Deutschland

Montag, 25.05.2009

Zweiter Stasi-Spitzel in „Fall Kurras“ verwickelt

 

Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Wolfgang Bosbach, betonte, dessen Tätigkeit für die DDR-Staatssicherheit sei mittlerweile verjährt. Daher könnten auch seine Pensionsansprüche nicht angetastet werden. „Es ist natürlich ein bitteres Ergebnis, wenn jemand, der gegen sein eigenes Vaterland gearbeitet hat, von diesem Land auch noch eine Pension bekommt“, sagte der CDU-Politiker laut dem Nachrichtenmagazin Focus.

Stalinismus-Opfer stellen Strafanzeige

Zuvor hatte der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle der Bild-Zeitung gesagt, es müßten alle disziplinarrechtlichen Möglichkeiten gegen Kurras ausgeschöpft werden.

Die Gewerkschaft der Polizei kündigte inzwischen an, Kurras, der bis 1987 im Westteil der Stadt seinen Dienst versehen hatte, aus ihren Reihen auszuschließen. Man werde ein Ordnungsverfahren gegen ihn einleiten, teilte der stellvertretende Berliner Landesvorsitzende, Michael Purper, dem Tagesspiegel mit.

Unterdessen hat der „Verein der Opfer des Stalinismus“ Anzeige wegen Mordes gegen Kurras gestellt. Die neuen Erkenntnisse machten ein Aufrollen dieses Falles notwendig, stellte der Vereinsvorsitzende Wolfgang Holzapfel gegenüber der JUNGEN FREIHEIT fest: „Mit der Anzeige wegen Mordes wollen wir die Staatsanwaltschaft zwingen, Ermittlungen aufzunehmen, da dieser Tatbestand – im Gegensatz zur Spionage – nicht verjährt“, sagte Holzapfel.

Kritik an Birthler-Behörde

Kurras sei ein „Zahnrad in der West-Bespitzelung“ der Stasi gewesen; deswegen müsse sein Verein als Interessenvertretung der SED-Opfer tätig werden, betonte Holzapfel im Gespräch mit der JF.

Bei zwei Gerichtsverfahren 1967 und 1970 war der Polizist vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung rechtskräftig freigesprochen worden.

Der Leiter des „Forschungsverbunds SED-Staat“ der Freien Universität Berlin, Klaus Schroeder, warf der Birthler-Behörde vor, die Stasi-Akten nicht systematisch zu erschließen. Es sei ein Skandal, daß Kurras´ Spionage-Tätigkeit nur zufällig entdeckt worden sei. (vo)



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Rüdiger Knust aus Kiel

Donnerstag, 28-05-09 10:36

@Sydow
Sehr geehrter Herr Sydow,
wir bewegen uns natürlich im Bereich der Spekulationen. Natürlich besteht für einen Spion oder Agenten immer die Gefahr der Entdeckung. Ich denke, daß es eine Art "Kosten - Nutzen - Analyse" gibt. Wie groß ist der Nutzen einer bestimmten Aktion und welches Risiko besteht für den Agenten oder die Organisation. Wenn meine These richtig ist, war man eventuell bereit, ein großes Risiko einzugehen, weil auch der Nutzen groß war. Wenn es das Ziel war, die Bundesrepublik und ihre Organe als faschstoid z diffamieren, dann bot sich die damals aufgeheizte Situation förmlich an, um durch eine provokante Aktion Öl ins Feuer zu gießen. Die Aktion gelang, das Ergebnis: die Radikalisierung der Studentenbewegung.

 

Bernd Sydow aus Berlin

Mittwoch, 27-05-09 12:39

@Knust:
Sehr geehrter Herr Knust,
unterstellen wir mal, es war Auftragsmord und keine Notwehr. Hätte Kurras die Tat dann in Anwesenheit zahlreicher Zeugen ausgeführt? Er hätte doch von vornherein damit rechnen müssen, daß er nicht nur wegen Mordes angeklagt wird, sondern auch seine Tarnung als Stasi-Spitzel auffliegt.

