Interview, Medien

Freitag, 11.09.2009

„Es geht um Zensur“

Von Moritz Schwarz

Twitter zum Beispiel war das ganz große Thema in diesem Sommer. Doch tatsächlich twittern nur ein paar zehntausend Leute in Deutschland, in Relation zu achtzig Millionen Deutschen politisch eine irrelevante Minderheit.

Popp: Allerdings sind Blogger und Twitterer unheimlich aktive Leute; das sind Meinungsführer und Multiplikatoren. Ich erlebe deren Wirken, bei Info-Ständen auf der Straße: Noch vor einem Jahr war es unglaublich schwer, die Leute zu interessieren. Heute sieht das ganz anders aus – ich sage Ihnen, das Eis ist gebrochen! Die Leute wissen oder wollen wissen, wofür wir stehen.  

Welche Chancen rechnen Sie sich also für die Bundestagswahl aus? 

Popp: In Hessen haben wir im Januar 0,5 Prozent geholt, bei der Europawahl im Juli 0,9 und jetzt in Sachsen 1,9. Das heißt, jedesmal haben wir unser Ergebnis in etwa verdoppelt. Würden wir das für die Bundestagswahl wieder schaffen, kämen wir sogar an die Fünf-Prozent-Hürde heran. 

„Auf lange Sicht werden wir die fünf Prozent knacken!“

Sie rechnen ernsthaft mit fast fünf Prozent?

Popp: Unser Minimalziel für den 27. September ist es auf jeden Fall, den Erfolg der Europawahl zu wiederholen. Die Fünf-Prozent-Hürde ist am Horizont bereits sichtbar, auch wenn sie noch ein sehr ambitioniertes Ziel ist. Auf lange Sicht werden wir die auf jeden Fall knacken.

Die Politikwissenschaft würde Sie unter „Ein-Themen-Partei“ rubrizieren. Und die gelten ihr erfahrungsgemäß letztlich als chancenlos.

Popp: Mal andersherum: Welche Partei ist denn keine Ein-Themen-Partei? Nominell besetzen die großen Parteien zwar viele Themen, aber de facto geht es doch immer nur um die zwei, drei aktuellen Themen, die die Funktionäre im Auge haben. 

Die Piratenpartei betont extra, zu anderen Fragen nicht Stellung zu nehmen, um ihr eigentliches Anliegen nicht zu verwässern. Lassen Sie den Bürger damit nicht im unklaren?

Popp: Ich finde, die etablierten Parteien tun das, nicht wir. Ich betrachte im Gegenteil unseren reduktionistischen Ansatz als unseren Vorteil: Gerade dadurch wissen die Wähler nämlich, was sie bei uns am Ende auf jeden Fall bekommen. Bei den Volksparteien wissen sie das dagegen nicht.

Denn oft genug haben wir alle es doch erlebt, daß die Parteien nach den Wahlen ganz anders gehandelt haben, als sie davor versprochen hatten. Bekommen Sie denn garantiert sozial, wenn Sie SPD wählen? Oder konservativ, wenn Sie CDU wählen? Hand aufs Herz: Das ist doch ein Glücksspiel!

Bei den Volksparteien, die in fast allen Bereichen etwas versprechen, wissen sie nie, ob nachher Ihr Bereich nicht den Koalitionsverhandlungen geopfert wird. Bei uns wissen Sie dagegen zumindest, welchen Inhalt wir auf jeden Fall versuchen werden durchzusetzen. 

Die Piraten verweigern sich zudem explizit der Links-Rechts-Einordnung.

Popp: Ja, denn wir wollen nicht mit Ideologie, sondern mit Pragamatismus und guten Argumenten an die Dinge herangehen.

Insgeheim betrachten Sie sich aber im Zweifel doch als „eher links“, oder?

Popp: Nein. Und wir sind schon als alles mögliche bezeichnet worden: Kommunisten, Anarchisten, Kapitalisten. Für die FDP etwa sind wir Sozialisten, für die SPD dagegen unsozial. Das zeigt, diese Kategorien greifen nicht. Sind wir progressiv oder konservativ? Wir sind für neue Technologien, also progressiv, gleichzeitig aber auch konservativ, denn wir wollen auch etwas bewahren, nämlich die Stellung der Grundrechte, auch in der digitalen Gesellschaft.

Dennoch sind Sie doch dazu verdammt, keine Partei für alle, sondern eine Klientel-Partei zu sein, weil Sie letztlich doch immer nur Computer-Interessierte ansprechen können?

Popp: Es ist gar nicht unser Problem, daß wir nicht die Interessen der breiten Masse vertreten würden, sondern daß die breite Masse nicht weiß, daß wir das tun, da unsere Themen sehr komplex sind. Das eigentliche Problem ist, daß die meisten Leute noch kaum ein Bewußtsein dafür haben, daß es auch um ihre Daten und Freiheiten geht und was es bedeutet, wenn diese in Gefahr sind.

