Meinung

Montag, 18.01.2010

Altbekannte Reflexe

Von: Gernot Facius

Der Rufer – Plastik von Gerhard Marcks: „Schlag gegen das anständige Deutschland von damals“ Foto: Pixelio/K. Jung

Die Forderung des Bildungsdezernenten der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM), Christhard Wagner, der Leiter der evangelischen Nachrichtenagentur „idea“, Helmut Matthies, müsse den Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreis zurückgeben, hat bei zahlreichen Kirchenmitgliedern für Empörung gesorgt.

Wagner hatte in einer Pressemitteilung behauptet, mit der Annahme des Preises sei die „Tabugrenze im Graubereich zum Rechtsextremismus verschoben“ worden. Unterdessen sind über hundert Protestschreiben am Sitz der EKM in Eisenach eingetroffen, in denen die Verunglimpfung konservativer Positionen zurückgewiesen wird. 

In diesem Sinne äußert sich nun auch der renommierte Kirchenjournalist Gernot Facius in einem Beitrag für die JUNGE FREIHEIT:

Gerhard Löwenthal lernte ich in den unruhigen späten 60er Jahren kennen. Ich war damals ein junger Redakteur beim Hessischen „Rotfunk“ in Frankfurt, und im benachbarten Mainz baute Löwenthal das ZDF-Magazin auf – als Gegengewicht zu den linksgewirkten Mainstream-Programmen der ARD. Seitdem haben sich unsere Wege immer wieder gekreuzt. Einiges konnten wir sogar gemeinsam machen.

Ohne Begründung in die rechtsradikale Ecke rücken

Eine Episode wird mir dauerhaft in Erinnerung bleiben. Kurz nach dem Mauerfall diskutierten wir in der Politischen Akademie Eichholz der Konrad-Adenauer-Stiftung über die gesellschaftlichen Veränderungen im vereinten Deutschland. Ich äußerte mich euphorisch über den Tod des Kommunismus. Löwenthal gab sich verhaltener: „Noch hat mir niemand die Leiche gezeigt.“ Typisch „Löwi“! Im nachhinein muß ich ihm recht geben. Der Kommunismus ist zwar verschwunden – bis auf jene Teile seines Organismus, die in der Linken am Leben erhalten werden.

Der politische Boden bleibt jedoch kontaminiert von einem unreflektierten „Antifaschismus“, wie er in der DDR Staatsdoktrin war. Dieses Gift wirkt weiter, bis hinein in Kirchen und andere gesellschaftliche Gruppen; selbst Angela Merkel ist nicht immun dagegen.

Daß jetzt gegen den evangelischen Pfarrer und Publizisten Helmut Matthies, Chefredakteur der evangelikal orientierten Nachrichtenagentur idea, aus seiner eigenen Kirche Stimmung gemacht wird, weil er einen nach Löwenthal benannten Ehrenpreis der mit dem JF-Herausgeber verbundenen Förderstiftung Konservative Βildung und Forschung angenommen hat, sagt einiges aus über die geistige Befindlichkeit dieses Landes im 21. Jahr nach der epochalen europäischen Wende. Offenbar genügt schon das Wort „konservativ“, um altbekannte Reflexe zu aktivieren und Stiftung und JF sowie Matthies in die rechtsradikale Ecke zu rücken; ohne nähere Begründung, versteht sich.

Praktizierte Menschenrechtspolitik

Zugegeben, der ZDF-Magazin-Mann hat es auch seinen Freunden nicht immer leicht gemacht. Er hielt sich an das Diktum Lichtenbergs: „Es ist fast unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu sengen.“ Gerhard Löwenthal, geprägt vom Schicksal seiner jüdischen Familie, hatte Ecken und Kanten – und Schwächen; der Präsentationsstil seiner Sendung entsprach nicht jedermanns Geschmack. Doch wie Franz Josef Strauß, Axel Springer und Matthias Walden war der einstige studentische Mitbegründer der Berliner Freien Universität ein Fels in der Brandung einer unter dem Rubrum „Realpolitik“ betriebenen Appeasement-Politik gegenüber der DDR. >>



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Hans Holt aus Berlin

Dienstag, 19-01-10 15:20

Als Atheist gegen "eine" Kirche zu sein oder diese abzulehnen ist leicht, ungeachtet, welche "Schweinereien" diese begeht. Es reicht schon aus, dass sie Opium gleich, die Sinne benebelt.
Im Beitrag vom BOSS, welcher irgendwas macht, ist die Durchnummerierung der Gesellschaftsform "DDR 1.0" interessant. Wo ist mein armes Deutschland angelangt? Bei DDR 2.0, oder bereits DDR 3.0 oder ist es nur ein Update DDR 1.1?

 

Ulrich Motte aus München

Dienstag, 19-01-10 10:13

"Zum Boss aus dem Hintergrund": Der Anteil der lutherischen Pastoren in der Bekennenden Kirche war erstaunlich hoch, sicher viel, viel höher als die Zahl der in Sa-Uniform predigenden. Nach 1945 wurde aber entgegen den Vorstellungen des besten Teils der Bekennenden Kirche volkskirchliche Strukturen beibehalten, wodurch nicht wirklich die biblische Botschaft bekennende Kreise die Oberhand gewannen. Abspaltungen müssen sein, damit die Wahrhaftigen offenbar werden, fordert Gottes Wort
( 1. Korintherbrief, 11,19) Wer bibeltreue lutherische Kirche will, muß demnach zur ELFK usw. wechseln.

