Interview, Medien

Freitag, 11.09.2009

„Es geht um Zensur“

Von: Moritz Schwarz

Andreas Popp, stellvertretender Bundesvorsitzender der Piratenpartei Foto: Piratenpartei

Herr Popp, Sie betrachten das Zugangserschwerungsgesetz als „den“ Sündenfall der deutschen Internetpolitik. Warum? 

Popp: Nun, nicht als „den“ Sündenfall schlechthin, denn da gab es zuvor schon einige, aber sicher war es der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen gebracht hat.

Das Aufkommen an Schmutz, Destruktivität, Verführung und Semi-Kriminalität im Netz ist unglaublich. Ist das Gesetz nicht im Gegenteil immer noch viel zu schwach?

Popp: Ich bezweifle, daß es den Verantwortlichen im Kern tatsächlich etwa um die Bekämpfung von Kinderpornographie geht, und die geplanten Maßnahmen werden dagegen herzlich wenig helfen. Wir glauben, es geht um etwas anderes: um die Einführung eines ganz klassischen Zensurinstruments!

Inwiefern? 

Popp: Das Internet gibt es schon recht lange. Natürlich hat es einige Zeit gebraucht, bis es sich etabliert hat und von der Politik entdeckt wurde. Inzwischen geht es ganz klar darum, aus dem Internet ein kontrolliertes Medium zu machen. Mit Maßnahmen wie der Online-Durchsuchung, der Vorratsdatenspeicherung und nun dem Zugangserschwerungsgesetz nähert sich Deutschland Ländern wie China oder dem Iran.

Natürlich fordern wir, gegen Kinderpornographie vorzugehen, aber mit rechtsstaatlichen Mitteln. Wir sagen: „Löschen statt Sperren!“ Also: Ist eine Seite gesetzwidrig, dann muß sie ganz gelöscht werden. 

Sie warnen, es gehe auch um politische Zensur.

Popp: Sicher geht es auch darum! Es wurde ja auch schon gefordert, zum Beispiel Seiten zu sperren, die als islamistisch eingestuft wurden, genauso wie übrigens Filesharing-Seiten oder sogenannte „Killerspiele“. Wenn diese Maßnahmen erst einmal salonfähig gemacht sind, dann kommt im zweiten Schritt auch die politische Zensur, kein Zweifel.

„Politisch unliebsame Seiten kann man nicht einfach wegzensieren“

Konkret?

Popp: Da wird dann gefiltert. Plötzlich geht es nicht mehr um Kinderpornographie, sondern auch um politische Inhalte, die mit dem Argument etwa des Extremismus herausgefiltert werden. Unliebsame Meinungen werden dann unterdrückt. Irgendwann sind alle politischen Informationen vorsortiert. 

Wenn Sie es ehrlich meinen, müßten Sie konsequenterweise auch für die Freigabe von – nicht strafbewehrten – rechten Seiten sein?

Popp: Da gilt das gleiche wie bei Kinderpornographie: Löschen statt sperren! Sind strafbare Inhalte auf der Seite, dann müssen diese gelöscht werden. Wenn nicht, dann kann man sie auch nicht einfach sperren, das muß eine Demokratie aushalten. Letztlich kann man auch politisch unliebsame Seiten nicht einfach an der Richterbank vorbei wegzensieren.

Der Staat ist nicht der einzige, der zensiert. 

Popp: Zweifellos muß man aufpassen, daß am Ende die Zensur nicht doch noch durch die Hintertür kommt. Denn sicher gibt es auch von privater Seite eine Bedrohung, zum Beispiel die Bestrebungen der Industrie, die Netzneutralität abzuschaffen: Bislang ist das Netz jeder Dateninformation gegenüber neutral, alle Datenpakete werden also gleichrangig behandelt.

Die Industrie würde aber gerne manchen Diensten, die besonders lukrativ sind, Vorrang geben. Das ist zwar noch keine Zensur, aber eine Vorstufe. Denn damit kann man steuern, und so wird aus einem offenen Medium wie dem Internet eine bloße Ansammlung kommerzieller Dienste. 



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Existimator Impius aus Bielefeld

Freitag, 18-09-09 18:46

Auf seinem offiziellen Blog schreibt Andreas Popp:
»Sixtus hats ja heute schon getwittert, dass ich ein Interview mit einer Zeitung names „Junge Freiheit“ gegeben habe, die sich für mich im Nachhinein als ziemlich rechtslastiges Blatt herausgestellt hat.«
»Ich für meinen Teil weiß, dass dies mein ersters und letztes Interview mit diesem seltsamen Blatt war.«
Er akzeptiert Meinungen nicht. Wir wissen, worum es sich bei der Piratenpartei handelt.

