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Samstag, 27.06.2009

Doppelte Staatsbürgerschaft

Immer wieder werde ich hier in Deutschland gefragt, ob ich denn mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hätte – oder zumindest neben meinem finnischen auch einen deutschen Paß besäße. Für die Meisten ist meine Antwort eher überraschend: „Warum soll ich denn Deutsche werden? Ich bin doch Finnin.“

Es ist nicht so, daß ich etwas gegen Deutschland hätte. Ganz im Gegenteil: Ich liebe dieses Land, in dem ich mittlerweile die Hälfte meines Lebens verbracht habe, hasse es, wenn Menschen schlecht darüber sprechen und empfinde eine Verantwortung für die hiesige Zukunft. Und dennoch sind diese Gefühle nicht mit der Liebe zu meiner nordischen Heimat zu vergleichen. Ich bin nun Mal durch und durch nicht deutsch – und kann es auch nie werden.

Viele Deutsche jedoch scheinen da anders zu denken. Schließlich lief diese Woche in Berlin sogar eine Kampagne für die doppelte Staatsbürgerschaft an. Prominente setzen sich dafür ein, daß in Deutschland geborene Migrantenkinder künftig auch als Erwachsene zwei Pässe besitzen dürfen.

Viele sehen die Nationalität als etwas Konvertibles an

Daß die Nationalität etwas Tiefgründigeres als Bürokratie ist, haben die meisten Deutschen schlichtweg verlernt. Für viele ist es schwer, zu verstehen, daß die Staatsangehörigkeit eigentlich nicht mit dem Besitz eines Passes oder dem Genuß bestimmter Vorteile gleichzusetzen ist, sondern ursprünglich Volkszugehörigkeit bedeutete. Angeblich soll dieser Begriff in der globalisierten und modernen Welt nicht mehr so einfach zu definieren sein, aber ist es denn wirklich so schwer?

Für mich ist die Verwurzelung mit der finnischen Kultur, Sprache und nationalen Geschichte so wichtig für die eigene Identität, daß sie ein wesentlicher Teil von mir selbst ist. Die Staatsangehörigkeit ist damit für mich nicht etwas Austauschbares, sondern eben das, was ich bin.

Daß auch Konservative hierzulande in der Lage sind, die Nationalität als etwas Konvertibles zu  verstehen, zeigt wie sehr die deutsche Gesellschaft von der linken Denkweise über die Nation als bloßes gesellschaftliches Konstrukt geprägt ist. Denn wer ernsthaft glaubt, man könne die Nationalität beliebig wechseln, muß seinen Glauben an das Wesen der Nation verloren haben.

Zweckgemeinschaft statt Nation, Bevölkerung statt Volk

Daß die Mehrheit hierzulande diesen Glauben nicht mehr hat, ist wohl bekannt. Schließlich betonen sowohl Politik, Wissenschaft und Medien ständig, daß Deutschland keine Nation mehr wäre, sondern eine Art Zwecksgemeinschaft mit einer Bevölkerung statt einem Volk in einem geeinten Europa.

Klar könnte ich einen deutschen Paß beantragen und würde ihn auch höchst wahrscheinlich bekommen. Doch was würde es mir bringen, dem Papier nach Deutsch zu sein, wenn ich es vom Herzen nicht bin?

Wenn dagegen ein Ausländer hier geboren und aufgewachsen ist und sich in Deutschland kulturell verwurzelt fühlt, sich mit diesem Land identifiziert, kann ich durchaus verstehen, daß er auch einen deutschen Paß haben möchte. In Ordnung. Doch dann sollte er auch bereit sein, seine andere Staatsbürgerschaft aufzugeben. Alles andere ist Opportunismus.



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Joachim Greenwood aus USA

Montag, 29-06-09 04:34

Lieber Herr Ramcke,
Nein ich meinte nicht nur die USA. Jedes belibge Land oder Kontinent den sie sich gerne aussuchen moechten ausserfhalb der EU. Heimat hat naemlich absolute nix mit vergangener, aktueller oder zukuenftiger Politik zu tun. Wird zwar nicht mehr gelehrt aber ist trotzdem so.
Aus ihrer Antwort entnehme ich aber dann doch das unvermoegen, Heimat und sich zu einem Volk zughehoerig zu fuehlen. Vergessen sie bitte nicht, das andere Laender erst mal, franzosen, pollen, spanier, italiener usw. Sind und dann wenn einer rausgefunden hat wo das Europaland liegt, dann schaut man sichs an und entscheidet dann.
Ich gebe ihnen da keine Schuld. Das ist eben ein Beispiel fuer indoctrination. So wird man vom Lehrer gelobt, von der Gruppe gibts Streicheleinheiten und die anderen – na sind eh Autobahn.
Entschuldigung aber ich nenne das gut dressiert nach vorgegebenem auswendig gelernten Antworten pc zu rezitieren.
Das leben wird ihnen auch noch lehren was Heimat ist - versprochen.
Lesen sie sich bitte den ausgezeichteten Aufsatz von Frau Mursula mal genauer durch. Sie spricht nicht von Politik, nicht von vergangenen, aktuellen oder zukuenftigen Voelkerwanderungen. Sie beschreibt schlicht Heimat.

 

Olaf Ramcke aus Fellin

Sonntag, 28-06-09 12:12

An Herrn Greenwood.

Gehe ich recht in der Annahme, daß Sie weder von Australien, Neuseeland noch Kanada reden? Noch von Asien, Afrika oder Südamerika? Der Außer-EU-raum also die Vereinigten Staaten bezeichnet?

In dem Fall wäre es nämlich angemessen zu diesen etwas mehr zu schreiben, was ich kurz tun werde.

