Sonntag, 29.11.2009

Der beste Prediger aller Zeiten

Die etwa sechzig Sonn- und Feiertagspredigten, die ein Pfarrer im Jahr gewöhnlich hält, stellen eine große Herausforderung dar, wenn man hierbei ein gewisses Niveau wahren und sich nicht ständig wiederholen möchte.

Wenn man noch die Kasualien wie Taufe, Trauung und Beerdigung hinzurechnet und bedenkt, daß der Pfarrer auch in der Seelsorge und im Religionsunterricht täglich gefordert ist, wird verständlich, daß manche Pfarrer gerne zu fertigen Predigtvorlagen greifen oder sich mit einer schlichten Paraphrasierung des Evangeliums begnügen.

Dennoch ist diese Entwicklung sehr zu bedauern. Wo nur allgemeine Floskeln vorgetragen werden, fehlt sowohl der Biss als auch die persönliche Note, die der Predigt Überzeugungskraft verleiht. Der Niedergang des Glaubens, der seit Jahrzehnten in unserem Land beobachtet werden kann, hängt nicht zuletzt auch mit dem Versagen der Prediger zusammen. Oft wurden klare Darlegungen der kirchlichen Glaubens- und Sittenlehre vermieden. Dazu machten sich auf der Kanzel immer stärker jene inhaltsleeren Aussagen breit, die wir von zahlreichen Politikern kennen.

Die Gläubigen freuten sich auf die Predigt

Doch es geht auch anders. Der vom heiligen Dominikus gegründete Predigerorden (Ordo Praedicatorum =OP) legte zu allen Zeiten großen Wert auf die Auslegung des Wortes Gottes. Der Kapuzinerorden (OFMCap) hielt noch bis in die siebziger Jahre große Volksmissionen ab, bei denen in der Regel die Predigt im Vordergrund stand. Darüber hinaus gab es große Prediger-Persönlichkeiten aus anderen Orden oder aus dem Diözesanklerus. Die Gläubigen freuten sich auf die Predigt, denn sie hatte einen gewissen Unterhaltungswert und man ging danach belehrt, getröstet oder gestärkt nach Hause und konnte von dieser geistlichen Nahrung mindestens eine Woche lang zehren.

Für den besten Prediger aller Zeiten halte ich den am 1. Dezember 1709 verstorbenen Abraham a Sancta Clara, mit bürgerlichem Namen Johann Ulrich Megerle. Er gehörte dem Orden der Augustiner-Discalceaten (Augustiner-Barfüßer) an und wirkte zunächst in der Nähe von Augsburg, bevor er wegen seines Predigttalents einen Ruf nach Wien erhielt.

Verunsicherte und haltlos gewordene Generation

In geschliffenen Worten forderte er seine Zuhörer jedes Mal heraus, zwischen Tugend und Sünde, zwischen Heil und Unheil zu wählen. Der Manesse Verlag hat aus Anlass des 300. Todestags eine Predigt-Sammlung vorgelegt, die es ermöglicht, sich von diesen barocken – oftmals etwas überschwenglichen – Predigten ein Bild zu machen. Wie sehr hätte unsere heute so verunsicherte und haltlos gewordene Generation einen solchen Prediger nötig!

Herr Jesus Christus, schenke uns glaubensstarke Priester und wortgewaltige Prediger. Nimm von ihnen alle Menschenfurcht, damit sie dein heiliges Evangelium unverkürzt und in aller Klarheit verkünden. Erleuchte sie mit deinem Heiligen Geist und gib ihnen das rechte Wort zur rechten Zeit. Schenke den Hörern deiner Botschaft ein offenes Herz, das bereit ist, dich und dein Wort aufzunehmen und fruchtbar werden zu lassen.



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wolfgang braun aus Bietigheim-Bissingen

Montag, 30-11-09 12:48

Auch ich bete dafür, daß unsere Prediger genug Verstand haben, den Islam wirklich zu verstehen, und genug Mut, das bei entsprechenden Gelegenheiten auch laut auszusprechen, sei es von der Kanzel oder beim DiaLÜG mit Mohammedanern!

 

C, Klingler-Milonas aus Ichenhausen

Sonntag, 29-11-09 21:53

Es ist zwar vorteilhaft, wenn ein Priester gut predigen kann; dennoch sollte der Priester in erster Linie Schützer des Heiligen und Seelsorger sein. Er sollte für die Würde des Menschen eintreten, in einer Welt, in der der Mensch oft nur noch in seiner Brauchbarkeit gesehen wird. Als Seelsorger braucht er psychologische Kenntnisse und eine große Liebe zum Menschen. Er sollte sich in seiner eigenen Seele auskennen, um für die Seele anderer sorgen zu können. Auch sollte er ein spirituelles Leben führen und aus der inneren Quelle heraus leben. Und er braucht Achtsamkeit und Behutsamkeit, damit die Menschen sich von ihm verstanden fühlen und durch ihn neue Hoffnung und Zuversicht schöpfen.

 

Johannes Wilhelm aus Wien

Sonntag, 29-11-09 17:19

Wie wahr!
Freut mich, daß die JF christlichen und vor allem katholischen Beiträgen so viel Platz einräumt.

 

Bernd Schmieder aus Berlin

Sonntag, 29-11-09 17:05

Ob ihr Gebet im letzten Absatz erhört werden wird, Herr Oblinger ?
Wo sind eigentlich die Pfarrer, Pastoren, Seelsorger usw, die uns das Wort näher bringen sollen, die uns den rechten Weg weisen sollen ? Ich höre oft von gemeinsamen Veranstaltungen – nicht die von Katholiken und Protestanten, sondern von Christen und Moslems. Kennt ihr eigentlich selber noch den richtigen Weg ? (Damit meine ich nicht Sie, Herr Oblinger) Muss es mir bald peinlich sein, christlich getauft worden zu sein ?

 
 

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