Mittwoch, 16.09.2009

Die taz und der Kampf gegen die Piraten

Groß ist der Aufschrei über das Interview, das der Vizechef der Piratenpartei, Andreas Popp, in der letzten Ausgabe der JUNGEN FREIHEIT gegeben hat.

Mehrere Zeitungen berichten empört über den „Fehler“, den Popp begangen habe. Die Berliner Zeitung: „’Dumm’ sei das gewesen, schreiben die einen, andere sprechen hämisch von Medieninkompetenz.“

Tatsächlich hat sich Popp nach den ersten Medienreaktionen erschrocken von sich selbst distanziert, er will eine „eilige Interviewanfrage“ der JF erhalten haben, mit deren Namen er nichts habe anfangen können. Beim Interview sei er „aus allen Wolken gefallen“ wegen der suggestiven Gesprächsführung. In der abgetippten Fassung des Gesprächs sei ihm „jedes Wort im Mund rumgedreht“ worden. Dabei habe er sogar noch im Online-Lexikon Wikipedia gelesen, daß auch Ephraim Kishon der JF schon ein Interview gegeben habe und das Gespräch schließlich mit Änderungen autorisiert. Er hat sich inzwischen entschuldigt, mit „diesem seltsamen Blatt“ gesprochen zu haben.

Hintergründe des Interviews mit Andreas Popp

Tatsächlich verhielt es sich mit dem Interview so: Wir haben mit Andreas Popp ein Gespräch geführt, wie wir es wöchentlich mit jedem Interviewpartner tun. Die JF erscheint seit 1994 wöchentlich und sie hat nach Adam Riese inzwischen fast 800 Interviews veröffentlicht, die alle von Interviewpartnern persönlich autorisiert wurden. Die Liste der Interviewpartner ist lang und kann auf unserer Internetseite eingesehen werden.

Andreas Popp wurde das Interview also wie üblich schriftlich zur Autorisierung vorgelegt. Er hat nur wenige Passagen geändert und das Interview dann zur Veröffentlichung freigegeben. Popp hatte im Verlaufe des Interview-Prozesses zwischen dem 28. August und dem 3. September insgesamt zwölf Mal per E-Mail Kontakt mit unserem Redakteur Moritz Schwarz. Mehr kann man wirklich nicht machen.

Welche Interessen verfolgen die Kritiker der Piratenpartei?

Es ist nun interessant zu sehen, welche Kritiker am lautesten den Vertretern der Piratenpartei „Unprofessionalität“ und mangelnde politische Korrektheit vorwerfen: Die selbsternannte Gralshüterin journalistischer Unabhängigkeit und kritischer Berichterstattung ist ausgerechnet die linke taz. Auf ihrer Online-Seite schreibt die taz-Redakteurin Julia Seeliger in einem großen Artikel über das „instinktlose, ideologisch problematische Interview“: „Abermals ist es der Piratenpartei passiert, unsensibel gegenüber rechtslastigen Argumentationen gewesen zu sein.“ Bemerkenswerterweise kommt in (bis Mittwochabend, den 16.09.) über 200 Kommentaren durchaus auch scharfe Kritik am Kampagnenjournalismus der taz auf.

Ist dieses Interview wirklich so skandalös? Es ist tatsächlich nicht das erste Mal, daß ein Interview der Jungen Freiheit Aufsehen erregt. Es gab lange Debatten, nachdem die SPD-Vordenker Egon Bahr 2004 und Peter Glotz 2005 in der JF Interviews veröffentlicht hatten oder nach dem Gespräch mit Charlotte Knobloch, damals Vizepräsidentin des Zentralrates der Juden in Deutschland. Die Erregung nach manchem Interview zeigen das vorherrschende Unvermögen, die Unsouveränität eines Teils der Gesellschaft, kontroverse Diskussionen auszuhalten und zuzulassen, an der tatsächlich Exponenten von links bis rechts beteiligt sind.

Manche Journalisten kommen offenbar nicht damit klar, daß an einem demokratischen Diskurs Konservative nicht nur am Katzentisch teilnehmen wollen. Demokratie kann anstrengend sein – es sei denn, man hat die Absicht unter sich zu bleiben.

Doch nach Ansicht der engstirnigen taz-Redakteure soll der „Diskurs” anscheinend immer nur unter Linken und Liberalen stattfinden.

