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Donnerstag, 26.03.2009

Hans-Olaf Henkel glaubt an Erfolg der Freien Wähler

 

Hans-Olaf Henkel Foto: Privat

BERLIN. Der frühere BDI-Präsident Hans-Olaf Henkel erwartet von den Freien Wählern den Anstoß für eine grundlegende Änderung des deutschen Parteiensystems und schließt nicht aus, sich auch persönlich zu engagieren.

In einem Interview mit dem Magazin Cicero zeichnete Henkel ein vernichtendes Bild des Parteiensystems in Deutschland. „In keiner Demokratie hat die Besetzung der wichtigsten politischen Ämter so viel mit Parteienkalkül und so wenig mit Kompetenz zu tun“, kritisierte er. Zudem bedienten sich die Parteien finanziell großzügig auf Kosten der Steuerzahler und übten Einfluß auf die Besetzung von Spitzenpersonal staatlicher Behörden, öffentlicher Betriebe und Richterämter aus.

„Wagen es einzelne Abgeordnete, sich unter Berufung auf das im Grundgesetz formulierte freie Mandat gegen die Mehrheitsmeinung ihrer Partei zu stellen, werden sie diffamiert, aus der Fraktion verbannt oder aus der Partei ausgeschlossen“, sagte Henkel.

„Mehr Mitglieder als FDP, Grüne und Linke zusammen“

Den Freien Wählern traut er vor diesem Hintergrund bei den anstehenden Fragen einen durchschlagenden Erfolg zu: „Mit ihren 260.000 Mitgliedern haben sie schon mehr als FDP, Grüne und Linke zusammen.“ Die Gruppierung könne mit Bürgerrechten, mehr Verantwortung vor Ort und weniger Zentralismus bei den Wählern punkten.

„Vor allem könnten sie sich die Beschneidung der Allmacht der Parteien aufs Panier schreiben“, sagte Henkel, der als Beispiele die Direktwahl des Bundespräsidenten und der Ministerpräsidenten sowie die Möglichkeit nannte, „bei der Bundestagswahl mit der Zweitstimme aus einer Parteiliste den geeigneten Kandidaten selbst auszuwählen“.

Dem bürgerlichen Lager stellte Henkel ein schlechtes Zeugnis aus. „Hätten sie sich selbst mehr Bürgerrechte auf die Fahnen geschrieben, hätte sich den Freien Wählern die Frage der Kandidatur für die Europa- und Bundestagswahl gar nicht erst gestellt“, sagte er.

Hoffnung für Nichtwähler

Wenn es bei der anstehenden Bundestagswahl wieder nicht für eine schwarz-gelbe Koalition reiche, könnten die Freien Wähler für die Bildung einer bürgerlichen Koalition das Zünglein an der Waage sein, glaubt Henkel. „Den Freien Wählern über die Fünf-Prozent-Hürde zu verhelfen, wäre eine bessere Versicherung gegen eine rot-rot-grüne Regierung als alle Ypsilanti-ähnlichen Zusicherungen der SPD-Führung.“

Den meisten Zuspruch für die Freien Wähler erwartet Henkel allerdings nicht von Wählern der Union oder der FDP sondern von den bisherigen Nichtwählern. Viele von ihnen hätten, wie er selbst, den Glauben an das Funktionieren des allmächtigen Parteienstaats längst verloren, sagte der ehemalige BDI-Präsident.

Henkel schloß nicht aus, sich auf Bundesebene „für ein Pro-Bürger- und ein Contra-Parteien-Programm der Freien Wähler” zu engagieren. Bereits auf der Bundesversammlung der Freien Wähler im Februar hatte sich Henkel mit einer Rede zu Wort gemeldet und seine Unterstützung angedeutet.

Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag von Cicero können sich derzeit 28 Prozent der Wahlberechtigten in Deutschland vorstellen, bei der nächsten Wahl ihr Kreuz bei den Freien Wählern zu machen. (ms)

 



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Peter Böttcher aus Wildeshausen

Donnerstag, 26-03-09 15:32

Super Idee von Herrn Henkel.
Allerdings sollte er nicht bis kurz vor den Wahlen warten.
Die „Freien Wähler“ brauchen jetzt eine Lokomotive.
Der Wähler lässt sich gerne vor den Wahlen durch einen Kugelschreiber oder Luftballon ins falsche Lager zielen.
Selbst habe ich die Erfahrung gemacht, wenn ich die Wähler am Wahlstand ansprach um über die Situation im Land zu sprechen, kam meistens die Antwort, haben Sie etwas gratis einen Kugelschreiber oder so?
Ja, die Geschicke dieses Landes entscheidet ein Kugelschreiber aus Korea.

 

Werner Stocker aus Icking

Donnerstag, 26-03-09 14:39

Hier in Bayern sind die Freien Wähler eine etablierte Größe. Die CSU hat jetzt schon die nackte Panik gepackt, daß sie durch die Teilnahme der FW bei der Europawahl den Einzug verpassen könnten.
Sie wird mit den fiesesten Tricks versuchen, diesen Konkurrenten wegzubeißen.

Übrigens halte ich es für durchaus richtig, daß sich die FW nicht als "rechte" Formation in Stellung bringen, sondern mit Frau Pauli eine fesche Kandidatin ausgesucht haben, die schon gezeigt hat, daß sie einem CSU-Ministerpräsidenten Paroli bieten kann. Wenn ihr jetzt Männer zur Seite stehen wie Hans Olaf Henkel, dann kann dies ein politisches Erdbeben auslösen!

 

karsten reincke aus berlin

Donnerstag, 26-03-09 14:24

Das wäre wirklich eine Bombe im positiven Sinne! Herr Henkel, tun Sie dies, dann haben Freie Wähler einen bekannten und kompetenten Kopf als Identifikationsfigur!

 

Werner Baumann aus Hamburg

Donnerstag, 26-03-09 13:44

Wenn Hans Olaf Henkel bei den Freien Wählern einsteigt, dann ist das eine Bombe. Die Freien Wähler haben als ehestes die Chance, gegen die Bastion CDU/CSU anzukommen. Wie schon der Beitrag von Report München am Dienstag im von der CSU gelenkten Bayerischen Fernsehen gezeigt hat, ist die Union bereit, mit allen schmutzigen Mitteln gegen einen ernsten Konkurrenten im bürgerlichen Lager vorzugehen. Wie so üblich mit dem Vorwurf der "Rechtstendenz" ...

So hatte man schon dem "Bund Freier Bürger" unter Manfred Brunner den Garaus gemacht.

Hans Olaf Henkel hat aber schon öfter gezeigt, daß er Steherqualitäten hat, also: Geradeaus und durch!

 
 

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