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Donnerstag, 29.10.2009

Der Präzedenzfall von Dresden

Der mörderische Messerangriff des Rußlanddeutschen Alex W. auf die
Ägypterin Marwa al-Schirbini, der vor dem Dresdner Landgericht verhandelt wird, läßt einen den Atem stocken. Man kann nur hoffen, daß der Täter keine Gelegenheit mehr zu einem weiteren Verbrechen erhält.

Wer eine derartige, an sich schon perverse Bluttat in aller Öffentlichkeit begeht, also im vollen Bewußtsein dessen, daß er auf jeden Fall dafür zur Rechenschaft gezogen wird, der verfügt weder über zivilisierende Hemmschwellen noch Rücksicht gegenüber sich selbst. Er ist fleischgewordenes Dynamit. Die Gesellschaft hat einen Anspruch darauf, vor ihm dauerhaft geschützt zu werden!

Der große Widerhall, den die Tat und der Prozeß in den Medien finden, ist alles andere als selbstverständlich. Gehorchen sie ihrer Informationspflicht? Oder ist es Mitgefühl? Das wäre dann ein sehr selektives. Es sind dieselben Medien, die den Mord an den beiden Bibelschülerinnen im Jemen – es handelte sich um rußlanddeutsche Frauen – im Sommer 2009 zurückhaltend, wenn nicht süffisant kommentierten, von wegen „aggressiver Missionierung” und „Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um”.

Bestialische Morde an christlichen Missionaren

Die bestialischen Morde an christlichen Missionaren vor zwei Jahren in der Türkei – unter ihnen ein Deutscher – hat immer noch keinen juristischen Abschluß gefunden. Kürzlich las man etwas von einer Bespitzelung der Opfer durch die türkischen Behörden. Die deutschen Journalisten, die jetzt so unerschrocken aus Dresden berichten, werden auch diese Angelegenheit hoffentlich vor Ort recherchieren. Oder wenigstens mit derselben Unerschrockenheit den ägyptischen Botschafter nach der Gewalt gegen Christen in seinem Land befragen.

Und die Gewalttaten von Ausländern, die sich dezidiert gegen Deutsche richten,
nicht länger „Politically Incorrect” als Monopol überlassen. Sonst müßte man ja den Eindruck haben, daß es ihnen nicht um die Opfer und die Ächtung von Gewalt geht, sondern nur um deren politisch-propagandistischen Mehrwert! In diesem Fall: um die Neutralisierung des Sarrazin-Interviews.

Auffällig ist auch, daß in der Causa Alex W. eine Frage unterbleibt, der die Medien sich bei anderen, vornehmlich ausländischen Gewalttätern bis zum Exzeß widmen: Ob die Gewaltexplosion nicht etwas mit mangelnder Anerkennung zu tun haben könnte.

Hoher Erwartungsdruck

Wie bekannt wurde, hat Scheich Ihab Adli Abu al-Madschd in einer einstündigen Audiobotschaft im Internet den in Deutschland lebenden Muslimen nahegelegt, Alex W. zu töten und Gottes Lohn dafür in Aussicht gestellt. Damit ist zugleich ein Erwartungsdruck gegen das Gericht, gegen den Staatsanwalt, die Gutachter, die Verteidigung aufgebaut, dem diese sich nach aller psychologischen Wahrscheinlichkeit schlecht entziehen können.

Sie müssen sich fragen, ob sie nicht Gefahr laufen, selber einen Bannfluch auf sich zu ziehen, falls sie den Erwartungen nach einer Maximalstrafe nicht entsprechen oder auf Entlastungsgründen für den Angeklagten bestehen. Damit wird die Angst zum Element der Rechtsfindung. In dieser Hinsicht stellt der Prozeß in Dresden einen Präzedenzfall dar -- jedenfalls den ersten, der allgemein bekannt ist. Mit ihm wird sich das Land wieder ein kleines Stück verändern.



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Ulrich Motte aus München

Freitag, 30-10-09 18:53

Danke, Herr Hinz!
Zur Häme gegen die ermordeten Christen aus Deutschland trug auch bei, daß sie konservative Evangelikale waren, gegen die ja ständig öffentlich gehetzt wird!

 

Roland Fraiseler aus Berlin

Freitag, 30-10-09 09:43

"Der Präzedenzfall von Dresden"
Präzedenzfälle sind doch sicher auch "Einzelfälle", wobei eine Wiederholungsgefahr ausgeschlossen ist. Na da würde ich doch sagen: Strafe auf Bewährung aussetzten! Geht bei den "Ehrenmorden-Einzelfällen" doch auch.

 

A. Müller aus der Pfalz

Donnerstag, 29-10-09 21:23

Es ist erbärmlich, wie dieser Mordfall jetzt in der moslemischen Welt politisch ausgeschlachtet wird. Ehrenmorde, Christenverfolgung und Unterdrückung der Frau - alles kein Problem. Da gibt es keinen öffentlichen Aufschrei der Empörung oder Drohungen gegen die Täter.

Vor dieser Bluttat hat sich Ägypten vermutlich herzlich wenig für seine Bürgerinnen und Bürger im Ausland interessiert. Erst durch ihren Tod wurde Marwa al-Schirbini auf tragische Weise zu Märtyrerin und Symbolfigur des angeblich unterdrückten Islam.

 

Turm König aus Berlin

Donnerstag, 29-10-09 20:34

@F. F. !
Zeugt die Weigerung, Kommata zu benutzen, von Ihrer Selbstverwirklichung?

 

Bernd Schmieder aus Berlin

Donnerstag, 29-10-09 12:39

Sehr gut geschrieben, Herr Hinz, aber das tun Sie ja dankenswerterweise immer . Leider werden Sie wieder gegen eine Wand rennen, oder besser gegen eine Mauer des Schweigens. Nur gut, daß man wenigstens vor den "Russen" ein "Deutsch" setzen kann. Auch wenn wir immer und in allen Fällen eine objektivere Berichterstattung einfordern müssen bleibt es natürlich ein unverständliches Verbrechen. Trotzdem halte ich ein faires und dann auch noch die Sache abschließendes Urteil für nicht wahrscheinlich.

 

F. F. aus NRW

Donnerstag, 29-10-09 12:37

@Kevin !
Zeugt die Weigerung Umlaute zu benutzen von Ihrer Fremdbestimmung?

 

Kevin-Silvio Nowitzky aus koeln

Donnerstag, 29-10-09 10:54

Ich kann nur sagen: Danke - fuer diesen hellsichtigen Kommentar!

 
 

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