Die taz als Gouvernante des links-grünen Establishments

Was ist nun das Motiv bei der taz, sich besonders über die Piratenpartei zu empören? Gab es nicht schon mehrere Politiker der Grünen, die sich in JF-Interviews äußerten? Die Ikone der Grünen, Daniel Cohn-Bendit unterschrieb im Jahr 1994 sogar einen Appell „Die Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden – Appell anläßlich des Anschlages auf die Druckerei der JUNGEN FREIHEIT“, nachdem Linksterroristen im Dezember 1994 die Weimarer Uniondruckerei in Brand gesetzt hatten, weil dort die JF hergestellt wurde.

Die taz empört sich wohl besonders darüber, daß die Piratenpartei sich nicht an die politisch-korrekten Quarantänebestimmungen im Umgang mit konservativen Journalisten gehalten hat, weil es um politischen Einfluß und nackte politische Macht geht. Es geht um den Kampf gegen einen politischen Konkurrenten bei der Bundestagswahl. Es geht schlicht um Pfründe. Julia Seeliger ist Mitglied der Grünen und gehörte bis Ende letzten Jahres dem Parteirat auf Bundesebene an. Sie läßt sich als „Web-2.0-Pionier“ der Partei titulieren.

Die taz hat ein – auch wirtschaftliches – Interesse an einer starken grünen Partei. Die Piratenpartei wildert tatsächlich im Stammrevier der Grünen, punktet eher bei staatskritisch veranlagten urbanen Jungwählern, die bislang selbstverständlich grün gewählt haben. Zwei Prozentpunkte für die Piratenpartei am 27. September – sie könnten unter Umständen bei einem knappen Wahlausgang den Ausschlag für Schwarz-Gelb und gegen eine strategische linke Mehrheit geben.

Über ihren Internetblog suchte die taz-Redakteurin schon Anfang September nach „heißem Material“ gegen die Piratenpartei: „Wie ist der Frauenanteil? Welche prominenten Mitglieder (zB Tauss, Rusche) gibt es? Was gab es für interessante Aktionen der Piraten? Ist die Piratenpartei als ‚Linksliberal’ zu verstehen?“ Einige Blogger spekulieren, Seeliger sei zur gezielten Recherche gegen die Piratenpartei angeheuert worden.

Die Grünen: Einst rebellisch, heute ein saturierter, verbonzter Apparat

Die taz, einst publizistische Vorkämpferin einer linken, außerparlamentarischen Jugendbewegung, ist heute zu einer in die Jahre gekommenen politisch-korrekten Gouvernante eines links-grünen Establishments geworden. Der Charme des Oppositionellen ist schon lange dahin. Die Grünen, einst basisdemokratisch und Sammlungsorganisation rebellischer, junger Bürgerinitiativen, ist zu einem saturierten, verbonzten Apparat im Dienst von Berufspolitikern geworden, die um ihre Diäten bangen – nicht mehr zu unterscheiden von etablierten Parteien wie CDU und SPD.

In der „Grünen Jugend“ engagieren sich nicht mehr nonkonforme, radikale Linke sondern angepaßte, karrieregeile Spießer, brave Opportunisten – Julia Seeliger ist ein solches Paradeexemplar. Es macht sich nun in diesem angepaßten Apparat Nervosität breit, daß sich eine rebellische neue Jugendbewegung in und um die Piratenpartei zu organisieren scheint, die sich nicht an die kurze Leine der taz-Gouvernante legen lassen will. Die die Nase voll haben von den Direktiven aus der Kochstraße.

Ein Kommentator schrieb in Julia Seeligers Blog: „Was bedeutet ‚links’ in der heutigen Politik? Daß die Piraten liberal sind, steht außer frage. Allerdings ist die Aufteilung in linke und rechte Lager, in meinen Augen, Schnee von gestern.“ Das kann natürlich nicht geduldet werden. Und daher das bierernste, oberlehrerhafte Vorgehen der taz gegen die „ungezogenen Kinder“ von der Piratenpartei.




