Interview, Medien

Freitag, 11.09.2009

„Es geht um Zensur“

Von Moritz Schwarz

Die Piratenpartei hatte unlängst den Fall eines Mitglieds, dem Verständnis für Holocaustleugner vorgeworfen wurde. Die Partei hat sich für dessen Ausschluß entschieden.

Popp: Ich möchte festhalten, daß ich die Person, die ich auch schon persönlich kennengelernt habe, nicht für einen Rechten halte. Er ist vielmehr jemand, der gerne provoziert, um sich wichtig zu machen. Uns wurde dann vorgeworfen, ihn nicht gleich ausgeschlossen zu haben.

Aber wir wollten die Sache erst selbst prüfen und nicht einfach auf Zuruf der Presse losspurten. Nachdem wir aber feststellen mußten, daß er nicht bereit war, sich in der Frage konstruktiv zu verhalten und einzusehen, daß er dieses Mal zu weit gegangen ist, mußten wir uns von ihm trennen. Allerdings gilt es dazu parteiinterne Verfahrensweisen einzuhalten, die noch nicht abgeschlossen sind.

„Wir sind die Bürgerrechtspartei des digitalen Zeitalters“

Hätten Sie ihm nicht, da er keine strafrelevanten Äußerungen gemacht hat und nach dem, was Sie bisher postuliert haben, diese Meinungsfreiheit einräumen müssen? 

Popp: Von mir aus darf er diese grenzwertigen Provokationen ruhig von sich geben – nur wir müssen ihn dann nicht in unserer Partei behalten. Zur Freiheit gehört auch, daß wir als Vereinigung niemanden dulden müssen, der nicht zu uns paßt, weil er nicht für das steht, wofür die Piratenpartei steht. 

Wofür steht die Piratenpartei?

Popp: In einem Satz: Die Piratenpartei ist die Bürgerrechtspartei des digitalen Zeitalters.

Für den Politologen Werner Patzelt gehören Sie in die Kategorie „politischer Unsinn“.

Popp: Solche Leute denken halt noch in Klischees und Schubladen. Die verstehen nicht wirklich, was unsere Ziele sind. 

Die „Zeit“ bezeichnete im Mai die Vertreter Ihrer Haltung als die „Ideologen des Internets“, die „im Namen der Freiheit den Austritt aus dem Recht propagieren“. 

Popp: Das sind die üblichen Vorurteile, die über uns unterwegs sind. Wer so etwas sagt, hat sich wohl nicht wirklich mit uns beschäftigt. Niemand will Anarchie im Netz, sonst wären wir gerade sicher nicht so erfolgreich. Ich glaube, da unterschätzen einige gewaltig, was zur Zeit passiert.

Was passiert denn?

Popp: Wir erleben eine enorme Welle der Zustimmung. Wenn Sie zum Beispiel auf StudiVZ – das größte deutsche Social Network – klicken, sehen Sie, daß laut der Sonntagsfrage dort wir bereits alleine in Berlin regieren könnten! 

Das ist im Internet, wie aber sieht es in der realen Welt aus?

Popp: Da erleben wir inzwischen schon ähnliches: Wenn ich mit einem Piratenpartei-Hemd herumlaufe bleiben junge Leute stehen und rufen begeistert: „Ich habe euch gewählt!“ Es ist absolut berauschend, was wir an Zustimmung bekommen!



teilen:Diesen Artikel bei Facebook merkenDiesen Artikel bei Yahoo merkenDiesen Artikel bei Google merkenDiesen Artikel bei MySpace merkenDiesen Artikel bei Technorati merkenDiesen Artikel bei del.icio.us merkenDiesen Artikel bei Mr. Wong merken
Anzeige: 1 - 15 von 15.
 

Existimator Impius aus Bielefeld

Freitag, 18-09-09 18:46

Auf seinem offiziellen Blog schreibt Andreas Popp:
»Sixtus hats ja heute schon getwittert, dass ich ein Interview mit einer Zeitung names „Junge Freiheit“ gegeben habe, die sich für mich im Nachhinein als ziemlich rechtslastiges Blatt herausgestellt hat.«
»Ich für meinen Teil weiß, dass dies mein ersters und letztes Interview mit diesem seltsamen Blatt war.«
Er akzeptiert Meinungen nicht. Wir wissen, worum es sich bei der Piratenpartei handelt.

