Mittwoch, 30.12.2009

Die Reformation und das vergoldete Kälbertum

Damals hielt ich es für Teil einer humorigen Dankesrede, als der Chef der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, Helmut Matthies, über die mögliche Reaktion von Kirchenfunktionären auf seine Annahme des diesjährigen Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreises unkte. Doch habe ich das Veitstanzvermögen der Evangelischen Kirche in Deutschland deutlich unterschätzt.

Oberkirchenrat Christhard Wagner übernahm nun die Aufgabe, die EKD wieder einmal vorzuführen. Mit der Preisannahme ließe Matthies die Agentur „auf dem Grat zum rechtsextremen Milieu balancieren“, heißt es bei der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Damit sei „die Gefahr verbunden, daß die Tabugrenze im Graubereich zum Rechtsextremismus weiter nach unten verschoben wird“.

Eine Begründung, warum dem so sei, gab es von Wagner nicht. Stattdessen forderte der EKM-Bildungsdezernent Matthies öffentlich dazu auf, den Preis zurückzugeben und sich deutlich von der JUNGEN FREIHEIT zu distanzieren. Immerhin zeigt sich Wagner damit traditionsbewußt. Früher gab ja auch schon Anklagen und Aufrufe zur Reue, ohne daß man wußte wieso. Die Verfahren endeten für gewöhnlich auf dem Scheiterhaufen.

Aktionsjahr gegen Rechtsextremismus

Ich muß gestehen, daß ich auch einer dieser unverständigen Sünder bin. Als die EKM 2008 ein Aktionsjahr ausrief und die Menschen darüber aufklären wollte, „daß Rechtsextremismus und christlicher Glaube unvereinbar sind“, fand ich das reichlich albern. Nationalsozialismus wie Sozialismus haben aus ihrem Christenhaß nie einen Hehl gemacht. Letzterer hat nur gerne das Bürgerliche Lager als „Rechtsextreme“ denunziert.

„Das braune Gift sickert weiter in die Köpfe und Herzen“, predigte Wagner zum Aktionsjahr. „Wem ein Licht aufgegangen ist, fällt nicht mehr auf die braune Lügenpropaganda herein.“ Das mag schon stimmen, nur leider ist Wagner dabei keine Hilfe. Zumindest schafft er keinerlei Klarheit darüber, was denn „Rechtsextremismus“ sei. Offensichtlich so etwas wie die JF, wenn man sich von ihr distanzieren solle.

Da ich nur für mich spreche, muß ich in der Tat bekennen, daß mir die EKM-Forderung an die Gemeinden, „rechtsextremes und fremdenfeindliches Gedankengut auch in ihren eigenen Reihen wahrzunehmen und dagegen anzugehen“, völlig egal ist. Statt mich Säuberungswellen zu widmen, habe ich in der JF lieber über die Christenverfolgung im Nahen Osten geschrieben. Wieviele EKM-Aktionsjahre gab es eigentlich zu diesem Thema?

Welche Rechtfertigung aus dem evangelischen Glauben?

Auch verstehe ich nicht so recht, wie Wagners Engagement sich aus den Grundlagen des evangelischen Glaubens rechtfertigen läßt. „Jeder Mensch ist von Gott gewollt. Ohne Unterschied. Nirgendwo in der Bibel wird diese Menschenwürde – von Gott als Original geschaffen – auf ein Volk eingeschränkt“, predigt er, ohne dies mit Bibelstellen genauer zu belegen oder überhaupt zu erläutern, was er mit diesen Phrasen wirklich meint.

Wenn das stimmt, wieso hat Gott dann einen Großteil der Menschheit durch die Sintflut umgebracht? Oder mit dem Volke Israels einen besonderen Bund geschlossen? Ist dies alles nicht genau diese „Ideologie der Ungleichwertigkeit“, von welcher die Kirche gereinigt werden soll? Solange sich Wagner nicht diesen Fragen stellt, soll man Menschen wohl nur aufgrund seiner Autorität verfolgen und damit irgendetwas Höheres bezwecken.

Das alles hat aber weder etwas mit Sola fide, noch Sola gratia, Solus Christus oder Sola scriptura zu tun. „Nächstenliebe verlangt Klarheit: Dazu gehört auch die Erkenntnis: Auch unter uns Christen, auch unter uns kommt Falschheit und Bosheit vor“, sagt Wagner. Es wäre schön, wenn Wagner mit dieser Forderung ernst machen würde, bevor er mich als „braunes Gift“ beschimpft.




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Ulrich Motte aus München

Montag, 04-01-10 16:39

Die JF bespricht ständig kirchliche Themen, ist keineswegs nur politisch. "Werbung" für konservative Institutionen ist nicht Werbung für Kommerzielles wie in Anzeigenblättern. Der der JF verbundene Historiker Prof. Dr. Lothart Hoebelt hat bei der JF-nahen Münchener Winterakademie den größeren Konservativismus der USA auf die Stärke der dortigen evgl.-konservativen Kirchen zurückgeführt.
Ich gehöre weder zur ELFK noch zur SERK, habe in der JF auch auf andere Kirchen hingewiesen.Lutherische und reformierte Kirchen dürften aber JF-Lesern eher zusagen. Die SERK-Weltnetzseite weist auf ihren Pastor Dr. Sebastian Heck und seine Gemeindearbeit hin. Auf Einladung der JF habe ich auch in der Druckausgabe für konservative Kirchen geworben!