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O. H. aus Berlin, West

Samstag, 19-09-09 16:34

Mir fällt zu Politiker-Gerede stets Friedirch von Logaus Gedicht ein, nachstehend. Popp steht also nicht hinter dem, was er vorgibt zu verkörpern, sondern, wie ausnahmslos alle seiner fragwürdigen Zunft, nur hinter der EIGENEN Karriere. Das heißt letztlich, daß diese 'Partei' ebenso wie die etablierten 'Links-Mitte' Register nichts Neues bringen wird.

Heutige Weltkunst

Anders sein und anders scheinen,
Anders reden, anders meinen,
Alles loben, alles tragen,
Allen heucheln, stets behagen,
Allem Winde Segel geben,
Bös – und Guten dienstbar leben;
Alles Tun und alles Dichten
Bloß auf eignen Nutzen richten:
Wer sich dessen will befleißen,
Kann politisch heuer heißen.

 

Holger Thies aus Teneriffa

Freitag, 18-09-09 00:39

Halten wir es doch einfach mit den Worten Salvador Dalis, der da angeblich sagte: Man kann nicht schlecht genug über mich reden, als dass ich nicht noch Kapital daraus schlagen könnte!
Und es wirkt, denn bei mir z.B. waren es ausschließlich die so genannten NegativSchlagzeilen die mich ein solch geniales Werk wie dieses hier entdecken liessen.
Steter Topfen höhlt den Stein!!!

 

Andreas M aus dem Ruhrgebiet

Donnerstag, 17-09-09 21:34

Hmm, schade um die Piraten, aber Meinungsfreiheit ist in Deutschland halt doch ein viel heißeres Eisen, als wahrscheinlich so mancher von denen ursprünglich gedacht hat... da geht es um übelste Dämonisierung, nix für schwache Nerven und erst recht nix für eine Partei die es in dieser BRD zu einiger Beachtung bringen will. Da muss man einfach zwischen hundertprozentiger Integrität und dem Willen zur Macht abwiegen. Wohin das führt... wohl nicht dahin wohin es führen sollte. Aber egal, ich wähl sie trotzdem! Schon allein in Ermangelung von Alternativen... die konservativen Splitterer am rechten Rand sind mir ehrlich gesagt zu reaktionär... denen traue ich auch nicht weiter übern Weg als den Aasgeiern vom Einheitsblock.

 

Carsten Schulz aus Mannheim

Donnerstag, 17-09-09 13:11

Da startet einer als Pirat - und landet als braver Mitläufer des rotgrünen Establishments. Immer schön stromlinienförmig im Sinne der Political Correctness. Und dennoch, irgendwie ist es gut, dass es diese 'Partei' gibt. Inhaltlich ist sie völlig belanglos und überflüssig. Aber wenn sie im Revier der rotgrünen Spießerparteien wildert, kann es mir nur recht sein.

 

rechtsvorlinks rechtsvorlinks aus Hamburg

Donnerstag, 17-09-09 12:38

Frank Fischer aus Erfurt sagt:
Die "Piraten-Partei" ist ein Symthom dieser Zeit.

El extremista ist gleich bedeutend ein Desperado.
In der Pionierzeit klebte in jedem Kaff ein Steckbrief.
Heute kleben sie Plakate zur Selbstdarstellung ihres "Berufsstandes".
Ein Pirat lebt von Piraterie, -siehe status quo zwischen Aden und Madagaska und anderswo,- von redlicher Arbeit anderer Menschen. Die Romantisierung haben wir der Unterwerfung eines Weltreichs der englischen Krone zu verdanken, wo Piraten zum Lord geadelt wurden.
Daher das Symthom der Gewaltverherrlichung und deren Führungsfiguren ,Che, Mao, Stalin u.a.
Diese Kinderpartei läuft entgegen ihren eigenen "heren"Zielen im Zeitgeist Gleichschritt ihren 68ern Erziehern hinterher,- na denn.

 

G. Dust aus Ostfalen

Donnerstag, 17-09-09 12:09

Die selbsternannten "Piraten" scheinen mir eher als Freibeuter (sprich: im Staatsauftrag) durch die politisch korrekten Gewässer zu schippern.

Sehen wir es positiv: Die JF spart sich durch diesen "Skandal" eine teure Werbekampagne.

