Montag, 25.05.2009 Zweiter Stasi-Spitzel in „Fall Kurras“ verwickelt
 Denkmal für Benno Ohnesorg: Nicht nur der Schütze stand in Stasi-Diensten Foto: Wikipedia/Bundesarchiv
BERLIN. Auch der Pressefotograph, der 1967 die ersten Aufnahmen des tödlich verletzten Benno Ohnesorg gemacht hatte, hat für die DDR-Staatssicherheit (MfS) gearbeitet. Heinrich Burger war als erster Reporter zur Stelle, nachdem der jetzt als Stasi-Informant enttarnte West-Berliner Polizist Karl-Heinz Kurras den Studenten Ohnesorg mit einem Kopfschuß niedergestreckt hatte.
Burger war zu dieser Zeit fester Mitarbeiter im Lokalressort der Berliner Morgenpost. Ab 1970 arbeitete er als Redakteur bei der SPD-Wochenzeitung Berliner Stimme und war schließlich Sprecher der Berliner Sozialdemokraten. Heute gilt er als eine Top-Quelle der Staatssicherheit innerhalb der Partei.
Burger ist bereits 1976 enttarnt und im Mai 1977 wegen geheimdienstlicher Agententätigkeit für die DDR zu einer siebenjährigen Gefängnisstrafe verurteilt worden. Zwei Jahre später wurde er im Rahmen eines Agentenaustauschs in die DDR entlassen worden. Nach eigenen Angaben hatte sich Burger erst 1968 beim MfS zur Spionage verpflichtet.
Stasi wurde umfangreich informiert
Alexander Kulpok, früherer Reporter des Senders Freies Berlin, erklärte dagegen dem RBB-Inforadio, daß Burger bereits vor der Demonstration gegen den Schah-Besuch die DDR-Staatssicherheit über das beabsichtigte harte Vorgehen der West-Berliner Polizei in Kenntnis gesetzt hatte. Kulpok zufolge hatte sich Burger während der gesamten Demonstration immer in der Nähe des Kriminalbeamten Kurras befunden.
Der frühere Spion Burger hat auch eine Erklärung für die nun bekanntgewordene Stasi-Tätigkeit des Polizisten Kurras. Der Berliner Morgenpost sagte er: „Aus meiner Geheimdienst-Erfahrung heraus kann ich mir durchaus vorstellen, daß die DDR durch eine Eskalation der Studentenunruhen die Bundesrepublik ins Wanken bringen wollte. Sein Auftrag könnte gewesen sein, durch besonders aggressives Verhalten die Studenten aufzuwiegeln“.
Konsequenzen im „Fall Kurras“ gefordert
Nach den Enthüllungen über die Stasi-Tätigkeit des früheren West-Berliner Polizisten Karl-Heinz Kurras, der 1967 den Studenten Benno Ohnesorg erschossen hatte, hat der Berliner Innensenator Ehrhart Körting (SPD) das Landesverwaltungsamt mit der Untersuchung des Falles beauftragt.
Wie Körting dem Innenausschuß des Abgeordnetenhauses mitteilte, sollten gegebenenfalls „beamtenrechtliche Konsequenzen“ gegen den pensionierten Kriminalbeamten geprüft werden, heißt es in einer Meldung der Nachrichtenagentur ddp. Allerdings gibt es auch Stimmen, die eine disziplinarrechtliche Sanktion im Fall des 81 Jahre alten Kurras für unwahrscheinlch halten.

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