Montag, 04.01.2010

Die ewige Schuld der Euroamerikaner

Zwischen den Jahren gab der Greifswalder Althistoriker Egon Flaig dem Online-Magazin Telepolis ein umfängliches Interview, in dessen Mittelpunkt die Thesen seines Buches „Weltgeschichte der Sklaverei“ standen. Flaig gehört, dies sei hier am Rande eingeflochten, zu den wenigen deutschen Wissenschaftlern, die sich gegen das Märchen von der „islamischen Toleranz“ wenden. Im Verlauf des Gesprächs kam Flaig auch auf die islamische Sklaverei zu sprechen. Engländern, Amerikanern und Franzosen gelang es im 19. Jahrhundert, einen der Hauptträger islamischer Sklaverei, nämlich die maghrebinische Piraterie, erfolgreich zu bekämpfen.

Bezeichnend ist, was Flaig über die kulturellen Folgen dieses Vorgangs sagte: „Und genau als die Gefahr nachließ, begann die Romantisierung … Das ist typisch für die europäische Kultur: Alle anderen Kulturen werten das Fremde rigoros ab; die Europäer kennen die Abwertung auch, aber sie haben auch eine lange Tradition des Verklärens und Romantisierens … Die europäische Kultur ist selbstkritisch wie keine andere: Sie kritisiert das Eigene und konfrontiert es mit dem Fremden, das zum Ideal stilisiert wird.“

Konfrontation bis zum Selbsthaß

Diese „Konfrontation“ steigerte sich nicht selten bis zum Selbsthaß, der, so formulierte es der französische Philosoph Pascal Bruckner in seinem nach wie vor lesenswerten Essay „Das Schluchzen des weißen Mannes“ (Berlin 1984), „zum zentralen Dogma unserer Kultur geworden ist“. Das Thema Sklaverei ist ein bezeichnender Aspekt dieses Selbsthasses; bis vor kurzem galt es nämlich als mehr oder weniger ausgemachte Sache, daß die Sklaverei eine Domäne Europas bzw. der Vereinigten Staaten war. Erst in den letzten Jahren ist es hier zu einer differenzierteren Sichtweise gekommen; so unter anderem durch die Arbeiten des muslimischen, algerisch-französischen Anthropologen und Psychoanalytikers Malek Chebel.

Die Abwertung des Eigenen

Die Idealisierung des Fremden, verbunden mit der gleichzeitigen Abwertung des Eigenen, begann im 16. Jahrhundert mit dem „guten Wilden“ und erreichte Ende der 60er Jahre mit der Vergötzung von Dritte-Welt-Bewegungen einen Höhepunkt. Selbst ein Staatsverbrecher wie Mao Tse-tung mutierte in dieser Zeit zum Messias. Im gleichen Maße wurde der Westen zum „Hort der größten Verbrecher der Geschichte“ – so der 1982 zum Islam konvertierte französische Philosoph Roger Garaudy. Das Bewußtsein, das der heutige, politisch korrekte „Euroamerikaner“ an den Tag zu legen hat, umreißt Bruckner ironisierend wie folgt: „Wir, die Verwöhnten dieser Erde, die wir den Kolonialismus, den Sklavenhandel, den Völkermord an den Indianern hervorgebracht haben und die wir allein durch die Auswirkungen des ungleichen Tauschs [gemeint sind die Mechanismen des „Kapitalismus“] jedes Jahr ‘50 Millionen’ Menschen vernichten, wir besitzen das Monopol des Völkermords.“

Als Konsequenz dieser einzigartigen Verbrechen hat sich der heutige „Euroamerikaner“ für die gesamte Menschheit verantwortlich zu fühlen; ihm wird von „Oberstaatsanwälten“ der politischen Korrektheit auferlegt, „zu einer Art Held der Selbstlosigkeit“ zu werden: „… ich soll am selben Tag eintreten für die Kämpfer in El Salvador, die Guerilleros in El Salvador, die verstümmelten Frauen des Islam, außerdem gegen die Vivisektion von Katzen, Hunden und Mäusen“ und so weiter und so fort. Nur dann kann es Linderung in einer Welt geben, die einer der penetrantesten Dauerankläger der Euroamerikaner, nämlich der von den Medien stets hofierte, unvermeidliche Schweizer Soziologe Jean Ziegler in seinem Buch „Afrika: Die neue Kolonisation“ (Darmstadt 1980) als „riesiges Vernichtungslager“ bezeichnet hat.

