Deutschland

Donnerstag, 16.07.2009

Mit „Spaß“ gegen den Staat

Von Baal Müller

Als Clowns verkleidete Demonstranten 2008 Foto: Wikipedia/Buroll

In den achtziger Jahren war alles noch einfach: Reagan oder Strauß waren die Bösen; diejenigen, die für Frieden und gegen Atomkraft demonstrierten, die Guten, und entsprechend langweilig wurden irgendwann die biedersinnig-engagierten „Latschdemos“, wie sie der „Protestforscher“ Dieter Rucht vom Wissenschaftszentrum Berlin nennt.

Seitdem aber der Staat die Bürger selbst dazu aufruft, durch Demonstrationen „Gesicht zu zeigen“, seit es sogar in der CDU nur noch Gute gibt und die USA ihren Obama haben, hat sich die „klassische“ Demonstrationskultur im wahrsten Sinne des Wortes totgelaufen und wurde durch allerlei mehr oder weniger neue, tatsächliche oder vermeintliche, Protestformen ersetzt.

Süffisant wird getitelt: „Polizei schützt Wiese vor Clowns“

Neben den zwar nicht staatstragenden, aber gesellschaftsformierenden Pseudo-Demonstrationen der Parteien, Kirchen, Gewerkschaften und Bündnisse gegen Rechts haben sich einerseits die gewalttätigen linksextremen Ausschreitungen etabliert (die gelegentlich von Rechtsextremisten bis hin zum schwarz vermummten äußeren Erscheinungsbild kopiert werden); andererseits zeigen sich besonders seit den G8-Krawallen von 2007 „alternative“ Protestformen, wie sie etwa von der Hedonistischen Internationale organisiert werden.

Wie der Name erahnen läßt, geht es den lose vernetzten internationalen Gruppen, die ihren lokalen Schwerpunkt in Berlin haben, vor allem um Spaß, Genuß, selbstbestimmtes Leben, Toleranz, ein kosmopolitisches Dasein, und ihr an das „Gesetz“ „Tu, was Du willst“ aus dem „Liber Al vel Legis“ des Okkultisten (und Satanisten) Aleister Crowley angelehntes Motto lautet entsprechend „Do what you want“.

Natürlich sind weder diese Inhalte originell, bieten sie doch lediglich einen Mix aus linken, „emanzipatorischen“ Parolen und medialer Event-Kultur, noch die Aktionsformen, in denen sich Elemente der unpolitischen Love Parade (etwa die musische Beschallung von Lastwagen herab) oder des Christopher Street Day mit solchen aus dem Repertoire der Spontis der siebziger Jahre, der „Situationisten“ oder der „Kommunikationsguerilla“ verbinden, sondern neu ist die Vermischung und spielerische Einebnung aller Fronten, die dabei betrieben wird; schließlich ist der Staat genauso gegen Rechts wie die Hedonisten, die nackt tanzend eine „Nazi-Kneipe“ stürmen, einen Thor-Steinar-Laden belagern oder als Clowns beim Anti-Islamisierungskongreß von Pro Köln Polizisten „umzingeln“ oder das stillgelegte Tempelhofer Flugfeld besetzen wollen – süffisant titelte die linke taz: „Polizei schützt Wiese vor Clowns“. >>



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Der Klaus aus Deutschland

Donnerstag, 16-07-09 17:48

Die schlawiner von der KSA bringen mich mit Ihren Aktionen immer wieder zum Lachen, während die Linken Gutmenschen einfach nur noch zum Weinen langweilig und selbstzufrieden sind. Solange immer nur gegen Feinde angerannt wird die winzig klein sind, aber niemals wirklich gefährlich ist das bestenfalls nur noch peinlich. Das Gutmenschen sich lieber an den paar tausend Rechtsextremen abarbeiten aber den Islam in ruhe lassen, sagt alles.

 

Carsten Schulz aus Mannheim

Donnerstag, 16-07-09 13:48

Das ist doch alles nichts Neues. Ich erinnere an die Spontibewegung der 70er Jahre, aus der dann solche Sumpfblüten wie der 'Tunix-Kongress' im Jahre 1978 in Berlin enstanden. Oder man denke an das ganze überspannte Getue um sexuelle Minderheiten, bis hin zu einer unverhüllten Propagierung von Pädophilie. Ich erinnere nur an den grotesken Auftritt der Nürnberger 'Indianerkommune' auf Parteitagen der Grünen. Die Aktivisten jener Jahre sind heute größtenteils behagliche linke Spießer, die sich allzeit politisch korrekt in ihrer Gutmenschlichkeit sonnen.

 

Klaus Reichel aus Forchheim

Donnerstag, 16-07-09 11:47

„Tu was du willst!“ - dieser Spruch kommt auch bei Michael Ende in der „Unendlichen Geschichte“ vor. Damit wird aber nur vordergründig aufgefordert, zu tun, wozu man gerade Lust hat, sondern zum tieferen Nachdenken über das Sein und das wirkliche Wollen. Und das ist etwas völlig anderes als der sinnlose, oberflächliche Schwachsinn dieser Leute.

Ich bin vor einiger Zeit in Nürnberg in eine ähnliche „Demo“ von solchen Leute geraten und es schüttelt mich heute noch, wenn ich daran denke. Diese bewußte Provokation trotz mitlaufender Polizei, dieses selbstgefällige Gehabe und das ohrenbetäubende Rapper-Gedröhn, von dem man gottseidank kein Wort verstanden hat – für sowas ist jeder Cent zu schade.

 

Olaf Ditges aus NRW

Donnerstag, 16-07-09 11:09

Korrekt und angepasst bis in die Verlogenheit der Botschaft, oder warum gilt das "tu was du willst" dann nicht für die Eigentümer und Kunden des Thor-Steinar-Ladens, sondern nur für diejenigen, die sich konform "unangepasst" verhalten?
Da sind sie genauso miefig wie die Alt 68er, deren Toleranz auch nur für ihre eigene Gesinnung gilt und die ansonnsten noch weitaus intolleranter und rücksichtsloser sind, als die bösen Machteliten die sie vorgaben zu bekämpfen.
Warum können diese ganzen Spinner die Anderen eigentlich nicht einfach in Ruhe lassen? Wo ist der Unterschied zum "Spießer", der hinter dem Vorhang seine Mitmenschen beobachtet und kontrolliert?

 
 

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