Mittwoch, 02.07.2008 Ferdinand Fürst von Bismarck sieht das Erbe seines Urgroßvaters in Gefahr
„Deutschland driftet nach links"
Von: Moritz Schwarz
 Fürst Ferdinand von Bismarck Foto: JF
Fürst Bismarck, als Chef des Hauses führen Sie heute die Familie an – immer unter den Augen des Eisernen Kanzlers, der hier in Ihrem Büro auf Sie herabblickt.
Bismarck: Ja, wir haben mehrere schöne Lenbachs – Franz von Lenbach malte einige berühmte Bismarck-Porträts – in der Schloßhalle und einen hier im Büro hängen.
Nur eine obligatorische Wanddekoration?
Bismarck: Auf keinen Fall, im Gegenteil: Für mich ist mein Urgroßvater sehr präsent. Nicht nur durch die Gemälde, sondern auch durch seine Schriften, die ich immer wieder zur Hand nehme.
Sie fühlen sich bewußt in seiner Erbfolge?
Bismarck: Mir steht ein Vergleich mit seiner großen Persönlichkeit keinsfalls zu, aber persönlich führe ich das Haus Bismarck so gut ich kann, immer in dem Gefühl der Verantwortung vor unseren Ahnen – nicht nur gegenüber Otto von Bismarck, denn unsere Ahnenreihe ist bis ins 13. Jahrhundert nachweisbar. Aber natürlich ist er der Bekannteste und bewirkt damit ein besonderes Gefühl der Verpflichtung.
"Ich spreche mitunter im Geiste mit ihm"
Das heißt, Sie fühlen sich ihm persönlich nah?
Bismarck: Ja, denn Otto von Bismarck hat nicht nur viel eigenes Schriftgut hinterlassen, sondern ist auch eine von namhaften Historikern en detail erforschte Persönlichkeit. Das ermöglicht es, ihn auch lange nach seinem Tod im Jahr 1898 noch „persönlich“ kennenzulernen. So spreche ich mitunter im Geiste mit ihm und frage mich, was würde er wohl denken und sagen, wenn er all dies heute sehen könnte.
Was würde er sagen? Bismarck: Nun, Otto von Bismarck war vieles: ein ausgeprägter Charakter, ein gläubiger Pietist, ein unbedingter Monarchist, ein überzeugter Konservativer, ein genialer Politiker, ein gewiefter Reichskanzler, ein geschickter Diplomat und ein in seinem Verantwortungsbewußtsein vorbildlicher Außenpolitiker – denn er hat stets vermocht, was seine demokratischen Nachfolger – ob in Deutschland, England oder Frankreich – 1914 nicht vermocht haben, nämlich zu verhindern, daß aus begrenzten Konflikten ein Weltkrieg wird. Man kann also viel in ihm sehen. Jedoch seine aus heutiger Sicht größte Leistung stellt eindeutig die Schaffung des deutschen Nationalstaates dar; und dieser steht – zwar verkleinert, aber immerhin – nach 45 Jahren Teilung wiedervereinigt da, mit seiner Hauptstadt Berlin.
Der ehemalige NS-Widerstandskämpfer Hans Hirzel, Mitglied der Weißen Rose, beschrieb diese Leistung, die durch Hitler in Gefahr geriet und deshalb Hirzel in Opposition zu dem Diktator gebracht hat, in dieser Zeitung so: „Bismarck hat für die Deutschen das geschaffen, was die Zionisten für die Juden geschaffen haben: Ein Volkstum braucht einen Staat, der für dieses eintritt, sonst ist es in Gefahr, zu zerfallen.“
Bismarck: Das hat Herr Hirzel auf den Punkt gebracht. Und deshalb ist so unsinnig, wenn man heute Politik auf Grundlage deutscher Staatlichkeit macht, aber von Otto von Bismarck nichts wissen will. Wie etwa der damalige Außenminister Joschka Fischer, der bekanntlich dessen Porträt aus dem Arbeitszimmer der Ministers entfernen ließ.
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