Mittwoch, 02.07.2008
„Deutschland driftet nach links"
Von Moritz Schwarz
„Eine Bismarck-Partei? – Ich werde immer wieder gefragt“
Haben Sie je daran gedacht, eine neue konservative Partei zu gründen? Ihr Name prädestiniert Sie dafür!
Bismarck: Oh, immer wieder werde ich danach gefragt. Aber ich sehe leider keine realistische Chance für den Erfolg einer solchen Partei. Man darf sich keine Illusionen darüber machen, daß der Name Bismarck heute bei den meisten Deutschen – wenn überhaupt – dann nur noch eine historische, aber keine politische Bedeutung mehr hat. „Bismarck“ wird von den Deutschen nicht mehr mit der Lösung aktueller Probleme assoziiert. Da machen sich viele gutmeinende Bismarck-Verehrer leider allzu naive Vorstellungen.
Aber ich möchte trotz all meiner dargelegten Sorgen um Deutschland davor warnen, die Situation allzu verzweifelt zu sehen. Schon mehrmals in unserer Geschichte stand es noch weit schlimmer um Deutschland. So akut wie zum Beispiel während des Dreißigjährigen Krieges, der napoleonischen Besatzung oder nach der Niederlage in beiden Weltkriegen ist Deutschland trotz aller Gefahren heute in seiner Existenz zum Glück nicht bedroht.
Daß wir Deutschen in der Vergangenheit all diese furchtbaren Krisen überstanden haben, macht mir Mut, daß uns das auch diesmal gelingen wird. Eben deshalb mein Appell an alle Patrioten, zusammenzustehen! Gerade weil wir dann die Chance haben, die Herausforderungen unserer Zeit zu meistern.
"Der Spiegel kann nicht ins Bockshorn jagen"
Der Appell stammt aus einem Brief, den Sie Anfang Juni für die JUNGE FREIHEIT geschrieben haben und in dem Sie zur Unterstützung unserer Zeitung aufrufen, wie der „Spiegel“ vergangene Woche berichtete.
Bismarck: Der Spiegel kann mich mit solcher Berichterstattung nicht ins Bockshorn jagen. Im Gegenteil. Ich schätze an Ihrer Zeitung ihre patriotische Ausrichtung sowie ihre konservative Orientierung. Ich lese die JUNGE FREIHEIT jetzt schon seit über zehn Jahren und finde sie nach wie vor sowohl für die Meinungsvielfalt in Deutschland unverzichtbar wie auch unentbehrlich für die politische konservative Sache. Entscheidend für mich ist aber, daß sie ein Presseorgan ist, das sich dem Erhalt unseres Vaterlandes verschrieben hat und ihm nicht wie die meisten anderen Medien gleichgültig oder gar feindselig gegenübersteht.
Wenn ich also von einem notwendigen Aufbruch für Deutschland spreche, dann ist für mich die junge freiheit ein Licht im Dunkeln. Und so paßt sie nach meiner Ansicht auch bestens zur Tradition des Hauses Bismarck. Freilich, vieles daran wäre dem alten Reichskanzler wohl zu liberal. Aber vergessen Sie nicht, daß Bismarck auch Initiator der Sozialgesetzgebung in Deutschland war. Konservatives und soziales Denken waren für ihn keine Gegensätze.
Ferdinand Fürst von Bismarck ist Urenkel des Reichskanzlers und Chef des Hauses Bismarck-Schönhausen, der Linie Otto von Bismarcks (1815–1898). Das Geschlecht reicht bis 1270 zurück, 1345 wurde es nobilitiert. 1817 entstand die Linie Schönhausen. Der 1930 in London geborene Jurist folgte 1975 Bismarck-Sohn Herbert und Bismarck-Enkel Otto als Familienvorstand nach, unterstützt von Sohn Carl-Eduard. Sohn Gottfried starb 2007.
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