Kultur, Gesellschaft

Donnerstag, 24.12.2009

Die deutsche Weihnacht

Von: Karlheinz Weißmann

Anbetung der Könige: Ausschnitt aus dem Thomasaltar Meister Franckes (um 1424) Foto: Wikimedia/Kunsthalle Hamburg

Mir ist noch gut ein Gespräch in Erinnerung, das ich vor vielen Jahren mit einem älteren Bekannten führte. Es war am Rand eines geselligen Kreises in der Vorweihnachtszeit, und irgendwie kam die Rede auf die Art, in der man Heiligabend und die anschließenden Feiertage begehen wollte. Also sprach ich von den Vorbereitungen meines Chors und der Hoffnung auf eine gute Predigt in meiner Kirche, während mein Gegenüber mit leicht spöttischer Miene meinte, daß er auch da sein werde, wir uns aber kaum sehen dürften.

Etwas irritiert fragte ich nach und erhielt zur Antwort: „Ich gehöre nicht zu den U-Boot-Christen, die einmal pro Jahr im Gottesdienst auftauchen, bin längst aus der Kirche ausgetreten und werde bei solcher Gelegenheit nicht so tun, als ob ich etwas glaubte, das ich nicht glaube. Die Kinder sind groß und aus dem Haus, Enkel haben wir keine, da beschränken wir die Bescherung auf ein paar Bücher oder Schallplatten, essen etwas Gutes und trinken eine besondere Flasche Wein. Und dann machen meine Frau und ich am Heiligabend einen nächtlichen Spaziergang durch die Stadt, und wir freuen uns an den hell­erleuchteten Fenstern und stellen uns die Menschen vor, die ihre Geschenke auspacken und gemeinsam feiern, und zuletzt gehen wir um die Kirche herum, und ja, es berührt uns, wenn wir die alten Lieder und die Orgel hören und etwas von dem festlichen Glanz sehen.“

„Frömmigkeit“ verschwindet aus unserem Sprachgebrauch 

Mein Gegenüber war ein kultivierter Mann, Naturwissenschaftler mit musischen Neigungen, und ich gab meine Bemühungen rasch auf, ihm klarzumachen, daß etwas fehle in seiner Weise, Weihnachten zu begehen. Religion ist immer ein heikles Thema bei Tischgesprächen, und ich hätte ihn kaum überzeugt; mehr noch, mir war klar, daß in dem, was er dachte und empfand, etwas war, das man als Frömmigkeitsrest bezeichnen könnte, an den man besser nicht rührte.

„Frömmigkeit“ ist ein Wort, das aus unserem Sprachgebrauch verschwindet, was wohl damit zusammenhängt, daß die Sache verschwindet. Das wird in der Advents- und Weihnachtszeit besonders deutlich, weil da in der Vergangenheit das Fromm-Sein eine große Rolle spielte, für die Fragen des Nikolaus an die Kinder ebenso wie für die Liedertexte und die Gestimmtheit der Menschen. Solche Frömmigkeit hat in Deutschland eine besondere Prägung erfahren und Bedeutung erlangt, weil sie mit einem Zweiten zusammenhängt, das man „Innerlichkeit“ nennt.

Zwiesprache mit Gott

Das eine wie das andere hat seinen Ursprung im mächtigen Unterstrom der mittelalterlichen Mystik, als ein Meister Eckehart schrieb: „Wo der Mensch Gott von draußen holt und hernimmt, der hat das Rechte nicht. Man soll Gott nicht außer sich suchen oder wähnen, sondern ihn nehmen, wie er mein eigen und in mir ist!“ Noch deutlicher: „Manche einfältige Leute wähnen, sie müßten Gott sehen, als stünde er da und sie hier. Das gibt es nicht! Gott und ich, wir sind eins im Erkennen. Und ebenso, ziehe ich Gott in mich in der Liebe, so gehe ich in Gott ein!“ >>



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bernd langheinrich aus Kirchberg

Sonntag, 27-12-09 16:31

Ein Fernsehsender zeigte eine Weihnachtsfrau mit Mütze, Bart und String-Tanga.Der fast nackte Busen zuckte im Rhytmus der Diskomusik, die durch billige chinesische Lichterketten untermalt wurde.Sie stand mit einem Bein auf einem liegenden Zwerg und bearbeitete ihn mit einer Nilpferdpeitsche. Dazu sang sie ein Lied in einer fremden Sprache. Da wurde mir klar, es ist Weihnachten in Deutschland!

 

Willi Wurst aus Verfügungsraum 44 / KSK - Calw

Samstag, 26-12-09 03:57

Gruß an alle Leser der JF !

gez.

Euer KSK .

 

Dr. Hans-Joachim Fischer aus Blaubeuren

Freitag, 25-12-09 13:36

Die ständig aggressiver werdende Auflehnung gegen Gott schaufelt das Grab, in das unsere Gesellschaft gerade schon hineinzufallen beginnt.

Romantischen Gefühlen nachzutrauern ist sinnlos. Ein klares Bekenntnis zum dreifaltigen Gott - in der Öffentlichkeit - und nicht aus Überlegung, sondern aus Überzeugung (eben aus Glaube) ist überfällig.

Die Religionen sind eben doch nicht alle gleich!

Gott sei uns gnädig!
Gesegnete Weihnachten und ein demütiges und bekennendes 2010.

 

ALON AMSELLEM aus Tel Aviv

Donnerstag, 24-12-09 18:05

http://ca.news.yahoo.com/s/afp/091210/usa/us_politics_congress_christmas_offbeat

 

Theo Brandt aus Jena/Dresden

Donnerstag, 24-12-09 16:03

Teil 2

Der "Nutzen der Frömmigkeit", dessen Verschwinden Herr Weißmann konstatiert und offenbar bedauert, kann nicht - unter Absehung der Glaubensfrage - auf Ewigkeit konserviert werden, genauso wenig wie ein Baum ohne Wurzel überleben wird. Herr Weißmann hat in seinem Buch "Das konservative Minimum" von der "abgetöteten Konserve" gesprochen, an dessen Erhalt echte Konservative nicht interessiert sind. Genau so eine Konserve bedauert Herr Weißmann aber hier. Zur Erhaltung der christlichen Frömmigkeit führt am christlichen Glauben kein Weg vorbei.

 

Theo Brandt aus Jena/Dresden

Donnerstag, 24-12-09 15:47

Teil 1

Grundlage der Frömmigkeit ist der Glaube. Der christliche Glaube beruht auf der göttlichen Offenbarung - und auf sonst nichts anderem. Von Gottes heilsgeschichtlichen Handeln durch die Sendung seines Sohnes, Jesus Christus, legt die Bibel im Neuen wie im Alten Testament Zeugnis ab. Dieses Zeugnis, die Bibel, wurde von der liberalen Theologie kritisiert, viele ihrer Aussagen relativiert oder ganz abgelehnt. Die Folgen für den Glauben vieler Menschen waren desaströs.
Genau hier, im Theologischen, liegt die Wurzel des Problems, hier ist die Ursache für den Rückgang der Frömmigkeit zu finden.

 
 

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