Deutschland

Freitag, 03.07.2009

Fragt endlich das Volk!

Von Michael Paulwitz

Das „tragende Prinzip der begrenzten und von den Mitgliedstaaten kontrollierten Einzelermächtigung“ muß gewahrt werden, fordert das Bundesverfassungsgericht; und vor allem muß sichergestellt werden, daß die demokratisch legitimierte Volksvertretung bei jedem weiteren Integrationsschritt das letzte Wort hat.

Das haben unsere Parlamentarier im Eifer des Ratifizierens glatt „vergessen“: ihr eigenes zentrales Recht sicherzustellen.

Ohne Zustimmung des Parlaments darf sich kein Regierungsvertreter im Rat überstimmen lassen, stellt die Karlsruher Entscheidung klar. Auch in Fällen, die im Lissabonner Vertrag so vorgesehen sind, darf das Vetorecht nur mit Zustimmung des Gesetzgebers aufgegeben werden.

Das „vereinfachte Veränderungsverfahren“, mit dem sich die EU-Kungelrunden künftige Kompetenzerweiterungen selbst genehmigen wollten, ist damit Makulatur. Daß das Bundesverfassungsgericht Bundestag und Bundesrat in letzter Minute an der freiwilligen Selbstkastration hindern muß, ist eine unsterbliche Blamage für das gesamte Hohe Haus und die Ländervertreter – die Karlsruher Kläger und alle, die mit Nein gestimmt haben, natürlich ausgenommen.

Straßburger Debattierclub ist kein Ersatz

Und noch eine billige Ausrede wird der Bundesregierung von den Verfassungsrichtern um die Ohren geschlagen: Das Europäische Parlament ist kein Parlament nach staatlichen Demokratieanforderungen, es kann keine parlamentarische Regierung tragen und keine politischen Leitentscheidungen treffen. Dieses strukturelle Demokratiedefizit ist nicht auflösbar, solange die EU, grundgesetzkompatibel, ein Staatenverbund bleibt.

Eine Erweiterung der Kompetenzen des Straßburger Debattierclubs ist deshalb kein Ersatz für die demokratische Mitwirkung der Bürger über ihre nationalen Parlamente. Weitere Integrationsschritte über den bisherigen Stand hinaus dürften daher nicht die politische Gestaltungsfähigkeit der Staaten aushöhlen. Angela Merkel mag dies getrost als persönliche Nachhilfestunde in Demokratie nehmen.

Der Jubel von Kanzlerin und Bundesinnenminister, Lissabon sei „verfassungsgemäß“, ist daher verfrüht. Zum einen zeigt der Dilettantismus, mit dem das Gros der Volksvertreter die ihnen vom Volk anvertrauten Kontrollbefugnisse durch ein blindes Ja zum Lissabonner Vertrag aus der Hand gegeben hat, daß Fragen der nationalen und staatlichen Souveränität bei ihnen nicht in besten Händen sind: Eine Volksabstimmung über Lissabon wäre nach wie vor die sauberste Lösung gewesen.

Lissabon muß Wahlkampf­thema werden

Ebenso unangemessen ist die Hast, mit der die Koalitionsfraktionen noch vor der Bundestagswahl die von Karlsruhe verlangten Gesetzesänderungen durchpeitschen wollen. Ganz im Gegenteil: Lissabon, die Ausgestaltung der EU und das Verhältnis von nationaler Souveränität und supranationalen Befugnissen muß Wahlkampf­thema werden.

Die Bürger haben ein Recht darauf zu erfahren, wie ihre Abgeordneten im nächsten Deutschen Bundestag ihre in letzter Minute gesicherten Kontrollkompetenzen gebrauchen wollen – und sie haben geradezu die Pflicht, solche Volksvertreter zu benennen, die im Interesse der Nation wachsam und kritisch die Volkssouveränität gegenüber den Anmaßungen der Brüsseler Eurokratie verteidigen.

JF 28/09




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Paul Mannstein aus USA

Dienstag, 07-07-09 17:19

Das Volk fragen? Die Berliner Bonzen haben Angst vorm Volk.