 

Ein Pirat aus Hamburg

Freitag, 18-09-09 16:05

Es ist doch bemerkenswert, wie sich ein Netzwerk von taz-Journalisten, die gleichzeitig Mitglied der Grünen sind, sich über die Piratenpartei hermacht. Man erkennt die Absicht und ist verstimmt. Wie die JF - die wahrlich nicht mit der Piratenpartei auf einem Nennen liegt - richtig schreibt: Hier geht es um politische Macht und um einen unliebsamen Konkurrenten!

Bitte bleibt am Thema dran! Alle anderen schreiben ja völlig konformistisch!

 

Marcel M. aus Wiesbaden

Freitag, 18-09-09 12:12

Während die"Piraten"Anhänger wegen des JF-Interviews so eine hohe Welle machen, waren die gleichen "Blogger" bei dem eigentlichen Skandal,die Mitgliedschaft des Herrn Tauss,beängstigenderweise sehr still.Das Problem ist,dass diese EINTHEMA Partei scheinbar noch nicht ihr eigenes Profil gefunden hat. Zur Zeit ist sie nichts Weiteres als ein Sammelbecken von Autonomen,Bloggern und Netzpiraten, die sich am Rande der Legalität bewegen.

Mit der Hysterie bezüglich des Interviews haben sich die Piraten selbst geschadet,weil hiermit ihre angebliche politische "Neutralität"infrage gestellt wurde.

Die ganze Aufregung ist in meinen Augen lächerlich. Für mich ist die JF eine erfrischende Alternative zum linken Meinungsmonopol der Medienlandschaft

 

alter Sachse aus Zwickau

Donnerstag, 17-09-09 16:27

Auch mit den Piraten wird es wieder nichts, in Deutschland für ehrliche Verhälnisse auf allen Ebenen zu kämpfen. Sie werden in kürzester Zeit korrumpiert u. durchsetzt und sie werden sich um Posten und Pöstchen zerreißen.Bereits das Interwiev mit Popp bringt sie in Erklärungsnöte! Piraten waren anders, gegen den Strom, unempfindlich, durchsetzungsstark und vor allem, sie hatten keine Angst vor kleinen Pinschern!

 

Philipp Kauder aus Jena

Donnerstag, 17-09-09 13:02

Sie irren, Herr Ditges. Ein offizielles Ministerium für Wahrheit ist längst überfällig...

 

Bernd Stanetzek aus Bünde

Mittwoch, 16-09-09 20:17

Moritz Schwarz schafft es doch immer wieder,das seine Gesprächspartner die Hosen runterlassen müssen. Schon mehrmals habe ich meine Meinung über Personen oder Parteien auf Grund seiner guten und tiefgreifenden Interviews,geändert.Zuletzt erst bei Peter Gauweiler und jetzt wieder bei der Piratenpartei,bei der,durch sein konsequentes nachhaken,sehr wohl zum Ausdruck kommt,daß sie für uns konservative,keine Partei für ein Kreuz ist.Diese Rubrik,sowie Dieter Steins Artikel auf der ersten Seite,sind für mich ein Grund mehr,auf die neue JF zu warten.Bitte machen sie weiter so.

 

Michael Schärfke aus Berlin (Preußen)

Mittwoch, 16-09-09 18:51

Was rufen jetzt die kriminellen "Demokraten"? "Auf den Scheiterhaufen mit ihm! Zündet ihn und seine Brut in seinem Heim an! Es lebe das linksfaschistische Multikulti-System! Nieder mit allen Deutschen!"

 

Pia X. aus Berlin

Mittwoch, 16-09-09 17:19

2/2 Heute merken die Leute gar nicht mehr, daß sie "links" sind. Sie haben zwar im Kino gern "Die Matrix" gesehen, sich aber natürlich nicht die Mühe gemacht, über die eigenen, selbstgebauten Matrizen nachzudenken. Naja, tröstlich wird sein, daß die Piraten rotgrün und ganz besonders grün kannibalisieren werden. Wär' doch ein hübscher Treppenwitz der Geschichte: schwarzgelb schafft's doch noch, weil es für (rot)rotgrün nicht mehr reicht, weil die Piraten so stark sind, aber leider knapp an der 5er-Hürde scheitern ...

