Sonntag, 29.11.2009 Wochenschau
Montag, 23. November 2009 Rückblick auf die letzte von Frank Elstner moderierte Sendung „Verstehen Sie Spaß?” am vergangenen Samstag – mit einer Notiz aus der Rubrik K-Lauer: Ich denke, Guido Cantz nicht.
Abends zur Verleihung des Deutschen Studienpreises in der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften unter der Schirmherrschaft des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert. Horribile dictu – das Treppenhaus zum Veranstaltungssaal ist mit Bodenfliesen ausgelegt, deren Ornament an den Fugen ein weitgespanntes Netz aus Hakenkreuzen ergibt. Wo bleibt der exterminatorische Furor des Antifaschismus? Vermutlich fehlt der „Patient”. Ein solcher war es gewesen, der im Sommer dieses Jahres das St. Hedwig-Krankenhaus in Berlin-Mitte zum Handeln gezwungen hatte.
Dort waren in der neueröffneten Caféteria Fliesen aus dem alten Bestand des Krankenhauses aus der Zeit um 1900 verlegt worden, deren weiße Linien - wie auch in der Akademie am Gendarmenmarkt - ein Hakenkreuz bildeten. Sechs Wochen dauerte es, bis dies überhaupt jemand bemerkte. Kaum hatte der betreffende Patient den „Skandal” gemeldet, hatte das Krankenhaus die fürchterlichen Stellen herausgefräst.
Vor seiner Abreise nach Israel bezeichnet Außenminister Guido Westerwelle die Sicherheit im Nahen Osten als „Staatsraison”. Mit Blick auf die teilfranzösische Herkunft dieses Begriffes läßt er das Publikum im Ungewissen, ob es sich um eine Frage der Vernunft oder des Verstandes handelt. Und überhaupt: Liegen die ehemaligen Ostgebiete Deutschlands nicht eigentlich näher?
Dienstag, 24. November 2009 Enervierend - die omnipräsenten Werbespots mit Mario Barth. Rette mich in eine Persiflage: „Media-Markt - DAS IST MEIN SCHADEN!”
In der Süddeutschen Zeitung bespricht Gerd Koenen den als Buch erschienenen Briefwechsel von Gudrun Ensslin und Bernward Vesper. Erinnere mich an die Pressekonferenz zur damaligen RAF-Ausstellung der KunstWerke, die – einer religiösen Andacht ähnlich – im Foyer der Volksbühne zelebriert wurde. Gemessen an dem Ernst und der durchgängig dunklen Kleidung der hier anwesenden Journalisten und der zumeist ergrauten Sympathisanten handelte es sich eigentlich um eine „Schwarze Messe”.
Die Versammlung war von einer disziplinierten Stille, daß man eine Stecknadel hätte fallen hören. Es war absurd – und beängstigend, daß ich mich nicht traute, meine als künstlerische Intervention gedachte, doppelseitige Postkarte (Motto: „Freitag um eins / Macht Holger Meins! // ... Macht Holger seins.”) in provokanter Geste über den Köpfen der andächtig dasitzenden Schar abzuwerfen. Deshalb ärgere ich mich bis heute. Allerdings weiß ich jetzt, was ich damals hätte rufen müssen: „Der Kampf geht heiter!”
Wie sehr sich diese Republik verändert hat, zeigen die Nachrichten - bezeichnenderweise bei Phoenix. Dort fordert der Bundesgeschäftsführer der Linkspartei Dietmar Bartsch, die BdV-Vorsitzende Erika Steinbach müsse im Interesse Deutschlands endlich aufgeben. Sie solle einsehen, daß sie einfach die falsche Person sei.
Mittwoch, 25. November 2009 „Salzgitter II”: Andreas Rinke, Auslands-Chefkorrespondent vom Handelsblatt, befürwortet Westerwelles Haltung gegen Steinbach, denn – so Rinkes Schlußfolgerung – außerhalb der Union käme niemand auf die Idee, die BdV-Vorsitzende für den Stiftungsbeirat zu nominieren.
Donnerstag, 26. November 2009 Volker Zastrow (Frankfurter Allgemeine Zeitung) befindet in seinem Leitkommentar, die SPD sei keine Volkspartei mehr, sondern eine Sekte.
Freitag, 27. November 2009 Afghanistan: Jung sah schon gestern, als er sich im Parlament zu rechtfertigen suchte, ziemlich alt aus. Telefoniere gegen Abend mit einer Afghanistankorrespondentin, die – mit Ausnahme von bin Laden und Mullah Omar – nahezu jeden Akteur dieser Region getroffen hat. Sie erklärt mir, wie Oberst Klein – der schon während eines Besuches wie Espenlaub gezittert habe – völlig überzogen gehandelt hat. Andererseits war er in einer prekären Situation mit nur 300 Soldaten und ohne einen einzigen Hubschrauber.
Verantwortlich für die unzureichende Logistik in Afghanistan sei nicht zuletzt Schneiderhan gewesen. Der eigentliche Fehler aber liege bereits eineinhalb Jahre zurück. Damals kam die Gruppe von etwa fünfzehn führenden Taliban aus Pakistan zurück in die Region um Kunduz, allesamt waren wohlbekannt. Doch anstatt diese Gruppe zu eliminieren, durfte die KSK die zurückgekehrten Talibanführer nur jagen, ohne diese zu töten. So erst konnte die Situation entstehen, in der sich die Bundeswehr heute befindet. Jetzt machten die amerikanischen Streitkräfte den Job, und die seien sehr effektiv.
Sonnabend, 28. November 2009 Nach der Empfehlung des Ethikrates erwägt nun auch die Regierungskoalition, das Modell der Babyklappe abzuschaffen. Abschreckend erscheint nicht nur ein entsprechendes Foto, das wie die Backröhre eines Gasherdes ausschaut. Die 1999 eingeführte Babyklappe verstößt nach Ansicht des Ethikrates gegen das Straf-, das Vormundschafts- und das Adoptionsrecht. Vor allem aber – mit Heidegger gesprochen – „nichtet” die Babyklappe die Mutter. So entsinne ich mich, als wäre es erst gestern gewesen, der damaligen Werbekampagne von kirchlichen (!) Trägern, die mit einem unsäglichen Motto warben, das gedanken-, vor allem aber veranwortungslos war: „Wenn keiner Dein Kind will / Wir nehmen es.”
„Salzgitter II”: Einer Meldung der Berliner Morgenpost zufolge spricht sich die Integrationsbauftragte der Bundesregierung Maria Böhmer für Türkisch-Unterricht an deutschen Schulen aus.
Sonntag, 29. November 2009 Nachdem die Moderatorin Katrin Bauerfeind gestern äußerst unterhaltsam durch Deutschland geführt hat, folgt heute „Österreich von A bis Z” (20.15 Uhr, 3sat).

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