Kurz: Das geht alle an! Und das Haupthindernis ist die Einstellung vieler Menschen: „Dann werden meine Daten eben gesammelt, ich habe ja nichts zu verbergen.“ Daß die Leute sich damit irren, dies klarzumachen ist unsere Aufgabe und unsere Chance. Und immer wenn es gelingt, erfahren wir plötzlich eine enorme Zustimmung.



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Existimator Impius aus Bielefeld

Freitag, 18-09-09 18:46

Auf seinem offiziellen Blog schreibt Andreas Popp:
»Sixtus hats ja heute schon getwittert, dass ich ein Interview mit einer Zeitung names „Junge Freiheit“ gegeben habe, die sich für mich im Nachhinein als ziemlich rechtslastiges Blatt herausgestellt hat.«
»Ich für meinen Teil weiß, dass dies mein ersters und letztes Interview mit diesem seltsamen Blatt war.«
Er akzeptiert Meinungen nicht. Wir wissen, worum es sich bei der Piratenpartei handelt.

 

Ein Pirat aus Hamburg

Freitag, 18-09-09 16:05

Es ist doch bemerkenswert, wie sich ein Netzwerk von taz-Journalisten, die gleichzeitig Mitglied der Grünen sind, sich über die Piratenpartei hermacht. Man erkennt die Absicht und ist verstimmt. Wie die JF - die wahrlich nicht mit der Piratenpartei auf einem Nennen liegt - richtig schreibt: Hier geht es um politische Macht und um einen unliebsamen Konkurrenten!

Bitte bleibt am Thema dran! Alle anderen schreiben ja völlig konformistisch!

 

Marcel M. aus Wiesbaden

Freitag, 18-09-09 12:12

Während die"Piraten"Anhänger wegen des JF-Interviews so eine hohe Welle machen, waren die gleichen "Blogger" bei dem eigentlichen Skandal,die Mitgliedschaft des Herrn Tauss,beängstigenderweise sehr still.Das Problem ist,dass diese EINTHEMA Partei scheinbar noch nicht ihr eigenes Profil gefunden hat. Zur Zeit ist sie nichts Weiteres als ein Sammelbecken von Autonomen,Bloggern und Netzpiraten, die sich am Rande der Legalität bewegen.

Mit der Hysterie bezüglich des Interviews haben sich die Piraten selbst geschadet,weil hiermit ihre angebliche politische "Neutralität"infrage gestellt wurde.

Die ganze Aufregung ist in meinen Augen lächerlich. Für mich ist die JF eine erfrischende Alternative zum linken Meinungsmonopol der Medienlandschaft

 

alter Sachse aus Zwickau

Donnerstag, 17-09-09 16:27

Auch mit den Piraten wird es wieder nichts, in Deutschland für ehrliche Verhälnisse auf allen Ebenen zu kämpfen. Sie werden in kürzester Zeit korrumpiert u. durchsetzt und sie werden sich um Posten und Pöstchen zerreißen.Bereits das Interwiev mit Popp bringt sie in Erklärungsnöte! Piraten waren anders, gegen den Strom, unempfindlich, durchsetzungsstark und vor allem, sie hatten keine Angst vor kleinen Pinschern!

 

Philipp Kauder aus Jena

Donnerstag, 17-09-09 13:02

Sie irren, Herr Ditges. Ein offizielles Ministerium für Wahrheit ist längst überfällig...

 

Bernd Stanetzek aus Bünde

Mittwoch, 16-09-09 20:17

Moritz Schwarz schafft es doch immer wieder,das seine Gesprächspartner die Hosen runterlassen müssen. Schon mehrmals habe ich meine Meinung über Personen oder Parteien auf Grund seiner guten und tiefgreifenden Interviews,geändert.Zuletzt erst bei Peter Gauweiler und jetzt wieder bei der Piratenpartei,bei der,durch sein konsequentes nachhaken,sehr wohl zum Ausdruck kommt,daß sie für uns konservative,keine Partei für ein Kreuz ist.Diese Rubrik,sowie Dieter Steins Artikel auf der ersten Seite,sind für mich ein Grund mehr,auf die neue JF zu warten.Bitte machen sie weiter so.

 

Michael Schärfke aus Berlin (Preußen)

Mittwoch, 16-09-09 18:51

Was rufen jetzt die kriminellen "Demokraten"? "Auf den Scheiterhaufen mit ihm! Zündet ihn und seine Brut in seinem Heim an! Es lebe das linksfaschistische Multikulti-System! Nieder mit allen Deutschen!"

