Montag, 27.04.2009

Niederlage im Osten

Es ging bei Pro Reli darum, ob Schulkinder zum kommunistisch-atheistischen Staatsbürgerkunde-Ersatz-Unterricht gehen müssen – oder ob sie statt dessen auch Religion wählen können. Die Mehrheit der Berliner ist dagegen. 51 Prozent haben gestern dafür gestimmt, daß alle Kinder, die staatliche Schulen besuchen, vier Jahre lang Ethikunterricht ertragen müssen.

Da kann es einem kalt den Rücken herunterlaufen. Dieses Wahlverhalten ist ein klarer Vorbote einer totalitären Gesellschaft. Die Ethikbefürworter hätten ja zu Hause bleiben und ihrem Kind sagen können: Du machst weiter Ethikunterricht – und fertig.

Statt dessen haben sie für den Zwang und gegen die freie Wahl votiert. Was sind das für Menschen, die fremden Kindern eine solche Wahlmöglichkeit vorenthalten wollen?

Nun, es sind vor allem Menschen mit DDR-Biographie. Ganz Ost-Berlin hat klar gegen Pro Reli gestimmt. Wahrscheinlich bewirkt eine jahrzehntelange Diktatur, daß sich die Menschen so an den Druck von oben gewöhnen, daß sie ihn für ganz normal halten. Früher fanden die Leute es ja auch normal, wenn sie Frondienste leisten oder einen Großteil ihrer Ernte bei der Kirche abliefern mußten.

Berlin ist eine geteilte Stadt

Heute ist es eben umgekehrt: Da buckeln die Leute bei Klaus Wowereit und der Linken und finden es normal, wenn die Politiker sich in ihr Privateigentum und ihre Privatangelegenheiten einmischen.

Pro Reli ist noch deutlicher gescheitert als das Referendum zum Erhalt des Flughafens Tempelhof vor einem Jahr. Die Initiative hat nicht nur keine Mehrheit für ihr Anliegen erhalten. Zudem hat sie auch das notwendige Quorum verfehlt: 25 Prozent aller Wahlberechtigten hätten dafür stimmen müssen. Es waren gerade mal 14 Prozent.

Das Wahlergebnis beweist: Berlin ist nach wie vor eine geteilte Stadt. Es verläuft eine unsichtbare Mauer durch die Stadt. Sie trennt Reinickendorfer von Pankowern und Zehlendorfer von Lichtenbergern.

Im Westteil der Stadt hat Pro Reli eindeutig gewonnen: In Reinickendorf, Spandau, Tempelhof-Schöneberg und Charlottenburg-Wilmersdorf stimmten mehr als sechzig Prozent mit ja. Selbst im Problembezirk Neukölln mit seinem überaus hohen Migrantenanteil wurden von Pro Reli mehr als sechzig Prozent erzielt. Und in Steglitz-Zehlendorf, dem Westberliner Musterbezirk, hat die Initiative sogar das notwendige Quorum von 25 Prozent Ja-Stimmen aller Wahlberechtigten erreicht.
Aber vom Grunewald im Westen ist es ein langer Weg in die Plattenbauviertel der östlichen Stadthälfte. In Pankow, Friedrichshain-Kreuzberg, Treptow-Köpenick, Marzahn-Hellersdorf stimmten über siebzig Prozent mit nein. In Lichtenberg sogar rekordverdächtige 78,4 Prozent. Machte unterm Strich: 51 nein, 48 Prozent ja.



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Der 8-Tage-Mensch aus Schweinfurt

Mittwoch, 29-04-09 23:52

Was wirklich nervt, ist die Gleichsetzung von Kommunismus und Atheismus und die darin zum Ausdruck kommende pauschale Ablehnung des Atheismus. Man kann auch Atheist und gleichzeitig konservativ sein. Ich behaupte, der Konservatismus bleibt strukturell mehrheitsunfähig, wenn er die Atheisten weiterhin auf diese Weise verprellt.

 

alfred müller aus Leipzig

Mittwoch, 29-04-09 15:59

Es ist gut und richtig,daß den Kindern (auch viele Erwachsene haben es nötig)die Lehre vom sittlichen Wollen und Handeln des Menschen in verschiedenen Lebenslagen vermittelt wird. Was die Aneignung religiöser Glaubensbekenntnisse betrifft, soll jeder nach seiner Fasson seelig werden.

 

Turm König aus der Hauptstadt

Dienstag, 28-04-09 16:51

Nachtrag: Beim Feierabendbierchen, beim Fußballgucken in der Kneipe oder schlaflos im Bett geifern sie darüber, daß sie in der Politik sowiesonichts zu melden hätten...