 

Wilhelm Georg Adelberger aus München

Dienstag, 19-01-10 07:08

In der Evangelischen Kirche entschließen sich immer wieder Personen dazu, ihren Beruf in der Kirche zu suchen, obwohl sie zuvor weder je mit (Orts)Gemeinde zu tun hatten noch, dass sie jemals Jesus persönlich kennen gelernt hatten. Ja, es entscheiden sich sogar Menschen, diesen Weg zu gehen, die Ziele haben, die dem christlichen Glauben entgegenstehen. Es handelt sich um Personen, die vor ihrer kirchlichen Vita sich über die Frommen lächerlich machten. Die Wege zur Kirche sind dabei durch politische und soziale Interessen motiviert. Nun, da sie diesen Weg begonnen haben ist deren Ziel natürlich berufliche Karriere. Dadurch sind in der Mehrzahl linke Politiker in die Führung der Kirchen gekommen. Sie verändern die Kirche entsprechend.

 

Anna Luehse aus Hessen

Dienstag, 19-01-10 01:41

# Boss
"Es wäre mutig gewesen, im Jahre 1937 oder 1943 "gegen rechts" zu kämpfen."

Bestimmt nicht. Die Nationalsozialisten sind zwar mit Hilfe der deutschen Rechten an die Regierung gelangt, hatten aber sonst nicht mit ihnen gemein. „Der nationale Sozialismus teilte eine Reihe von Überzeugungen mit der Linken, aber konnte sich nicht auf der Linken einfinden...; die National-Sozialisten waren Häretiker der Linken und wurden deshalb von der Orthodoxie mit besonderem Hass verfolgt“ (Karlheinz Weißmann).
Lesenswert zu diesem Themenkomplex: Josef Schüßlburner, „Roter, Brauner und Grüner Sozialismus. Bewältigung ideologischer Übergänge von SPD bis NSDAP und darüber hinaus.“ und seine Aufsätze dazu bei eigentümlich frei

 

Frank Witscherkowsky aus Hoyerswerda

Dienstag, 19-01-10 00:14

Also ich lernte Gerhard Löwenthal in unterdunkelsten DDR-Zeiten kennen. Ein ständiger Streitpunkt zwischen mir und meinem Vater. Hilferufe aus dem Osten wer konnte denn Hilfe aus dem Paradies rufen. Vati, aber wen das Paradies nun aber nicht das Paradies ist? Zweifel mein Sohn? Ja??!?? .Ich möchte nun wirklich nicht auf die Argumentation meines Vaters eingehen, ich achte diesen nunmehr 81 jährigen all zu sehr und ich möchte und vielleicht darf ich es auch nicht diesen alten Mann kritisieren. Aber jeder der Gerhard Löwenthal kritisiert sollte an die damals 12, 13, 14, jährigen in der DDR denken die an seine Lippen hingen und erstmals das Wort Freiheit , nur stammelten . Gerhard Löwenthal, steht für mich für all das wofür es sich zu kämpfen lohnt.

 

Heinrich R. aus München

Montag, 18-01-10 22:14

Man möchte ja das zarte Pflänzchen der Kritik an den systemorientierten und von staatlich eingetriebenen Steuern subventionierten Landeskirchen nicht gleich beim Schopfe packen und ausreißen, dennoch erlaube ich mir zu bemerken, dass oben Genanntes in erster Linie ein Problem der protestantischen Kirche ist. Die Politisierung der Kirchen insgesamt als Ausgangspunkt ihrer Botschaft ist ein Greuel und führt auch in der katholischen Kirche z.B. in der Liturgie zu unerträglichen Kasperraden mit Eventcharakter. Der „Gottes Dienst“ bleibt außen vor, und bietet so keinen Platz mehr für echte Frömmigkeit. Bei Unsicherheiten sollte man doch den Mut aufbringen und sich wieder seiner Wurzeln besinnen.

 

Der Boss schießt aus dem Hintergrund

Montag, 18-01-10 21:58

Es wäre mutig gewesen, im Jahre 1937 oder 1943 "gegen rechts" zu kämpfen. Aber damals haben ja vermutlich mehr ev.-luth. Pfarrer in SA-Uniform gepredigt, als in der bekennenden Kirche waren.

1945 haben es die ev.-luth. Kirchen in absoluter Rekordzeit (5 Monate) geschafft, opportunistisch alle Schuld für das gesamte deutsche Volk (inkl. Exilanten und Widerständler) auf sich zu nehmen und sich schneller als ein Fähnlein im Wind den neuen Herren anzudienen.

Während der DDR1.0 war man als ev.-luth. Funktionär auch lieber Stasi-Spitzel, als im Widerstand.

Was sollen wir von solchen ev.-luth. Kirchen erwarten? Warum sollten die ausgerechnet im heutigen politkorrekten Mief, korrumpiert von der Kirchensteuer, anders agieren, als zuvor?

 
 

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