 

Ein Pirat aus Hamburg

Freitag, 18-09-09 16:05

Es ist doch bemerkenswert, wie sich ein Netzwerk von taz-Journalisten, die gleichzeitig Mitglied der Grünen sind, sich über die Piratenpartei hermacht. Man erkennt die Absicht und ist verstimmt. Wie die JF - die wahrlich nicht mit der Piratenpartei auf einem Nennen liegt - richtig schreibt: Hier geht es um politische Macht und um einen unliebsamen Konkurrenten!

Bitte bleibt am Thema dran! Alle anderen schreiben ja völlig konformistisch!

 

Marcel M. aus Wiesbaden

Freitag, 18-09-09 12:12

Während die"Piraten"Anhänger wegen des JF-Interviews so eine hohe Welle machen, waren die gleichen "Blogger" bei dem eigentlichen Skandal,die Mitgliedschaft des Herrn Tauss,beängstigenderweise sehr still.Das Problem ist,dass diese EINTHEMA Partei scheinbar noch nicht ihr eigenes Profil gefunden hat. Zur Zeit ist sie nichts Weiteres als ein Sammelbecken von Autonomen,Bloggern und Netzpiraten, die sich am Rande der Legalität bewegen.

Mit der Hysterie bezüglich des Interviews haben sich die Piraten selbst geschadet,weil hiermit ihre angebliche politische "Neutralität"infrage gestellt wurde.

Die ganze Aufregung ist in meinen Augen lächerlich. Für mich ist die JF eine erfrischende Alternative zum linken Meinungsmonopol der Medienlandschaft

 

alter Sachse aus Zwickau

Donnerstag, 17-09-09 16:27

Auch mit den Piraten wird es wieder nichts, in Deutschland für ehrliche Verhälnisse auf allen Ebenen zu kämpfen. Sie werden in kürzester Zeit korrumpiert u. durchsetzt und sie werden sich um Posten und Pöstchen zerreißen.Bereits das Interwiev mit Popp bringt sie in Erklärungsnöte! Piraten waren anders, gegen den Strom, unempfindlich, durchsetzungsstark und vor allem, sie hatten keine Angst vor kleinen Pinschern!

 

Philipp Kauder aus Jena

Donnerstag, 17-09-09 13:02

Sie irren, Herr Ditges. Ein offizielles Ministerium für Wahrheit ist längst überfällig...

 

Bernd Stanetzek aus Bünde

Mittwoch, 16-09-09 20:17

Moritz Schwarz schafft es doch immer wieder,das seine Gesprächspartner die Hosen runterlassen müssen. Schon mehrmals habe ich meine Meinung über Personen oder Parteien auf Grund seiner guten und tiefgreifenden Interviews,geändert.Zuletzt erst bei Peter Gauweiler und jetzt wieder bei der Piratenpartei,bei der,durch sein konsequentes nachhaken,sehr wohl zum Ausdruck kommt,daß sie für uns konservative,keine Partei für ein Kreuz ist.Diese Rubrik,sowie Dieter Steins Artikel auf der ersten Seite,sind für mich ein Grund mehr,auf die neue JF zu warten.Bitte machen sie weiter so.

 

Michael Schärfke aus Berlin (Preußen)

Mittwoch, 16-09-09 18:51

Was rufen jetzt die kriminellen "Demokraten"? "Auf den Scheiterhaufen mit ihm! Zündet ihn und seine Brut in seinem Heim an! Es lebe das linksfaschistische Multikulti-System! Nieder mit allen Deutschen!"

 

Pia X. aus Berlin

Mittwoch, 16-09-09 17:19

2/2 Heute merken die Leute gar nicht mehr, daß sie "links" sind. Sie haben zwar im Kino gern "Die Matrix" gesehen, sich aber natürlich nicht die Mühe gemacht, über die eigenen, selbstgebauten Matrizen nachzudenken. Naja, tröstlich wird sein, daß die Piraten rotgrün und ganz besonders grün kannibalisieren werden. Wär' doch ein hübscher Treppenwitz der Geschichte: schwarzgelb schafft's doch noch, weil es für (rot)rotgrün nicht mehr reicht, weil die Piraten so stark sind, aber leider knapp an der 5er-Hürde scheitern ...