 

Pia X. aus Berlin

Mittwoch, 16-09-09 17:19

2/2 Heute merken die Leute gar nicht mehr, daß sie "links" sind. Sie haben zwar im Kino gern "Die Matrix" gesehen, sich aber natürlich nicht die Mühe gemacht, über die eigenen, selbstgebauten Matrizen nachzudenken. Naja, tröstlich wird sein, daß die Piraten rotgrün und ganz besonders grün kannibalisieren werden. Wär' doch ein hübscher Treppenwitz der Geschichte: schwarzgelb schafft's doch noch, weil es für (rot)rotgrün nicht mehr reicht, weil die Piraten so stark sind, aber leider knapp an der 5er-Hürde scheitern ...

 

Pia X. aus Berlin

Mittwoch, 16-09-09 17:18

1/2 Erinnerungen an die Volkszählungsdebatte in den 80ern. Damals gab es noch kein Internet. Und Herrn Popp anfangs auch nicht. Die politischen Mechanismen sind aber vergleichbar: man behaupte zunächst, daß es okkult-faschistische Kräfte gibt, die die "Freiheitsrechte" unterlaufen oder gar abschaffen wollen. Das ist nicht weiter schwer, da dies zum linken Glaubensbekenntnis gehört. Damals, in den 80ern, waren es hauptsächlich Linke, die sich derart profiliert haben. Grüne, SPD, Spiegel, Stern. Die üblichen Verdächtigen. Soviel zum Thema "Wollen nichts mit rechts-links zu tun haben".

 

Olaf Ditges aus NRW

Mittwoch, 16-09-09 16:10

Als Initiative gegen die Linkstotalitären Entwicklungen in Deutschland mag das ja ganz nett sein. Aber, Zitat aus dem Parteiprogramm "Im Mittelpunkt steht die Schaffung eines neuen Ministeriums", wenn wir irgendwas nicht brauchen, dann ist das ein neues Ministerium.

 

Martin Heine aus Hannover

Mittwoch, 16-09-09 15:18

Seltsam und schade, daß kein regulärer Artikel samt entsprechender Quellenlinks zum vorherzusehenden Echo auf dieses Interview verfaßt wurde.

Klar, man findet den Artikel (sowie in der Folge den Blogbeitrag von Herrn Popp) über die taz-Seite auch ruck-zuck selbst, aber so erweckt es den Eindruck, als habe es seitens der JF Bedenken gegeben, dem Leser diese Beiträge im Original zugänglich zu machen.

 

Ralf Kersten aus Flensburg

Dienstag, 15-09-09 06:39

Das sind also die neuen "Retter der Meinungsfreiheit", die haben den absoluten Durchblick! Und v.a. haben sie die Courage, zu dem was sie tun und lassen zu stehen. Vielleicht waren meine Erwartungen an diese Altergruppe doch zu hoch.

Keiner fordert von den "Piraten" das, wofür sie angetreten sind: Internetzensur und polit. Korrektheit bekämpfen und sich die eigene Neutralität bewahren. Klar ist auch, daß sich nun viele auf sie schmeißen, denen die Jungs sowieso ein Dorn im Auge waren.

Eigentlich hatte ich vor, sie zu wählen. Ich bin genauso wenig "rechtsextrem" wie viele andere JF-Leser. Aber wer so schnell kapituliert, beweist nicht gerade polit. Profil. Wer Angst hat, ist erpreßbar und scheidet als ernstzunehmende Alternative aus.

 

Ralf Kersten aus Flensburg

Dienstag, 15-09-09 06:19

Wie ich gerade gelesen habe, hat die linksextremistische Szene Herrn Popp den Floh ins Ohr gesetzt, er hätte sich mit Adolf Hitler persönlich unterhalten. Der scheinbar ohne seinen Willen Interviewte rutscht nun bäuchlings auf der zurechtgelegten Bananenschale aus und fängt an sich zu rechtfertigen wie weiland Eva Herman. Zitiert wird immer wieder die ideologisch eingefärbte Wikipedia als "wahre" Quelle, um sich über die JF zu "erkundigen". Doch was längst bekannt ist: die nicht gegebene polit. Unabhängkeit der meisten Wiki-Autoren, und ihre Versuche, unliebsame Artikel durch Löschanträge manipulieren - interessiert die angebl. neuen "Zensur-Gegner" nicht die Bohne. Sie erkundigen sich lieber IN der als ÜBER die Wiki.

 

stefan samhuber aus Erding

Samstag, 12-09-09 20:04

"Aber wenn sich linke Parteien für die Sache der Bürgerrechte einsetzen, warum nicht?"


Und wenn Rechte dies tun lehnen sie diese Anträge ab usw. ??


-.-"

 

Martin K. aus NRW

Samstag, 12-09-09 16:43

"Ich möchte festhalten, daß ich die Person, die ich auch schon persönlich kennengelernt habe, nicht für einen Rechten halte."

Aha. Und wenn er nun ein Rechter wäre, was dann? Und was ist an "Holocaust-Leugnern" so schlimm? Mal davon abgesehen, dass hier der Tatbestand einer Leugnung überhaupt nicht gegeben ist...

 
 

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