 

Frank Fischer aus Erfurt

Donnerstag, 17-09-09 09:57

Die "Piraten-Partei" ist ein Symtom dieser Zeit. Möglichst ungehemmten Individualismus und Hedonismus haben diese kindischen Möchtegern"piraten" auf ihre orangene(!)Fahne geschrieben. Das man etwas riskieren muß, um etwas zu erreichen, wollen diese Kinder des Massenkonsums von Luxusartikeln nicht war haben, schon gar nicht, daß einzig ein starker Staat der Garant der Wohlfahrt des Volkes sein kann. Echte Piraten sehen anders aus, sie segeln unter schwarzen Fahnen, mit Schädel und Knochen, dem Symbol der Opferung des Eigenwillens im Dienste der Gemeinschaft...dem Sinnbild konsequenter Pflichterfüllung...

 

rechtsvorlinks rechtsvorlinks aus Hamburg

Donnerstag, 17-09-09 02:28

Besten Dank für diese und wieder einmal eine von zahlreichen Richtigstellungen auf üble Nachrede, wie auch das redaktionelle Zustandekommen. Auf gebriefte Interview Taz-Kanditaten der voneinander abschreibenden Alt68er und ihrem dressierten Nachwuchs kann der JF Leser verzichten. Dem unbedarften A.Popp sollte man mit Nachsicht begegnen, er klemmt im Schraubstock und wird gerade gefeilt. Soweit bekannt, stehen etliche Funktionäre schon Schlange zwecks Unterwanderung, nach dem Muster der K-Gruppen bei Grün.
Bei den Piraten brennt das Elmsfeuer am Mast, auf ihrer Web wird der "geprügelte" Berufsprovokateur beweint, über den inzwischen 3 Vidios im Umlauf sind und Dank unserem GEZ Stürmer-TV derselbige containerreifer Medienstar wurde. Interessant auch die Piratenforderung nach Nummernschilder für Polizisten, -bald auch mit TÜF ?. Und vermummten Demonstranten soll dieses Previleg vorenthalten bleiben ??, na,wo bleibt da nur die Gerechtigkeit, spottoff.

Apropos der Leitartikel der JF39 ist sehr gelungen, Michael Paulwitz hat es nur versäumt, die Zweitstimmen Empfehlung zu thematisieren. Ein Hebel zur Bündelung von Splitterparteien. Es wäre gut das noch vor der BTW einmal offen zu legen. Eine wirkliche Chance ohne eine Präferenz aussprechen zu müssen.
Anregung hier: http://plebiszit.blogspot.com/

 

Ralf Kersten aus Flensburg

Donnerstag, 17-09-09 02:16

Hab statt des üblich-üblen gemein-gemeinschaftlichen "korrekten" Polit-Zirkus lieber nen schnöden Hollywood-Klassiker ("Die Schwarze Natter" mit Humphrey Bogart & Lauren Bacall) eingeschaltet, szs. "mitten aus dem Leben". Junge, war'n das noch Teufelskerle, so wenig verlogen und verschrobem, die selbst dem "unmoralischen Angebot" einer Frau noch widerstehen konnten (wofür ihnen die Frauen zu Füßen lagen)!

Sobald ich umschhaltete, sagte die Linke zur Rechten: "Du brauchst was Konkretes, du brauchst BEWEISE, du kannst NICHTS beweisen ohne MICH! ICH bin dein Beweis! Niemand wird dich je bekommnen, du bist ein entkommener Sträfling, man wird MIR glauben! Ich werde alle möglichen Mittel einsetzen, weil es ein irres Gefühl ist!" (Film-Zitate)

 

Ralf Kersten aus Flensburg

Donnerstag, 17-09-09 01:37

Leute - taz hin oder her - laßt uns ehrlich sein: Die sog. "Piraten" sind nichts weiter als ein Abziehbild unserer sog. "Gesellschaft" (wie könnte es anders sein?). Ihre angebl. "Revolte" bedeutet in etwa: in den Keller geh'n und mit den Türen schlagen (hoffentlich hört es niemand)!

Diese twittrigen Net- und Chat-Insassen sind im wahrsten Sinne des Wortes "Luftikusse": wenn's hart auf hart kommt, dann wird der Henkel weich...

Leute, ich sag euch nur eines: Freßt Knoblauch und werdet stark!

 

A. Müller aus der Pfalz

Mittwoch, 16-09-09 22:46

Da ist wohl einer vor der eigenen Courage erschrocken. Piraten sind auch nicht mehr das, was sie einmal waren...

 
 

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