Interview

Samstag, 31.10.2009

„Die Vernichtung des Westens“

Von Moritz Schwarz

Timo Vihavainen Foto: Privat

Herr Professor Vihavainen, der renommierte US-Journalist Christopher Caldwell, unter anderem Kolumnist der „Financial Times“, hat ein aufsehenerregendes Buch über das – wie er bilanziert – Desaster der Massenzuwanderung nach Europa geschrieben. Haben Sie davon gehört? 

Vihavainen: Nein, aber das wundert mich gar nicht, denn Kritik an der Einwanderung unterliegt meist einem Tabu. Es ist einfach nicht opportun, ein Buch wie das Caldwells publik zu machen. Oder nehmen Sie zum Beispiel das neue Buch des deutsch-amerikanischen Historikers Walter Laqueur „Die letzten Tage von Europa“, es ist ausgesprochen kritisch gegenüber muslimischer Einwanderung.

In Finnland – obwohl es in Übersetzung vorliegt – gibt es noch keine nennenswerten Besprechungen des Titels. Allerdings glaube ich, daß in diesem Fall doch noch ein paar Rezensionen folgen werden, denn Laqueur ist einfach zu bekannt und zu etabliert, um ihn totzuschweigen.  

Sie haben mit Ihrem jüngsten Buch „Die Vernichtung des Westens“ in Ihrem eigenen Land eine Debatte angestoßen. 

Vihavainen: Ja, in meinem Fall kann ich mich nicht beklagen, es gab nicht nur eine Debatte, sie wurde sogar überwiegend fair geführt. In Finnland ist die Situation noch nicht so tabuisiert wie etwa – nach allem, was man hört – zum Beispiel in Deutschland. Dazu kommt, daß ich als Professor der Universität Helsinki und Mitglied der Finnischen Akademie der Wissenschaften und Schönen Künste den Vorteil habe, von einer etablierten Basis aus zu operieren.

Außerdem ist die Einwanderung nur ein Aspekt, den ich in meinem Buch behandle, eigentlich geht es um den Abstieg des Westens an sich. Dabei allerdings spielt die Einwanderung eine große Rolle. Doch mein grundsätzlicherer Ansatz hat es denen, die versucht haben, mein Buch zu bekämpfen, schwer gemacht, es einfach als „ausländerfeindlich“ zu diffamieren. 

„Einwanderung ist Folge unserer Selbstaufgabe“

Warum droht „die Vernichtung des Westens“?

Vihavainen: Es ist ein Mißverständnis zu glauben, daß die Masseneinwanderung an sich zur Vernichtung des Westens führen würde. Sie ist vielmehr eine Folge unserer Selbstaufgabe. Es geht mir darum, aufzuzeigen, wie groß und wie tief verwurzelt die Gefahr tatsächlich ist, daß nämlich unsere Kultur verfällt. Damit allerdings sind wir natürlich Herausforderungen von außen wie etwa die Einwanderung so preisgegeben wie eine sturmreife Festung.

Der Kern des Problems ist, daß wir Europäer unsere Tugenden verloren haben, indem wir unsere Kultur durch eine Zivilisation des Konsums ersetzt haben. Was meine ich mit Kultur? Kultur ist das Bestreben einer Gesellschaft nach dem „Wahren, Schönen und Guten“, wie man bei Ihnen in Deutschland sagt. Dieses über uns selbst hinausweisende Streben wurde in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg durch eine narzißtische und nihilistische Haltung ersetzt, die alles nur nach dem eigenen Nutzen und Genuß beurteilt.

Folge dessen ist auch der Verlust des Interesses am Fortbestand unseres Gemeinwesens. Folglich erreichen viele europäische Völker bereits nicht mehr die reproduktive Geburtenrate. Das ist dann, historisch betrachtet, der Weg in den Untergang. Der Westen hat sich sein eigenes Grab geschaufelt, in das er nun ganz langsam hineinsinkt.

Einwanderung ist also nur ein Symptom?

Vihavainen: Ja, sie ist Folge des Verlusts unseres Realitätssinns, unseres Desinteresse am Politischen und der Vorstellung, es ginge nur darum, daß jeder einzelne sich selbst verwirklicht. Einwanderer werden ja meist nicht unter dem Blickwinkel gesehen, was sie für unsere Gesellschaft bedeuten, sondern daß jedes Individuum das Recht habe, an jedem Ort der Erde sein Glück zu machen. Wie könnte man es den Einwanderern also verwehren, in Europa ihr Glück zu machen?

„Die Einwanderer beginnen uns ihre Werte zu diktieren“

Wohin führt dieser Prozeß?

Vihavainen: Am Ende schließt sich der Kreis: Die Einwanderer beginnen uns ihre Werte zu diktieren statt andersherum. Wer sich mit der Geschichte der Einwanderung beschäftigt, der stellt fest, daß sich die erste Generation immun gegen die Übernahme unserer Werte zeigte.

Wer glaubte, dies sei bereits ein Problem, der steht erst recht sprachlos vor der zweiten Generation, die sich nicht nur passiv-immun zeigt, sondern zunehmend offensiv, ja aggressiv. Dazu kommen die Zahlen: Die Europäer werden immer weniger und immer älter. Ein Viertel ist bereits über sechzig Jahre alt. In einigen europäischen Ländern beträgt der Anteil der Zuwanderer bereits etwa 25 Prozent.

Schon Mitte des 21. Jahrhunderts werden die wichtigsten europäischen Länder einen Einwandereranteil von zwanzig bis dreißig Prozent haben. Ein Land wie Großbritannien hat heute zwei bis drei Millionen Einwanderer bzw. Nachkommen von Einwanderern, bei sechzig Millionen Einwohnern insgesamt.

Wächst die Zahl der Einwanderer auf der Insel im gleichen Maße wie bisher, werden es bis 2050 ca. 16 Millionen sein. Selbst bei einem sofortigen vollkommenen Einwanderungsstopp würde die Zahl bis dahin immerhin noch wie von alleine auf sieben Millionen steigen.



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Frank Fischer aus Erfurt

Montag, 02-11-09 11:58

Es ist nie zu spät und selten zu früh, verloren ist nur, was man verloren gibt und Todgesagte leben länger...Es verbietet sich zwingend, sich selbst und Andere ins Bockshorn zu jagen. Die großen Entscheidungen der Weltgeschichte fallen immer erst auf der Ziellinie und keinen Meter vorher. Gerade die Deutschen haben die Welt mit ihren Renaissancen immer wieder in Erstaunen versetzt. Diese Auferstehungen einzuleiten, war immer die Sache einer ganz kleinen Schar entschlossener, mutiger Männer. Das bleibt auch immer so. Bereit sein- ist alles...

 

Till Eulenspiegel aus Buffalo, Statesside

Sonntag, 01-11-09 02:23

Es sei auf Enoch Powell und dessen Rede 1968 in Birmingham verwiesen. Das Wutgeheul der Pharisäer und das Gekreische der Böoter war noch im fernsten Regenwalde zu vernehmen (shurely not!?)

 
 

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