Samstag, 28.11.2009

Vertrag für die deutsche Sprache

Die Bundesregierung will Einwanderer vertraglich dazu verpflichten, die deutsche Sprache zu erlernen. Das kündigte Maria Böhmer, die Eingliederungsbeauftragte der Regierung, Anfang dieser Woche an.

Das hört sich zunächst einmal ganz gut an. Zu viele Einwanderer in Deutschland beherrschen die deutsche Sprache nicht gut genug. Auf den zweiten Blick können solche Verträge nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein werden. Die Gründe liegen auf der Hand:

1. Es sind dem Vernehmen nach keine Vertragsstrafen vorgesehen. Somit können Vertragsverweigerer den Deutschen unbeschadet lange Nasen drehen und den Vertrag einfach ignorieren.

2. Man kann niemanden dazu zwingen, die Landessprache zu erlernen. Wirksamer als ein Vertrag wäre es, die deutsche Sprache anziehungskräftiger zu machen. Das erfordert selbstbewußte Sprecher. Wie sieht es aber mit dem sprachlichen Selbstbewußtsein eines Landes aus, dessen Verantwortliche im Augenblick die deutsche Sprache auf zahlreichen Gebieten durch Englisch ersetzen?

3. Die Verträge werden nur die geringe Zahl von Neueinwanderern erreichen. Auf die große Zahl der Nichtintegrierten, deren Familien seit langem in Deutschland leben, dürfte ein Vertrag kaum wirken.

Deutschland ist ein Auswanderungsland

Außerdem wird übersehen, daß Deutschland ein Auswanderungsland ist. In den vergangenen zehn Jahren haben weit über eine Million Deutsche ihrem Land den Rücken gekehrt. Meist handelt es sich dabei um gut Ausgebildete. Wo ist das Programm, mit dem diese Menschen, die nicht integriert werden müssen, zurückgehalten werden?

Doch die Deutschen wandern nicht nur aus ihrem Land, sondern auch innerhalb ihres Staatsgebietes aus: zum Beispiel von den Innenstädten in die Außenbezirke, in die Speckgürtel. Mit den Deutschen wandert häufig auch die deutsche Sprache aus, weil der Ausländeranteil in manchen Großstadtvierteln den Anteil der deutschen Urbevölkerung weit übersteigt. Dort ersetzt ein reduziertes Deutsch, ein Stammeldeutsch („Kiezdeutsch”) die Standardsprache.

Hier gilt es, Anreize zu schaffen, um den verlorenen deutschen Sprachraum zurückzuerobern. Dies kann nur mit der Förderung und Erneuerung deutschen Brauchtums gelingen. Zu viele vermeintlich alter Zöpfe wurden in der Vergangenheit diskreditiert und abgeschnitten, und an deren Stelle trat das kulturelle Nichts, die Beliebigkeit im menschlichen Zusammenleben, der Verlust der Identität. Will man der deutschen Sprache eine Zukunft geben, muß man auch das Selbstbewußtsein der Deutschen stärken; Bindungen ermöglichen, die wieder Halt geben.

Die Bundesregierung sollte also lieber einen Vertrag mit den Deutschen schließen, in dem sie sich dazu verpflichtet, alles zu tun, um das Ansehen der deutschen Sprache und Kultur zu stärken. Auf der anderen Seite verpflichten sich die Bürger zur Sprachtreue. Das wäre doch einmal ein schöner Vertrag!

 



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Thomas Lentze aus Bonn

Sonntag, 29-11-09 13:41

Völlig zurecht empfiehlt Herr Paulwitz der Regierung, das Ansehen der deutschen Sprache und Kultur zu stärken. Es ist skandalös, wenn z.B. die Deutsche Post die Bürger auf Denglisch anreden darf. Oder wenn den Studenten der Ethnologie an der Uni Köln ein Einführungs-Lehrbuch zur Pflichtlektüre gemacht wird, das in Englisch geschrieben ist - so als gäbe es keine in Deutsch geschriebene Bücher zur Einführung in dieses Fach. Zur Begründung heißt es sinngemäß: "Sie werden ja als Ethnologe sowieso vorwiegend in Englisch schreiben und lesen müssen."

Der Fisch stinkt am Kopf zuerst. Wenn also die Sprachverleugnung schon auf der Hochschule anfängt, dann ist das Ergebnis absehbar.

 

R. F. aus Stuttgart

Samstag, 28-11-09 23:38

Einfach lächerlich, dieser kindische Aktivismus der Politiker. Wer sich nicht um die deutsche Sprache bemüht und deswegen keinen Job findet, dem wird Hartz IV gekürzt. Ganz einfach. Dafür braucht es keine neuen Gesetze.

 

MB. Casonue aus Mbcasonue

Samstag, 28-11-09 21:44

Es ist doch traurig wenn für für die Benutzung der Muttersprache im Vaterland irgend ein Gesetz herangezogen werden muß. Wir sollten uns alle an die eigene Nase fassen!!! Es fällt mir manchmal schwer, nicht cool, zu sagen oder meinen 9jährigen nicht mit "was geht ab Alter" zu begrüßen.
Und wir dürfen unsere Lehrer nicht als Feinde der Kinder und der überforderten Hausaufgabenhelfer betrachten sondern als Respektperson(außer einen,vieleicht)auch wenn noch ein paar alt68er dabei sind, die haben sich auch schon gebessert.
Und wenn ich meine Texte lese, komme ich nicht selten ins grübeln.
MB.

 

Bernd Schmieder aus Berlin

Samstag, 28-11-09 18:52

Art 16a GG: Politisch Verfolgte genießen Asylrecht. Es ist unmenschlich, Verfolgte nur einzulassen, wenn sie der deutschen Sprache mächtig sind. Des weiteren hat Frau Böhmer aber nie einen Auftrag vom deutschen Volk bekommen, nicht politisch verfolgte einzulassen ?Was soll das alles also ? Wann setzen diese Leute mal den Wunsch der Mehrheit durch, nicht immer den Wunsch nach Frischfleisch und billigen Arbeitskräften ? Auf welcher gesetzlichen Grundlage gibt es "Neueinwanderer" ? Die kennen doch den Willen des Volkes ! Müssen denn erst alle NPD wählen oder was ? Einwanderung wird durch die kalte küche gestattet. Nicht "Ja, aber" , sondern "Nein, aber" und "aber" nur bei politisch Verfolgten, die nicht über die Feiertage nach Hause fahren.

 

Marie Podlech aus Erlangen

Samstag, 28-11-09 18:05

Mag ja sein, daß diese Verträge nur ein Tropfen auf einen heißen Stein sind und höchstens symbolischen Wert haben. Positiv ist aber, daß man überhaupt so "kühn" ist, die deutsche Sprache zu erwähnen. Ich erinnere da an Äußerungen in der Vergangenheit, daß es eine Zumutung und Diskriminierung sei, von Ausländern Deutschkenntnisse zu verlangen. Vor einigen Jahren wären wohl die entsprechenden Kreise über Frau Böhmer hergefallen und hätten ihr Anliegen so diffamiert, daß sie vielleicht noch hätte um Entschuldigung bitten müssen ...
Auf jeden Fall wäre mehr zu wünschen (Verankerung des Deutschen im GG), aber ein Schritt in die richtige Richtung ist es doch.

 
 

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