 

Pia X. aus Berlin

Mittwoch, 16-09-09 17:18

1/2 Erinnerungen an die Volkszählungsdebatte in den 80ern. Damals gab es noch kein Internet. Und Herrn Popp anfangs auch nicht. Die politischen Mechanismen sind aber vergleichbar: man behaupte zunächst, daß es okkult-faschistische Kräfte gibt, die die "Freiheitsrechte" unterlaufen oder gar abschaffen wollen. Das ist nicht weiter schwer, da dies zum linken Glaubensbekenntnis gehört. Damals, in den 80ern, waren es hauptsächlich Linke, die sich derart profiliert haben. Grüne, SPD, Spiegel, Stern. Die üblichen Verdächtigen. Soviel zum Thema "Wollen nichts mit rechts-links zu tun haben".

 

Olaf Ditges aus NRW

Mittwoch, 16-09-09 16:10

Als Initiative gegen die Linkstotalitären Entwicklungen in Deutschland mag das ja ganz nett sein. Aber, Zitat aus dem Parteiprogramm "Im Mittelpunkt steht die Schaffung eines neuen Ministeriums", wenn wir irgendwas nicht brauchen, dann ist das ein neues Ministerium.

 

Martin Heine aus Hannover

Mittwoch, 16-09-09 15:18

Seltsam und schade, daß kein regulärer Artikel samt entsprechender Quellenlinks zum vorherzusehenden Echo auf dieses Interview verfaßt wurde.

Klar, man findet den Artikel (sowie in der Folge den Blogbeitrag von Herrn Popp) über die taz-Seite auch ruck-zuck selbst, aber so erweckt es den Eindruck, als habe es seitens der JF Bedenken gegeben, dem Leser diese Beiträge im Original zugänglich zu machen.

 

Ralf Kersten aus Flensburg

Dienstag, 15-09-09 06:39

Das sind also die neuen "Retter der Meinungsfreiheit", die haben den absoluten Durchblick! Und v.a. haben sie die Courage, zu dem was sie tun und lassen zu stehen. Vielleicht waren meine Erwartungen an diese Altergruppe doch zu hoch.

Keiner fordert von den "Piraten" das, wofür sie angetreten sind: Internetzensur und polit. Korrektheit bekämpfen und sich die eigene Neutralität bewahren. Klar ist auch, daß sich nun viele auf sie schmeißen, denen die Jungs sowieso ein Dorn im Auge waren.

Eigentlich hatte ich vor, sie zu wählen. Ich bin genauso wenig "rechtsextrem" wie viele andere JF-Leser. Aber wer so schnell kapituliert, beweist nicht gerade polit. Profil. Wer Angst hat, ist erpreßbar und scheidet als ernstzunehmende Alternative aus.

 

Ralf Kersten aus Flensburg

Dienstag, 15-09-09 06:19

Wie ich gerade gelesen habe, hat die linksextremistische Szene Herrn Popp den Floh ins Ohr gesetzt, er hätte sich mit Adolf Hitler persönlich unterhalten. Der scheinbar ohne seinen Willen Interviewte rutscht nun bäuchlings auf der zurechtgelegten Bananenschale aus und fängt an sich zu rechtfertigen wie weiland Eva Herman. Zitiert wird immer wieder die ideologisch eingefärbte Wikipedia als "wahre" Quelle, um sich über die JF zu "erkundigen". Doch was längst bekannt ist: die nicht gegebene polit. Unabhängkeit der meisten Wiki-Autoren, und ihre Versuche, unliebsame Artikel durch Löschanträge manipulieren - interessiert die angebl. neuen "Zensur-Gegner" nicht die Bohne. Sie erkundigen sich lieber IN der als ÜBER die Wiki.

 

stefan samhuber aus Erding

Samstag, 12-09-09 20:04

"Aber wenn sich linke Parteien für die Sache der Bürgerrechte einsetzen, warum nicht?"


Und wenn Rechte dies tun lehnen sie diese Anträge ab usw. ??


-.-"

 

Martin K. aus NRW

Samstag, 12-09-09 16:43

"Ich möchte festhalten, daß ich die Person, die ich auch schon persönlich kennengelernt habe, nicht für einen Rechten halte."

Aha. Und wenn er nun ein Rechter wäre, was dann? Und was ist an "Holocaust-Leugnern" so schlimm? Mal davon abgesehen, dass hier der Tatbestand einer Leugnung überhaupt nicht gegeben ist...

 
 

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