friedhelm Mennekes in der Frankfurter Rundschau.

Vor dem Hintergrund der kürzlich bekannt gewordenen Mißbrauchsfälle an Jesuiteninternaten hat der 69 Jahre alte emeritierte Professor für Pastoraltheologie, der in einer Frankfurter Vorortpfarrei auch als Pfarrer wirkte, dem als kirchenfeindlich bekannten Blatt ein Interview gegeben.

Die von linkskatholischer Seite gewohnten Forderungen nach Aufhebung des Zölibats und nach Einführung des Frauenpriestertums werden auch von Mennekes erhoben. Die Kirche sei auf die Sexualmoral fixiert und die zölibatäre Lebensform des Priesters sei die Ursache für den sexuellen Mißbrauch durch katholische Geistliche.

In welcher Welt lebt eigentlich Pater Mennekes? Während die nackte Haut und der Themenbereich Sexualität in den Medien allgegenwärtig sind, wird in den meisten Kirchen die Sexualmoral in der Predigt ganzjährig gemieden, um nirgendwo anzuecken. Wenn sich kirchliche Vertreter tatsächlich zu diesem Thema äußern, dann wegen der Interviewer, für die Themen unterhalb der Gürtellinie meist besonders interessant sind. Die Gleichsetzung von Kirche und Sexualmoral geschieht meist eben dort.

Der Zölibat ist heute besonders notwendig

Daß Fälle von sexuellem Missbrauch durch Geistliche vorkommen, ist leider wahr. Falsch ist es jedoch, hierfür den Zölibat verantwortlich zu machen und alle Pfarrer unter Generalverdacht zu stellen. Die meisten Missbrauchsfälle geschehen immer noch durch Familienangehörige. Der Zölibat ist gerade heute besonders notwendig, da er der Hypersexualisierung unserer Gesellschaft entgegensteht und auf andere – nämlich geistige – Lebensziele verweist.

In besagtem Interview kritisiert Friedhelm Mennekes das „System Kirche“, das „eine reife erotische Persönlichkeit verhindert“. Dem Papst wirft er vor, dieser „hetzt gegen die Gleichstellung homosexueller Lebensgemeinschaften“. Es scheint, als ob für Mennekes das Ausleben jeder sexuellen Phantasie mit Glück gleichgesetzt wird. Wer ist hier eigentlich „fixiert“?

Die Sexualität ist ein hohes Gut, das dem Menschen geschenkt ist, das aber auch mit einer großen Verantwortung verbunden ist. Wo der Mensch sich nur noch von Begierden und Trieben steuern läßt, verliert er seine Würde und wird unfähig für eine liebende zwischenmenschliche Beziehung. Das gilt für den Jugendlichen ebenso wie für den Verheirateten oder den zölibatär Lebenden.

Sexualität als Quelle der Liebe und der Freude

Ausgehend von der heiligen Schrift haben gerade die letzten Päpste gezeigt, wie die Sexualität zur Quelle der Liebe und der Freude werden kann. Dadurch haben sie der ideologischen Verführung durch den Zeitgeist eine Alternative gegenübergestellt. Doch Applaus erhält heute nur derjenige, der den Papst kritisiert, nicht, wer Kritik am Zeitgeist übt.

Daß die Papstkritik in vorliegendem Fall von einem Jesuiten kommt, mag verwundern, da doch der Jesuitenorden neben Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam noch die Papsttreue als viertes Gelübde kennt. Auf dieses Gelübde angesprochen, meinte Pater Mennekes einmal, er sei dem künftigen Papst gehorsam, da dieser den Zölibat sicherlich abschaffen werde.

Ich ziehe daher folgende Konsequenz: Den Ratschlag von Pater Mennekes, keinem Pfarrer zu trauen, befolge ich zunächst einmal in Bezug auf seine eigenen Aussagen.




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bluthilde blog aus bernburg

Dienstag, 09-02-10 13:30

wir sind da an zwei sachen dran, die schon lange von der katholischen kirche vertuscht werden.

zwei rauhaardackel aus dem katholischen tierheim im oberpfälzischen groschlattengrün zeigten auffälligkeiten, als sie ihre ausbildung zum grubenhund für saarländische zechen antreten sollten. wir vermuten zoophile exzesse.

und auch in der aufbahrungshalle des kirchlichen bestattungsinstituts in hundeluft (lkr. wittenberg) soll sich ein nekrophilieskandal zugetragen haben. leider schweigt das mutmaßliche opfer beharrlich. die genossin dr. hilde benjamin hätte in einem solchen fall unbeirrbar gehandelt und nach dem rechtsgeschichtlichen vorbild der leichensynode von 897 das opfer zur zeugenaussage bewegt!