 

K.L. M. aus Schweden

Montag, 04-01-10 12:21

@ulrich motte

mich dünkt, sie verwechseln eine politische wochenzeitung mit einem anzeigenblatt.

die vorstellung, dass ein konservativer mensch seine kirchliche bindung übers internet aufbaut, scheint mir unrealistisch - und überdies kaum wünschenswert.

und selbst wenn: die "selbständige evangelisch reformierte kirche" scheint ausschließlich im netz zu existieren: keine person wird auf deren hp genannt, keine gemeinde - rein gar nichts.

was also soll das ganze?

wollen sie uns veralbern?

 

Ulrich Motte aus München

Samstag, 02-01-10 19:52

Wenn andere (wer?) sich die Konversion Erika Steinbachs zuschreiben, verzichte ich sehr, sehr gern zu deren Gunsten! Hauptsache, Sie und andere erkennen die (eher) positve Wirkung solcher Werbungen....

 

K.L. M. aus Schweden

Samstag, 02-01-10 11:40

Ulrich Motte aus München schrieb:

> Auch Prominente, etwa Erika Steinbach, fanden durch mich neue kirchliche Heimat!

prima! sie sind damit die dritte person, die ich kenne, die das für sich beansprucht ...

 

Ulrich Motte aus München

Freitag, 01-01-10 10:15

Sehr geehrter Herr K.L.M.!

Ich dachte, die Junge Freiheit wäre VOR ALLEM eine Werbemöglichkeit für konservatives Gedankengut und konservative Institutionen! Warum sind Sie dagegen? Ich bin anderen für deren Argumente in der JF sehr dankbar, etwa Herrn Pfarrer Oblinger für seine Werbung für einen konservativen Katholizismus! Wer NICHT für konservatives Gedankengut und konservative Institutionen wirbt, schwächt meines Erachtens den Daseinszweck der JF, unsere bei allen Unterschieden gemeinsame Sache! Auch Prominente, etwa Erika Steinbach, fanden durch mich neue kirchliche Heimat!

 

K.L. M. aus Schweden

Donnerstag, 31-12-09 17:42

wer stoppt mal diese unsäglichen werbepostings von diesem motte???

 

Ulrich Motte aus München

Donnerstag, 31-12-09 10:39

Gemäß Artikel VII. des lutherischen Augsburgischebn Bekenntnisses ist wahre Kirche nur dort, wo bibeltreu gepredigt und Taufe und Abendmahl einsetzungsgemäß gefeiert werden. Demnach ist die EKD niemals eine evangelische Kirche! Die Bibel fordert aber auch die Trennung von solchen Irrlehrern. Konservativere in der EKD sind also zumindest insofern auch bibeluntreu-unevangelisch. Konservative Lutheraner gehören in die Evangelisch-Lutherische Freikirche (und ähnliche), konservative Reformierte in die Selbständige Evangelisch-Reformierte Kirche (und ähnliche).

 

K.L. M. aus Schweden

Mittwoch, 30-12-09 22:06

nicht überbewerten. da ist einer, der gegenüber den ewigselben das ewigselbe gesagt hat und dafür nun die zustimmung der ewigselben abruft. wagnis null. infiniter regress. geistig tot.

 

Marco Reese aus Celle

Mittwoch, 30-12-09 20:23

"Die thüringische Landeskirche war immer voll davon, im Nationalsozialismus ebenso wie im Sozialismus ... " (von Wendehälsen)

Nun ja, Walter Grundmann hat es in beiden Systemen zu etwas gebracht.

Schwer erträglich am Verhalten von Leuten wie Wagner sind mehrere Dinge:
- es wird mit unterschiedlichen Maßen gemessen bzgl. der Verwerfungen der Moderne, die allesamt wesenhaft antichristlich sind.
- es wird nicht sauber zwischen der Rechten und dem NS unterschieden, aus oberflächlichen Überschneidungen werden wesentliche gemacht.
- damit biedert man sich so die Mächtigen dieser Zeit an, ohne zu bemerken, daß genau dies das Problematische an der jüngeren Geschichte des Protestantismus ist.. usf.

 

Arne Brombach aus Camsdorf

Mittwoch, 30-12-09 17:55

Wenn es die Mühe lohnen würde, könnte man sich den guten Mann mal genauer ansehen. Nach seiner Kurzbiographie auf der EKM-Site hat er bei der NVA Wehrdienst geleistet. Dann Theologiestudium in Leipzig, und da garantiert an der staatshörigen Sektion der Universität Leipzig, wohl kaum an einem der kirchlichen Seminare. Sonst hätte er keinen Wehrdienst machen müssen.

Noch vor der Wende ist er zum Landesjugendpfarrer aufgestiegen. Offenbar haben wir es hier mit einem antifaschistischen Fossil zu tun, einem Wendehals erster Güte. Die thüringische Landeskirche war immer voll davon, im Nationalsozialismus ebenso wie im Sozialismus ... :-((

 

Frauke S. aus Berlin

Mittwoch, 30-12-09 17:38

Vielleicht teilt man dem Herrn Oberkirchenrat mal mit, dass die JF mittlerweile sogar vom Antifa-Portal "Endstation rechts" als christlich-konservatives Blatt bezeichnet wird.

Wenn sich Herr Matthies allen Ernstes distanzieren soll, hätte der Herr Oberkirchenrat wenigstens mal die politischen Hosen runtergelassen.

Doch mehr als um die JF geht es dem Herrn Oberkirchenrat natürlich um IDEA. Konservative, evangelikale Gruppen sind der ev. Amtskirche von jeher ein Dorn im Auge. Um so besser, wenn man sie mit (vermeintlichem) Dreck bewerfen kann.

Der Herr ist zu erreichen unter:

Oberkirchenrat
Christhard Wagner

Fon 03691/678-110
Fax 03691/678-355
Christhard.Wagner@ekmd.de

 
 

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