Freitag, 24.04.2009 Gesine Schwan warnt vor „explosiver Stimmung“
 Gesine Schwan (SPD): Auf einer Linie mit DGB und NPD? Foto: Wikipedia/Frans.huegel
BERLIN. Die Kandidatin der SPD für die Bundespräsidentenwahl, Gesine Schwan, hat sich der Meinung von DGB-Chef Michael Sommer über zu erwartende soziale Unruhen angeschlossen.
Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, könne sich die Politikerin vorstellen, daß „in zwei bis drei Monaten die Wut der Menschen“ deutlich wachse. Bleibe dann die Hoffnung aus, daß sich die Lage verbessert, „kann die Stimmung explosiv werden“, meinte Schwan. Wenn in der jetzigen Wirtschaftskrise nicht gegengesteuert wird, könne dies sich zu einer Gefahr für die Demokratie auswachsen.
Der Gewerkschaftsvorsitzende Sommer hatte Politik und Wirtschaft davor gewarnt, die Krise auf dem Rücken der Beschäftigten auszutragen. Massenentlassungen wären demnach eine „Kampfansage“ an Arbeitnehmer und Gewerkschaften. Der erwartete Rückgang der Wirtschaftsleistung um sechs Prozent sei vergleichbar mit den Zahlen der Wirtschaftskrise Anfang der dreißiger Jahre, sagte Sommer.
Historiker widersprechen
Das habe die bekannten Folgen gehabt, meinte der DGB-Chef unter Anspielung auf die Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933. Historiker wiesen jedoch darauf hin, daß es während der Weimarer Republik kein soziales Netz gab, welches dem heutigen vergleichbar wäre.
Scharfe Kritik an Schwans und Sommers Äußerungen kam unter anderem vom bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer (CSU). Wer Ängste vor sozialen Unruhen schüre, betreibe „das Geschäft von Rattenfängern am rechten und linken politischen Rand“, sagte Seehofer der in Passau erscheinenden Neuen Presse.
Auch führende Sozialdemokraten widersprachen ihrer Präsidentschaftskandidatin. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier warnte vor Panikmache. Die Politik habe sich als handlungsfähig erwiesen. Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD) verwies auf den funktionierenden Sozialstaat in Deutschland, durch den die Möglichkeit gegeben sei, „mit schwierigen Situationen klarzukommen“.

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