„Patentinhaber der Reinheit“

An die Stelle der Dritte-Welt-Solidarität ist als aktueller Vertreter der „Verdammten dieser Erde“ (Frantz Fanon) der „Migrant“ bzw. die „Migrantin“ getreten, die uns, um eine weitere Formulierung Bruckners zu gebrauchen, einmal mehr als „Patentinhaber der Reinheit“ vorgeführt werden. Aufgrund unserer historischen Bürden, so der Sirenengesang der politisch Korrekten, sollten wir gefälligst allen „MigrantInnen“, die an Europas Tore klopfen, eine Heimstatt bieten.

Aus europäischer Sicht wäre es indes überlebensnotwendig, wenn endlich ein Weg aus der masochistischen Selbstzerfleischung aufgezeigt werden würde, der nicht nur die Bewahrung des kulturellen Erbes Europas ermöglicht, sondern auch den Fortbestand in gewachsenen Völkern, an deren Stelle bezeichnenderweise das Abstraktum „Gesellschaft“ getreten ist, in der es keine Rolle spielt, welche Herkunft und Identität deren Mitglieder haben. Eine Besinnung auf die Identität Europas muß deshalb schon bei der kritischen Analyse des Begriffs „Gesellschaft“ beginnen.



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Bernd Schmieder aus Berlin

Mittwoch, 06-01-10 23:06

@ MB. Casonue aus Mbcasonue :
Schuld bedeutet Verantwortung für eigene Taten. Niemals entsteht Schuld aus den Taten anderer, auch nicht aus denen von Verwandten oder Vorfahren und
es gibt keine Kollektivschuld ! Warum soll ich Schuld sein, der eingedeutschte Ausländer oder der Hiroshima-Pilot nicht ? Selbst die Frau, die `33 Hitler gewählt hat, hat keine Schuld ! Sie hat es weder gewusst noch konnte sie es verhindern !
Ich bin völlig unschuldig an den damaligen Geschehnissen !! Ich hoffe, ich bin nicht der einzige unschuldige JF-Leser.
"Keiner soll für die Schuld seiner Väter büßen." Altes Testament, Ezechiël 18

 

MB. Casonue aus Mbcasonue

Dienstag, 05-01-10 20:52

Dadurch, daß ein 2. oder 3. gleiche oder schlimmere Untaten verübt, werden die des 1. nicht weniger schlimm.
Was fehlt ist Objektivität. Sicherlich sind wir, -als Volk, als Gemeinschaft- auch mit der Gnade der späten Geburt, schuldig. Aber gewiß nicht mehr als andere.
Was uns fehlt ist eine selbstbewußte Führung
die zunächst unsere Interessen vertritt und dann die der Anderen. (aktuell der "Fall" Steinbach) Der Bruder des Kopftuchmädchens klopft an mein Tor und wenn er drinnen ist und satt, macht er mich fertig und ich darf
mich nicht mal wehren. Er wirft mir "meine Geschichte" vor und hat seine vergessen.

 

Toni Roidl aus k.A.

Dienstag, 05-01-10 14:53

Die Debatte um die Slaverei (nebenbei: dem innerafrikanischen bzw. afrikanisch-arabischen Menschenhandel fielen gut ebenso viele Schwarze zum Opfer wie der transatlantischen Sklaverei und die Weißen kauften ihre »Ware« bei schwarzen Großhändlern) kann man mit einer einzigen Feststellung beenden: Wo gibt es Sklaverei noch HEUTE? Antwort: In Mauretanien und anderen afrikanischen Ländern. Wer sind die Sklavenhändler und -halter? Antwort: Jedenfalls KEINE weißen Europäer christlichen Glaubens!

 

Daniel Frey aus Rostock

Dienstag, 05-01-10 09:47

Es stellt sich die Frage "Warum?".
Warum stellen wir uns freiwillig einem Prozess in dem die anklagenden "Oberstaatsanwälte" gleichsam Richter sein wollen? In welchem diese nie ein Urteil fällen wollen da sie ab diesem Zeitpunkt ohne Aufgabe wären?

Ich weigere mich auf der Anklagebank Platz zu nehmen aber ich erhebe mich selbst zum Richter. Urteil: Freispruch! Thema erledigt

Zum Thema "Gesellschaft":
Noch prangt am Reichstag "DEM DEUTSCHEN VOLKE"...NOCH

 

Bernd Schmieder aus Berlin

Montag, 04-01-10 16:59

Danke, „Patentinhaber der Reinheit“ gefällt mir ! Wer soll uns diesen Weg aus der Selbstzerfleischung zeigen und wie soll er/sie ihn der Öffentlichkeit zugänglich machen ?

 
 

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