 

Pia X. aus Berlin

Mittwoch, 16-09-09 17:18

1/2 Erinnerungen an die Volkszählungsdebatte in den 80ern. Damals gab es noch kein Internet. Und Herrn Popp anfangs auch nicht. Die politischen Mechanismen sind aber vergleichbar: man behaupte zunächst, daß es okkult-faschistische Kräfte gibt, die die "Freiheitsrechte" unterlaufen oder gar abschaffen wollen. Das ist nicht weiter schwer, da dies zum linken Glaubensbekenntnis gehört. Damals, in den 80ern, waren es hauptsächlich Linke, die sich derart profiliert haben. Grüne, SPD, Spiegel, Stern. Die üblichen Verdächtigen. Soviel zum Thema "Wollen nichts mit rechts-links zu tun haben".

 

Olaf Ditges aus NRW

Mittwoch, 16-09-09 16:10

Als Initiative gegen die Linkstotalitären Entwicklungen in Deutschland mag das ja ganz nett sein. Aber, Zitat aus dem Parteiprogramm "Im Mittelpunkt steht die Schaffung eines neuen Ministeriums", wenn wir irgendwas nicht brauchen, dann ist das ein neues Ministerium.

 

Martin Heine aus Hannover

Mittwoch, 16-09-09 15:18

Seltsam und schade, daß kein regulärer Artikel samt entsprechender Quellenlinks zum vorherzusehenden Echo auf dieses Interview verfaßt wurde.

Klar, man findet den Artikel (sowie in der Folge den Blogbeitrag von Herrn Popp) über die taz-Seite auch ruck-zuck selbst, aber so erweckt es den Eindruck, als habe es seitens der JF Bedenken gegeben, dem Leser diese Beiträge im Original zugänglich zu machen.

 

Ralf Kersten aus Flensburg

Dienstag, 15-09-09 06:39

Das sind also die neuen "Retter der Meinungsfreiheit", die haben den absoluten Durchblick! Und v.a. haben sie die Courage, zu dem was sie tun und lassen zu stehen. Vielleicht waren meine Erwartungen an diese Altergruppe doch zu hoch.

Keiner fordert von den "Piraten" das, wofür sie angetreten sind: Internetzensur und polit. Korrektheit bekämpfen und sich die eigene Neutralität bewahren. Klar ist auch, daß sich nun viele auf sie schmeißen, denen die Jungs sowieso ein Dorn im Auge waren.

Eigentlich hatte ich vor, sie zu wählen. Ich bin genauso wenig "rechtsextrem" wie viele andere JF-Leser. Aber wer so schnell kapituliert, beweist nicht gerade polit. Profil. Wer Angst hat, ist erpreßbar und scheidet als ernstzunehmende Alternative aus.

 

Ralf Kersten aus Flensburg

Dienstag, 15-09-09 06:19

Wie ich gerade gelesen habe, hat die linksextremistische Szene Herrn Popp den Floh ins Ohr gesetzt, er hätte sich mit Adolf Hitler persönlich unterhalten. Der scheinbar ohne seinen Willen Interviewte rutscht nun bäuchlings auf der zurechtgelegten Bananenschale aus und fängt an sich zu rechtfertigen wie weiland Eva Herman. Zitiert wird immer wieder die ideologisch eingefärbte Wikipedia als "wahre" Quelle, um sich über die JF zu "erkundigen". Doch was längst bekannt ist: die nicht gegebene polit. Unabhängkeit der meisten Wiki-Autoren, und ihre Versuche, unliebsame Artikel durch Löschanträge manipulieren - interessiert die angebl. neuen "Zensur-Gegner" nicht die Bohne. Sie erkundigen sich lieber IN der als ÜBER die Wiki.

 

stefan samhuber aus Erding

Samstag, 12-09-09 20:04

"Aber wenn sich linke Parteien für die Sache der Bürgerrechte einsetzen, warum nicht?"


Und wenn Rechte dies tun lehnen sie diese Anträge ab usw. ??


-.-"

 

Martin K. aus NRW

Samstag, 12-09-09 16:43

"Ich möchte festhalten, daß ich die Person, die ich auch schon persönlich kennengelernt habe, nicht für einen Rechten halte."

Aha. Und wenn er nun ein Rechter wäre, was dann? Und was ist an "Holocaust-Leugnern" so schlimm? Mal davon abgesehen, dass hier der Tatbestand einer Leugnung überhaupt nicht gegeben ist...

 
 

Anmelden um Kommentare zu schreiben.