 

Turm König aus der Hauptstadt

Dienstag, 28-04-09 16:48

Vor den beiden Volksentscheiden in Berlin über den Flughafen Tempelhof und das Unterrichtsfach Ethik hatte ich immer geglaubt, es herrsche ein Demokratiedefizit in der BRD.
Nach dem Ausgang beider Volksabstimmungen ist mir klar geworden: Es kann hierzulande kein Demokratiedefizit geben, denn dazu müßte erstmal ein Bedürfnis nach Demokratie bestehen. Schaut Euch die Wahlbeteiligung an, hört den wahlberechtigten Leuten zu, wie gleichgültig und uninformiert sie mehrheitlich über dieses Thema sprechen! Sie lesen lieber irgendwelche Klatschmagazine und gucken irgendwelche Promisendungen, statt sich über anstehende Wahlen zu informieren. Sie mähen lieber den Rasen oder sonnen sich auf ihrem Balkon, anstatt schließlich wählen zu gehen.

 

Andreas Berger aus Dresden

Dienstag, 28-04-09 15:58

@ Frank F.:
Und Warum ist das "gut so" ?
Und wer sollte eine Rolle spielen ?
Wer definiert eigentlich die "allgemeine" Ethik, die den Schülern da nahegebracht werden soll ?
Und woher leiten sich diejenigen ihre Kompetenz dazu ab ?

 

A. Schulze aus Berlin

Montag, 27-04-09 19:21

Teil 2:
Und ob sie es glauben oder nicht, hätten Sie alle Nichtwähler mit der Peitsche zur Wahlurne getrieben, wäre das Ergebnis für ProReli nicht besser geworden! Und neben Sachgründen steht es den Leuten auch bis zur Oberkante Unterlippe, wie hier von der Splitterpartei CDU versucht wird, mit allen möglichen Mitteln den Rot-Roten Senat, das Schreckgespenst ausgerechnet in der deutschen Vorzeigehauptstadt zu diskreditieren. Sich mit Leuten eingelassen zu haben, die auch mit dem Teufel paktieren, wenn es denn Wowereit schaden könnte, müssen sich die Initiatoren und die Kirchen vorhalten lassen! Und auf Tipps von den Merkels und Jauchs( aus seiner fetten Villa in Potsdam, Bundesland Brandenburg!!!)können wir auch sehr gut verzichten. Übrigens nur so nebenbei, ich bin gebürtiger und schon immer dort lebender Westberliner, nur um falschen Schlüssen vorzubeugen!

 

A. Schulze aus Berlin

Montag, 27-04-09 17:13

Teil 1
Was für eine verlogene Kolumne! Sie machen hier den mit Berlin nicht vertrauten Lesern vor, dass die Abstimmungsniederlage hauptsächlich eine Folge der DDR Diktatur gewesen ist. Welch eine armseliger Art von Umgang mit einer deutlichen Niederlage, die nichts mit irgendwelchen kommunistischen geistigen Infiltrationen zu tun haben. Sie sagen nicht die Wahrheit, was die Deutsche in den besonders von Migranten bewohnten Vierteln gewählt haben, so sie denn überhaupt wählen gegangen sind. Doch gerade hier hat es sich gezeigt, wie sehr es selbst die die wählen gegangen sind sich dem Argument beugten, dass es geradezu kontraproduktiv wäre den Ethikunterricht für die Migranten zum einem Wahlfach mutieren zu lassen. Noch mehr Ghettoisierung als Folge, noch mehr Islamisierung. Ja, die Herrschaften in den reichen Gegenden von Zehlendorf und Grunewald (gehört übrigens zu nicht zu Zehlendorf ,sondern zu Wilmersdorf, aber das nur mal am Rande) für die ist es doch egal wie es den Deutschen in den Spannungsgebieten geht, Hauptsache die türkische Putze arbeitet schön billig, aber wehe sie ziehen zu denen. In den Spannungsgebieten mit hohen Migrationsraten also im Ortsteil Neukölln, in Kreuzberg, in Schöneberg, im Wedding usw.sind auch alle kommunistisch infiltriert, dort haben fast alle Wahllokale mehrheitlich gegen ProReli gestimmt!

 

Peter Schneider aus Iserlohn

Montag, 27-04-09 15:44

Der letzte Kommentar von Frank F. ist - ob seiner Kürze - von Unkenntnis bzw. Dummheit getränkt. Auf dieser Basis lohnt sich keine Diskussion.

 

Frank F. aus NRW

Montag, 27-04-09 14:22

Nirgendwo in Deutschland hätte Proreli eine Mehrheit erhalten!
Man sollte statt Wähler zu beschimpfen einfach zur Kenntnis nehmen: Die christlichen Kirchen spielen keine Rolle mehr, weder eine kulturelle noch eine politische.
Und das ist gut so !

 
 

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