Dienstag, 06.05.2008
Antifaschistischer Stil
Von Doris Neujahr
Haß gegen echte, starke Individualität
Die taz erwies sich als zuverlässiges Organ des – jetzt ist das Wort fällig – linksalternativen Spießertums, indem sie „eine Kennerin“ zitierte, die ihn einen „völkischen rechten Boheme“ (gemeint ist natürlich: Bohemien – D. N.) nannte, „der Wert auf seine Unkonventionalität lege, sich gern schwarz kleide, einen, der sich als Gegenbild der Spießigkeit begreife, jemand, der seine Helden etwa beim Freikorpskämpfer Ernst von Salomon finde und seine möglicherweise rechte Gesinnung hinter verschwiemelten Worthülsen verberge“.
Der stromlinienförmige Individualismus empfindet einen natürlichen Haß gegen echte, starke Individualität. Dazu paßte der Meutencharakter der Kritiker, ihr offener Sadismus, der wiederum ihre Minderwertigkeitskomplexe bestätigt.
Unter dem Eindruck der Kräfteverhältnisse war Krause seinen Kritikern schließlich weit entgegengekommen – einige meinten: viel zu weit –, hatte zum Teil ihr Vokabular übernommen, um schließlich einzusehen, daß die Selbstdemütigung durch öffentliche Buße sich nur durch den Rückzug vermeiden ließ.
Gedanken an Alternativen präventiv abgetötet
Um eine politische Karriere zu machen, muß man anscheinend gebrochen oder von Natur aus rückgratlos sein und am besten noch ausgesprochen dumm. So wie der thüringische SPD-Vorsitzende Christoph Matschie, der den von Krause benutzten, sachlich unstrittigen Begriff der deutschen „Schuldmetaphysik“ mit „Spekulation“ gleichsetzte, um ihn dann reflexartig mit der Holocaust-Leugnung zu assoziieren. Die von den Nationalsozialisten fabrizierten Leichenberge sind nun mal das zuverlässigste Mittel, um die eigene parteipolitische Waagschale zu beschweren.
Diese intellektuellen, moralischen und politischen Stillosigkeiten bilden die Ingredienzen eines offiziösen Antifaschismus, der vor unseren Augen zur Gesinnungsdiktatur gerinnt, die vielleicht noch perfider sein wird als alle früheren, weil sie sich als Überwindung vergangener Perfidien legitimiert und den Gedanken an Alternativen damit präventiv abtötet.
Denn, so Arnold Gehlen, „teuflisch ist, wer das Reich der Lüge aufrichtet und andere Menschen dazu zwingt, in ihm zu leben. Das geht über die Demütigung der geistigen Abtrennung noch hinaus, dann wird das Reich der verkehrten Welt aufgerichtet, und der Antichrist trägt die Maske des Erlösers (...) Der Teufel ist nicht der Töter, er ist Diabolos, der Verleumder, ist der Gott, in dem die Lüge nicht Feigheit ist, wie im Menschen, sondern Herrschaft. Er verschüttet den letzten Ausweg der Verzweiflung, die Erkenntnis, er stiftet das Reich der Verrücktheit, denn es ist Wahnsinn, sich in der Lüge einzurichten.“
So weit ist es zum Glück noch nicht gekommen. Die Freiheit, den Wahnsinn zu benennen, werden wir uns weiter nehmen.
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