 

Bernd Schmieder aus Ostberlin

Sonntag, 05-07-09 20:34

Ha ha ! Warum sollen die das Volk noch fragen ? Die kennen die Antworten doch ganz genau ! Und ? Sie machen doch, was sie wollen.

 

Michael Schärfke aus Berlin (Preußen)

Samstag, 04-07-09 18:57

Würden die Völker gefragt, würde das den Untergang der Euro-Diktatur bedeuten!

 

Mike Strauch aus Mainz

Freitag, 03-07-09 18:25

Warum steht das Volk nicht auf und ruft "WIR SIND DAS VOLK".
Vielleicht werden unsere Politiker endlich mal wach.

Geht zur Wahl! Demokratie bedeutet Volksherrschaft, also muss sich das Volk äußern. Wer zu Hause bleibt und die Herrschaft anderen überlässt, hat das demokratische Prinzip nicht verstanden. Durch Nichtwählen festigt man das Meinungskartell genauso, als würde man für die etablierten Parteien stimmen.

 

Joachim Greenwood aus USA

Freitag, 03-07-09 18:22

Also herr Paulwitz, ich kann nur befuerchten, das der Lisabonvertrag zum Wahlkampfthema verkommt.
Wie wuerde den so ein Wahlkampf aussehen? Nun man wuerde Kinderrollerbesteuerung diskutieren und ein klares nein zum Krieg auf dem Mars breittreten. Der Lisabonvertrag kaehme doch nur in der Form vor, das sich alle Parteien und MSM mit einem „JA“ zu Europa eussern wuerden. Schauen sie sich doch bitte mal um. Wieviele Europatraeumer es tatsaechlich ohne jedweden Schverstand ueber dieses Europas gibt!
Am Wahlabend wuerden dann doch Politiker aller Parteien sagen:
“ Wie Kinderrollerbesteuerung??? Krieg auf dem Mars?? - auch davon hoerte ich nie?
Aber das Volk hat uns den klaren Auftrag gegeben die Lisabonvertraege zu unterschreiben. So fuzt doch heute BRD demokratie!!
Ich waehre fuer eine klare Volksabstimmung bei der alle politischen Parteien, gerichtlich angewiesen werden die Vertraege offen zu legen und die MSM gerichtlich ihrem Auftrag zur neutralen Brichterstattung verpflichtet werden muessen.
Denn sonst wird von seiten der Politiker und der MSM gelogen was das Zeug haelt.
Eine Entscheidung kann nur der treffen, der auch ueber die wahren Fakten informiert ist. Schade,-so wird es nie kommen, denn dann wuerden die Seifenblasen all der Europatraeumer ueber Nacht platzen und das kann die Politik mal ueberhaupt nicht brauchen.

 

Bernd Schmieder aus Berlin

Freitag, 03-07-09 15:03

Es wird sicher allerhand gemacht werden, nur das Volk wird niemals gefragt werden !Die EU dient der Gewinnmaximierung, da braucht man doch kein Volk ! Wie in der DDR,die Demokratie ist eine gern benutzte Worthülse.
Art 20, Abs 2 GG spricht von "Wahlen und Abstimmungen" - ja wer soll denn wofür abstimmen ?
Das Volk mal für´s Land wäre n guter Weg...

 

Benji Prell aus Reutlingen

Freitag, 03-07-09 11:58

Es wäre wirklich sehr zu wünschen, dass durch das, leider auch nur halbherzige Urteil des Verfassungsgerichtes ein Signal an andere Länder gehen würde, das demokratiedefizitäre, gewaltenteilungslose, rechtsstaatslose, sozialstaatslose Machtkonstrukt mit aller Vehemenz abzulehnen und nicht nur dem Markt, Geld und unendlichen Machtstreben Brüssels eine sechsspurige Autobahn ins Glück zu bauen!

Im Mittelpunkt muss der MENSCH stehen und nicht seine Verwaltungskonstruktionen. Wir leben für die Struktur: Das ist so, als ob Parkhäuser aus Gold wären, und die Autos schlecht gewartete, auf den Zustand verweisend, selbstmörderische Trabbis. Es ist sehr naiv zu glauben, dass gewaltige Macht nicht korrumpieren würde!!!

 
 

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