 

Michael V aus dem Werratal

Montag, 08-02-10 23:25

@Stefan Weber

Wissen Sie, meiner Erfahrung nach ist jeder, der es wagt, den Papst auch nur gegen die absurdesten Vorwürfe einfach aus Liebe zur Logik in Schutz zu nehmen, automatisch "aggressiv" mit "wundem Punkt".

In wieweit sollen z.B. die Äußerungen von Frau Merkel zu Familien und Kindeserziehung besser verifizierbar sein als die Äußerungen des Papstes zur Sexualität? Er sagte nicht: "Herr Weber, wenn Sie es tun, kommen Sie in die Hölle!", sondern sprach über die möglichen weltlichen Folgen, welche ich im übrigens durchaus nachvollziehe, und ich bin - nebenbei bemerkt - verheiratet mit zwei Kindern.

 

Stefan Weber aus Göppingen

Montag, 08-02-10 16:58

Lieber Michael V., warum so aggressiv? Habe ich etwa einen wunden Punkt getroffen? Es war nicht meine Absicht, irgendwelche hehren Ansprüche zu postulieren. Ich wies lediglich darauf hin, dass diese Angelegenheit nicht einer gewissen Ironie entbehrt.
Im Übrigen hinken Ihre Vergleiche mehr als gewaltig. Keine der von Ihnen genannten Personen muss erst sterben bevor sie weiß, ob sie Recht hatte.

 

Ulrich Motte aus München

Montag, 08-02-10 14:51

Zu Hr. Baumgartner

Mir sind keine Zahlen über Mißbrauch bei evangelischen Seelsorgern bekannt. Es wäre schrecklich dumm, denke ich, dort Erschreckendes auszuschließen. Interessant wären Vergleiche zwischen linken Landes- und linken Freikirchen, Pfingstlern und evgl.-konservativen Kirchen. Aus den USA sind Sexskandale weit häufiger bei Links- und Pfingstkirchen bekannt geworden. Die auch in Deutschland zur Zeit kursierenden Statistiken über Mißbrauch bei evangelischen Us-Seelsorgern scheinen undifferenziert zu sein. Allein schon die Differenzierung nach ethnischer Herkunft wäre interessant.

 

Ralf Baumgartner aus Umkirch

Montag, 08-02-10 12:52

In der Badischen Zeitung, die an sich die gegenwärtige Kampagne gegen die Katholische Kirche und den Zölibat mitträgt, ist immerhin am 6. 2. ein Leserbrief erschienen, in der die Psychologin Marianne Kawohl aus ihrer fast 30-jährigen Beratungspraxis berichtet:
"Bei verheirateten, nicht-katholischen Männern, Seelsorgern aus evangelischen Freikirchen, evangelischen Landeskirchen und aus evangelischen Missionswerken ließe sich in etwa der gleiche Prozentsatz an sexuellem Missbrauch nachweisen, wenn die Betroffenen sich ehrlich offen outen würden. Da sind es dann allerdings häufiger Väter (leider auch Prediger, Verkünder des Evangeliums usw.), die ihre Töchter, oder Lehrer, die ihre Schülerinnen sexuell missbrauchen."

 

Ulrich Motte aus München

Montag, 08-02-10 11:26

Zu Hr. Thesen:

Zur Häufigkeit von Kindesmißbrauch und Verführung Jugendlicher durch katholische Priester finden sich Statistiken auf der katholisch-papsttreuen Internetseite "kathnet",die die genannten Prozentzahlen aus der Nürnberger Zeitung zu widerlegen scheinen.

 

Rainer Thesen aus Nürnberg

Montag, 08-02-10 10:26

Herrn Pfarrer oblinger ist voll und ganz zuzustimmen. Ergänzend: In der Nürnberger Zeitung vom heutigen Tage kann man nachlesen, daß Kindesmißbrauch bei Prieterm prozentual weitaus weniger häufig vorkommt, als bei anderen Gruppen der Bevölkerung. Warum wohl?

 

Ulrich Motte aus München

Montag, 08-02-10 09:33

Keine Religion oder andere Gesinnungsgemeinschaft ist moralisch verantwortlich für die unvermeidbaren Einzelfälle. Verantwortlich ist man aber für die weitere Duldung schwerer Sünder (ETWA Katholische Bischöfe oft bei Kinderschändern)oder die Billigung oder Förderung schlimmer Ideologien (Moslems oft bei Intoleranz bzw. Haßpredigt, deutsche Großkirchen oft bei Abweichung von biblischer Lehre oder Moral)

 

Michael V aus dem Werratal

Montag, 08-02-10 09:23

@Stefan Weber

Komisch. Wenn eine kinderlose Kanzlerin sich über Kindererziehung auslässt, regt sich keiner auf. Wenn Ungediente sich zur Bundeswehr äußern, regt sich keiner auf. Wenn Sesselsportler in der Eckkneipe sich über "Fehlentscheidungen" des Bundestrainers echauffieren, regt sich keiner auf. Wenn reine Befehlsempfänger sich über die Handlungen ihrer Führungskräfte das Maul zerreißen, regt sich keiner auf. Aber AUSGERECHNET der Papst soll nicht in der Lage sein, sich über Dinge zu äußern, welche nicht zu seinem unmittelbaren Erleben gehören? Verhalten SIE sich auch immer gemäß Ihres eigenen hehren Anspruches?