Als ein Volk fühlen sich die Amerikaner natürlich nicht, aber das Bewußtsein zusammen dieselben Chancen auf dem Gebiet der USA zu besitzen überwiegt alles andere, m.a.W. gleicht der amerikanische Patriotismus der Zusammengehörigkeit einer Gruppe von Goldschürfern, die einen Flußabschnitt unter sich aufgeteilt haben.

 

Joachim Greenwood aus USA

Sonntag, 28-06-09 00:43

Schade Herr Ramke. Sie haben nix begriffen.
Es nuetzt nichts wenn sie die ganze Menschheits-Geschichte von 6000 Jahren frei rezitieren koennen. Ohne ein wirkliches Verstaendniss werden sie aber auch nicht das geringste verstehen.
Vielleicht sollten sie im ausser EU Raum mal so fuer 10 Jahre leben. Vielleicht wuerde das gegen festbetonierten Ideologieunterricht helfen?
Das ist wie mit Kunst, Kultur und Anstand. Wer nach der Definition fragt wird’s einfach nicht kapieren.
Ein geradezu herrliches Beispiel 20 Jaehriger ideologiebildenden Unterrichts der neuen deutschen Schulsysteme. Besser kann man’s einfach nicht mehr vorfuehren.
Na dann bleibt nur zu hoffen das Hans irgendwann doch noch lernt was Haenschen verpasste.

 

Olaf Ramcke aus Fellin

Samstag, 27-06-09 22:29

Dem Instinkt nach gibt es keine Deutschen. Es gibt Friesen, Sachsen, Thüringer, Bayern, Schwaben und Franken, sowie das Mischvolk, das den Freistaat Sachsen bevölkert.

Was auch immer die Autorin mit dem Begriff Volk verbinden mag, es kann einem Deutschen nur in den obigen Gemeinschaften fühlbar sein. Wenn man es denn ernst nimmt. Man zeigen mir einen frotzelnden Sachsen oder einen lakonisch stoischen Schwaben, wobei die Friesen und Sachsen mit den anderen Deutschen ja noch nicht einmal die Völkerwanderung gemein haben und damit verbunden auch nicht den Hang zum Feudalwesen.

Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war stets ein Bundesstaat. Daran ist gar nichts Modernes.

 

Joachim Greenwood aus USA IL

Samstag, 27-06-09 21:25

Danke Frau Mursula.
Ich wuenschte es wuerden mehr Menschen so denken. Ich lernte von den Eltern und den Grosseltern: “Ein Baum ohne Wurzeln wird keine Fruechte tragen und den naechsten Herbststurm nicht ueberstehen”.
Doppelte Staatsbuergerschaft fuer wen? Bestimmt nicht fuer deutsche welche im Ausland leben. Wuerde ich die US Americanische beantragen, die ich gar wahrscheinlich bekommen wuerde, wuerde ich die deutsche Staatsangehoerigkeit, aus deutschem Recht heraus automatisch verlieren. Dabei sollen doch laut GG in Deutschland alle Menschen gleich sein!
Hier in den USA bekommt man die US Staatsbuergerschaft nicht weil man schon soooo lange dort lebt. Es ist ein privilege diese neue Staatsbuergerschaft zu bekommen.
Wer im ausser EU Ausland schon mal die deutsche Bootschaft benoetigte und gar noch tatsaechlich zur deutschen Grundbevoelkerung gehoert, wird behandelt wie der letzte Dreck. Wie oft wurde ich dort schon gefragt, warum ich nicht einfach Amerikaner werden will. Es scheint tatsaechlich erwuenschte und unerwuenschte deutsche Staatsbuerger zu geben.

 

Gerd-Joachim Kalkowski aus Hildesheim

Samstag, 27-06-09 20:59

Anni Mursula hat als Finnin, die ihr Vaterland liebt, mehr für die Deutsche Sache, wie sie noch immer von vielen Bürgern und besonders dem Leserkreis der JF verstanden wird, getan und vor ihrem Eintritt in die Mutterschaft auch keine gefährlchen Aktionen gescheut.U.a. gehört dazu ihre Reportage über eine Münchner Abreibungsklinik. Aus ihrer konservativen Haltung heraus schöpft sie auch die Kraft, durch ihr positives Wirken hier in Deutschland,Werte zu erhalten, die sonst verloren zu gehen drohen.

 

Robert Klemm aus Stuttgart

Samstag, 27-06-09 17:48

Wenn Ausländer hier geboren wurde und aufgewachsen ist, wie kann er dann überhaupt ein Ausländer sein?

 

Henning Peters aus Dortmund

Samstag, 27-06-09 12:39

Bravo!
Einmal mehr ein Beitrag dem absolut nichts hinzuzufügen ist.
Da wünscht man sich doch mehr Beiträge von ihnen in der Druckausgabe!

 

Rainer Thesen aus Nürnberg

Samstag, 27-06-09 12:29

dem ist nichts hinzuzufügen!

 

TOBIAS RÜGER aus Frankfurt

Samstag, 27-06-09 09:48

Das perfide an der Argumentation der Lobby für die Aufweichung des Staatsangehörigkeitsgedanken ist die Doppelstrategie in der Argumentation: Für die Beibehaltung der ursprünglichen Staatsangehörigkeit bei Zuwanderern wird völkisch argumentiert, für die zu erwerbende zusätzliche BRD-Staatsbürgerschaft hingegen »modern«, also im Sinn der im Artikel zitierten Zweckgemeinschaft. Selbstverständlich gilt diese Logik nur für Deutschland. Von Ländern wie z.B. der Türkei wird nicht verlangt, dass dort lebende Deutsche mit dem Privileg einer doppelten Staatsbürgerschaft ausgestattet werden.

 
 

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