Mittwoch, 25.11.2009 Integration ist machbar
Von: Michael Paulwitz
Die Realität ist aber auch, anzuerkennen, daß Nulleinwanderung oder vollständige Rückführung von Ausländern eine Illusion ist. Es kommt vielmehr darauf an, Einwanderung endlich allein im wohlverstandenen Staatsinteresse zu steuern und dabei vorhandene und praktikable strengste Auswahlmechanismen konsequent zu nutzen:
– Durch Definition und Anwendung strikter Vorbedingungen für die Aufnahme jedes Einwanderers: gute Sprachkenntnisse, ausreichendes Vermögen, adäquate Bildung und Qualifikation, kulturelle Kompatibilität, Integrationsbereitschaft und -fähigkeit.
– Durch ein Einbürgerungsregime, das die Staatsbürgerschaft zum begehrten Gut macht, die Identifikation mit dem Staat fördert und eine voreilige Einbürgerung Integrationsunwilliger vermeidet.
– Durch den Abbau sozialstaatlicher Anreize für massenhafte Unterschichtseinwanderung. Das verlangt, wohlgemerkt, eine Sozialstaatsreform, die Tendenzen zur dauerhaften Einrichtung in Transferabhängigkeit generell entgegentritt – bei Einheimischen wie Eingewanderten.
– Durch Rückkehranreize für Nicht-Integrierbare, auch finanzieller Art, wie sie etwa in Dänemark erfolgreich praktiziert werden, und rigorose Abschiebung von kriminellen Ausländern.
Sorgfältig ausgewählte neue Familienmitglieder
Vor allem aber ist Voraussetzung jeder Integration, daß der zu Integrierende weiß, wohin er sich integrieren kann und soll. Ein funktionierendes Sozialsystem ist kein ausreichender Identifikationsrahmen. Integration verlangt das Sich-Einfügen in eine nationale Identität und Staatsidee. In Frankreich oder den USA geschieht das über einen gelebten Fahnen- und Hymnen-Patriotismus. Das deutsche Verständnis von Volk und Nation als Abstammungs- und Schicksalsgemeinschaft ist nicht das eines klassischen Einwanderungslandes. Aber es ist, insbesondere in seiner preußischen Ausprägung, der Aufnahme von Einwanderern nicht grundsätzlich verschlossen.
So ist Deutschland sehr wohl als preußisches Staatswesen vorstellbar, das neue Bürger, die sich seiner Staatsidee anpassen, zu beiderseitigem Nutzen aufnimmt. Deren Integration ist zum einen Bringschuld der Einwanderer selbst. Sie verlangt aber auch von uns etwas: nämlich die Bereitschaft, jene Einwanderer, von denen wir uns einen positiven Beitrag zu unserem Gemeinwesen erwarten, nicht nur als Laufkundschaft oder Logiergäste zu betrachten, sondern sie als sorgfältig ausgewählte neue Familienmitglieder in die Nation aufzunehmen, sie gewissermaßen zu adoptieren – wie die Familie Rösler jenen vietnamesischen Kriegswaisen, der heute Bundesminister ist.
Die Junge Freiheit startet mit diesem Beitrag eine Debatte um Integration und Einwanderung. Diskutieren Sie mit!
JF 49/09

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