 

Stefan Weber aus Göppingen

Sonntag, 07-02-10 23:13

"Ausgehend von der heiligen Schrift haben gerade die letzten Päpste gezeigt, wie die Sexualität zur Quelle der Liebe und der Freude werden kann."

Ich kann mir nicht helfen, aber wenn ein Papst zum Thema Sexualität referiert ist das in etwa so als ob ein Brunnenfrosch vom Meer erzählt.

 

Hans Deutsch aus Dresden

Sonntag, 07-02-10 17:22

Ich habe es damals bei den Piusbrüdern nicht verstanden und ich verstehe es jetzt bei diesem Mennekes immer noch nicht: Wie kann man denn ein katholisch Priester sein, wenn man mit nicht mit dem übereinstimmt was der Pabst lehrt? Und wieso wird sowas von der katholischen Kirche toleriert?

 

Michael V aus dem Werratal

Sonntag, 07-02-10 15:57

Komisch: Wenn Imame korankonform in der Nachfolge Mohammeds zu Hass und Mord aufrufen, dann sind das immer "Einzelfälle", welche "nichts mit dem Islam zu tun haben". Wenn katholische Priester jedoch entgegen der Bibel und entgegen des Lebens und Wortes Jesu Kinder missbrauchen, dann sind "der Katholizismus" und "der Papst" schuld.

Wenn der Zölibat ursächlich für den sexuellen Missbrauch durch Priester sein soll, warum sind dann nicht die gewaltlose Erziehung und Pazifismus ursächlich für die Gewalttaten der linken Jugend, da so die Entwicklung zu einer zivilisiert-konfliktfähigen Persönlichkeit verhinder wurde?

 

Helmut M. aus Unfreiburg

Sonntag, 07-02-10 12:38

Im Januar 2009 war ich hier auf einer Holocaust-Gedenkfeier. Der Referent sprach weniger über das Thema als viel mehr über die angebliche Unterstützung der "Holocaustleugnung" Williamsons durch den Papst. Im Publikum herrschte die Einmütigkeit und Feigheit, wie sie aus unserer Geschichte bekannt ist - keiner widersprach. Die Presse weidete die Angelegenheit ebenfalls bis zum Erguss aus. Dieses Jahr ist nun der Missbrauch dran - Pfarrer Oblinger und vorher schon R. Gläser www.jungefreiheit.de/index.php?id=154&tx_ttnews[tt_news]=85880&tx_ttnews[backPid]=453&cHash=a7d4d39a[..] haben das Nötige gesagt. Die Kampagnen der linken Presse zeigen mir den Papst und die ihm treuen Teile der Kirche als Fels in der Brandung des Zeitgeists.

 

Thomas Lentze aus Bonn

Sonntag, 07-02-10 10:59

Liest man die Leser-Kommentare zu den Mißbräuchen etwa im "Spiegel", so wird einem schnell klar, daß als Motiv hier der anti-klerikale Haß, letztlich der Gottes-Haß dahintersteht. Viele nehmen der Kirche übel, daß sie den Beweis erbringt, daß Reinheit als Lebensform möglich ist. Weil aber der offene Kampf gegen Ideale nicht gut ankommt, führen sie die Pädokriminalität - als angeblich zwingende Folge priesterlicher Reinheit - ins Feld.

Auch im Falle des Burka-Verbots spricht man von "Befreiung" der Frau, meint aber Befreiung von der Selbstverpflichtung zur außerehelichen Keuschheit. Sollen die Kritiker doch sagen, was sie wirklich wollen: Totale sexuelle Enthemmung des Tieres in uns, bzw. die "Herrschaft des Tieres", d.h. des Antichristen.

 

Ulrich Motte aus München

Sonntag, 07-02-10 10:22

Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen von "Geistlichen" und von Laien ist in der Tat ein heute besonders wichtiges Zeichen und von der Bibel ausdrücklich bejaht. Genauso billigt die Bibel aber Ehe und Familie für "Geistliche". Als Ehemann und Vater "treu und tüchtig" zu sein, erhebt die Bibel zudem zur Bedingung für (verheiratete) geistliche Führer. Der Zölibat als Bedingung fürs geistliche Amt ist so falsch wie die Duldung darin von denen, die als Ehemann oder Vater gescheitert sind. Jeglicher außereheliche Geschlechtsverkehr muß die Entlassung zur Folge haben,was beide Großkirchen mißachten.

 
 

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