Und da der Zweck eines Auftragsmordes doch wohl darin bestanden hätte, die Westberliner Polizei in Mißkredit zu bringen, wäre die Schlagzeile "Stasi-Agent ermordet Westberliner Studenten" in der internationalen Presse für die DDR ziemlich kontraproduktiv gewesen. Daß seine Tarnung in beiden Prozessen erhalten blieb, kann auch Zufall gewesen sein.
Mit freundlichen Grüßen
gez. Bernd Sydow

 

Ci Pi aus München

Dienstag, 26-05-09 22:31

Das mit dem Fotografen könnte ein weiterer Mosaikstein sein. Wahrscheinlich war da noch viel mehr systematische Unterwanderung der SED-Diktatur in unsere Gesellschaft. Jetzt tritt immer mehr ans Tageslicht. Wie wäre es, wenn man statt greise, angebliche NS-Verbrecher vor Gericht zerrt und Unsummen für einen Phantom-Kampf gegen rechts ausgibt, mal hier ordentlich in die Aufarbeitung der jüngeren Diktatur-Vergangenheit investiert? Oder werden sich Schwan Thierse und Konsorten Diktaturverharmloser jetzt gerade bewußt, daß hier noch einiges den Gulli hochkommen könnte und deswegen steuern sie schon mal auf SED-Kuschelkurs?

 

Rüdiger Knust aus Kiel

Dienstag, 26-05-09 13:14

@Sydow:
Sehr geehrter Herr Sydow,
ob der Stasi-Agent Kurras seinerzeit wirklich in Notwehr geschossen hat, ist doch im Lichte der neuen Erkenntnisse zumindest zweifelhaft. Aus der Tatsache, daß bisher in den Akten kein schriftlicher "Mordauftrag" gefunden wurde, ergibt sich nicht, daß es einen solchen Auftrag nicht gab. Hat Herr Kurras sich nicht sogar öffentlich damit gebrüstet, daß er im Range eines Majors für die Stasi tätig war. Wenn das der Wahrheit entspricht (und nicht Hochstapelei war), dann war ein schriftlicher Autrag weder erforderlich noch sinnvoll.So amateurhaft war die Stasi sicher nicht. Wer weiß schon,wer bei dem Prozeß und der Beweisführung seine Finger im Spiel hatte und vielleicht immer noch hat.

 

Bernd Sydow aus Berlin

Dienstag, 26-05-09 08:39

Kurras dürfte nicht der einzige Stasi-Spitzel in der Westberliner Polizei gewesen sein. Und in der Westberliner Studentenschaft hat es mit Sicherheit Agents provocateurs der Stasi gegeben. Es herrschte schließlich Kalter Krieg.

Kurras hat seinerzeit erwiesenermaßen in Notwehr gehandelt, wie jeder "normale" Polizist es auch getan hätte; "Deeskalation" kannte man damals noch nicht. Ansonsten hat er niemanden umgebracht oder ans Messer (der Stasi) geliefert. Nur das ist heute noch relevant.

 

Der Klaus aus Deutschland

Dienstag, 26-05-09 00:17

„Es ist natürlich ein bitteres Ergebnis, wenn jemand, der gegen sein eigenes Vaterland gearbeitet hat, von diesem Land auch noch eine Pension bekommt“, sagte der CDU-Politiker laut dem Nachrichtenmagazin Focus."

Wenn es danach ginge dürften Fischer, Cohn-Bendit, Roth, Tritin, Ströbele, und wie diese Spinner alle heissen nicht einen müden Euro kriegen.

Ansonsten wird Stasi-Kalle nichts geschehen, die Stalinfans die sich seit Jahrzehnten an die warmen Heizungen in den Behörden herangepirscht haben werden schon ihre schützend Hand über den delinquenten halten. Da pssiert nichts oder höchstens ein sträfchen. Die alten 68er würden niemals zugeben das sie voll verarscht wurden.

 
 

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