Montag, 26.11.2007 Antifa-Kampagne bringt PR-Professor der Uni Leipzig zu Fall
Die Zielrichtung stand von Anfang an fest
Ihr Name tauchte auf der gemeinsamen Presseerklärung der ITS-Fraktion mit Vertretern von NPD, DVU, Republikanern und anderen auf. Wie kam es dazu?
Vogt: Als ich diesen Umstand am Tage der Veröffentlichung dieser Pressemitteilung erfuhr – ich hatte davon keine Ahnung, diese Meldung weder unterschrieben, noch an ihr in irgendeiner Form mitgewirkt oder je mein Einverständnis gegeben, - daß mein Name dort erscheint, bin ich sofort aktiv geworden, um diesen fatalen Irrtum korrigieren zu lassen, was dann auch sofort geschah. Fakt ist: Ich war und bin nicht Parteimitglied in irgendeiner der dort anwesenden Parteien. In dieser Erklärung der versammelten höchsten Parteispitzen bin ich daher also völlig fehl am Platze.
Was denken Sie war dabei der entscheidende Punkt, der nun letztlich zur Beendigung ihrer Lehrtätigkeit führte?
Vogt: Die zweite Meldung bei Spiegel-Online macht es noch einmal deutlich, daß es in erster Linie um meinen Film „Geheimakte Heß“ ging. Meine historischen Filme sind der Grund – die ITS-Meldung war lediglich der Auslöser.
Wer waren dabei die treibenden Kräfte an ihrer Hochschule?
Vogt: Instrumentalisiert von der "Antifa" oder selbst deren Bestandteil waren es der Studentenrat und das Antirassismusreferat der Universität. In Verbindung mit der Presse wurde die Kampagne lanciert. Die Presse hat es dabei – genau wie die Studentenvertreter – vorgezogen, sich mit den Inhalten meiner filmischen Arbeit erst gar nicht auseinanderzusetzen.
Welche Rolle spielte Spiegel-Online in der aktuellen Kampagne gegen Sie?
Vogt: Spiegel-Online spielt als das führende Nachrichtenmedium im Internet natürlich eine herausragende Rolle. Auch wenn der Verfasser des ersten Beitrages sich als Redakteur des Berliner Tagesspiegel ausgab, ist er wenigstens einer von zwei Journalisten, die über mich schrieben und mich dabei überhaupt kontaktierten. Da die Zielrichtung allerdings vorab feststand, war das Gespräch fruchtlos. Die von mir wiedergegebenen Zitate stimmen ebenso wenig wie die der Spitzenfunktionäre der Republikaner, von denen ich inzwischen Erklärungen vorliegen habe, daß beide die bei Spiegel online abgedruckten Äußerungen so nicht gemacht haben.
Wie viele Studenten haben sich überhaupt über Sie beschwert?
Vogt: Ich habe von meinen eigenen Studenten nur Zuspruch erhalten. Im Forum der Kommunikationswissenschaftler des Studentenrats gibt es ganze acht Einträge, von denen sich vier mit der Frage, wie man nach dem Wegfall meines Seminars an den erhofften Schein kommt, befassen. Faktisch kritisch zu meiner Person ist in diesem Form ein einziger Eintrag – soviel zum in den Medien zitierten „Aufruhr“ und der "Aufregung" unter den Studenten.
Wie verhielt sich das übrige Kollegium Ihnen gegenüber?
Vogt: Ich habe – das ist sicherlich ein besonderer Fall – vom Institutsrat im Rahmen einer Anhörung die Möglichkeit gehabt, den Kollegen und den Studentenvertretern Rede und Antwort zu stehen. Dafür bin ich dankbar, da es für die universitätsadäquate Herangehensweise an dieses Thema spricht und nicht für die Form des Eingehens auf eine schon erfolgte mediale Hinrichtung, wie sie Eva Herman seitens ihres Senders erfuhr.
Prof. Dr. Michael Friedrich Vogt: Jahrgang 1953, studierte Geschichte und Politische Wissenschaften in München. Anschließend als Fernsehjournalist und Filmemacher tätig. Langjährige Arbeit als Presse-, Kommunikations- und Marketingchef in verschiedenen Unternehmen und Verbänden. Seit 2001 freiberuflicher Fernsehjournalist und Hochschullehrer an der Universität Leipzig.

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