Interview

Mittwoch, 02.07.2008

„Deutschland driftet nach links"

Von: Moritz Schwarz


„Europa muß die Nationen bewahren, nicht auflösen“


Sowohl Ihr Vater wie Ihr Sohn waren Abgeordnete des Deutschen Bundestages.

Bismarck: Mein Vater Otto, Enkel des Reichskanzlers, war von 1953 bis 1965 Bundestagsabgeordneter der CDU, ebenso wie mein Sohn Carl-Eduard von 2005 an, bis er sich 2008 aus privaten Gründen zurückgezogen hat. Als mein Vater altershalber sein Mandat abgab und ich die Stafette hätte übernehmen können, zog für die CDU hier im Wahlkreis Herzogtum Lauenburg jedoch Olaf Baron von Wrangel als Nachfolger ein. Und so habe ich mich als Rechtsanwalt betätigt und die Pflege des Familiengutes Friedrichsruh im Sachsenwald inklusive des Bismarck-Mausoleums und des Bismarck-Museums wahrgenommen.

2004 jedoch haben Sie sich dann doch noch zu Wort gemeldet – mit einem Buch, das den programmatischen Titel trägt: „Setzen wir Deutschland wieder in den Sattel“.

Bismarck: Zugegeben ein anspruchsvoller Titel. Aber ich habe bewußt einen Satz gewählt, den Otto von Bismarck einmal formuliert hat.

Der Urenkel hilft dem, den der Urgroßvater das Reiten lehrte, wieder in den Sattel?

Bismarck: Ja, denn ich bin überzeugt, um Ihre Frage von vorhin wieder aufzunehmen, daß Otto von Bismarck das deutsche Staatswesen heute in mehrfacher Hinsicht in Gefahr sehen würde und deshalb dem deutschen Staat etwas Reitunterricht geben könnte.

„Multikulti birgt Gefahr – bis zum Bürgerkrieg“

Zum Beispiel?

Bismarck: Denken Sie nur an das spektakuläre irische „Nein“ zum EU-Reformvertrag von Lissabon. Welch ein Glück, wenn man sich vergegenwärtigt, mit welcher Unbedachtheit die verfassungsgemäß an das deutsche Volk als Souverän gebundene Staatlichkeit Deutschlands immer mehr an irgendwelche noch nicht einmal demokratisch legitimierten EU-Institutionen leichtfertig abgetreten wird! Um nicht mißverstanden zu werden: Ich bin unbedingt ein Anhänger Europas.

Aber die gegenwärtige EU-Praxis bedeutet den klammheimlichen Ausverkauf der deutschen Staatlichkeit. Natürlich gehört zur Sicherung Deutschlands für die Zukunft auch unsere Einbindung in ein starkes Europa. Europa sollte aber ein Staatenbund sein, kein Bundesstaat. Ein einiges Europa muß dazu dienen, die Vielfalt seiner Nationen zu bewahren, nicht diese aufzulösen. Denn das wäre eine absurde Umkehrung seines ursprünglichen Zwecks.

In Ihrem Buch findet sich außer dem Kapitel „Unser Staat“ auch das Kapitel „Unser Volk“.

Bismarck: So wie ein eigener Staat die Voraussetzung zur Sicherung eines Volkstums ist, ist ein Volkstum auch die Voraussetzung für einen Nationalstaat. Wenn Sie nun drei Aspekte betrachten, nämlich die Demographie, die Familie und den Multikulturalimus, und wenn Sie den Mut haben, diese drei Faktoren gegen die Gebote der Politischen Korrektheit in ihrer realen Wirkung als verbunden zu betrachten, dann stellen Sie fest, daß nicht nur die Staatlichkeit, sondern auch das zweite Standbein des Bismarckschen Nationalstaates gefährdet ist: das Volk.

Als wäre unsere demographische Entwicklung mit ihren langfristig eklatant sinkenden deutschen und dramatisch steigenden Einwanderer-Geburtenziffern nicht schon besorgniserregend genug! – Ganz abgesehen davon, daß – ganz im Gegensatz zur Einwanderung im alten Preußen – die Einwanderer heute oftmals keine Anstalten machen, sich kulturell zu integrieren, erleben wir zudem auch noch eine unbeirrt voranschreitende geistige und materielle Zersetzung der Idee der Familie, die doch die Zelle des Volkes darstellt.

Und einhergehend damit eine penetrant realitätsblinde Gläubigkeit an die multikulturelle Gesellschaft als eine Art Paradies auf Erden, ohne Rücksicht auf deren erhebliches Gefahrenpotential, angefangen von der Fragmentierung der Gesellschaft bis hin zum Bürgerkrieg, wie man etwa in Bosnien-Herzegowina gesehen hat.

Aber vor allem wirkt sich die multikulturelle Zielvorstellung fatal auf den Gedanken der Integration aus, die unter solchen Voraussetzungen mißlingen muß, da die Idee des Multikulturalismus verhindert, gegenüber den Einwanderern einen klaren Erwartungshorizont zu vermitteln, an den sich diese – wie einst in Preußen – mit dem langfristigen Ziel der Assimilation anpassen können.