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Mittwoch, 02.12.2009

Die Einsamkeit des Soldaten

Schon der Versuch, sich in die Lage des deutschen Obersts zu versetzen, der am 4. September in Kundus die Verantwortung trug, schnürt einem die Kehle zu. Es drängen sich Fragen auf, die unmöglich zu beantworten sind. Welchen Entschluß hätte man selbst gefällt? Wäre er richtig gewesen? Wie sehr würde man ob der Gewißheit leiden, daß der eigene Entschluß – egal ob richtig oder nicht – so viele Tote zur Folge hatte? Tote, die vielleicht tapferer waren als jene, die sich jetzt im eigenen Parlament das Maul zerreißen. Mit dem Oberst zu fühlen, kann nur schmerzhaft sein.

Da wird das Gerede hinter den Pulten, an den Tischen und Bildschirmen geräuschlos. Man sieht, wie die Münder sich bewegen, doch man hört die Stimmen nicht. Ein Stummfilm läuft, ohne Untertitel. Sie sagen Dinge, viele sogar, aber welchen Wert scheint das jetzt noch für den zu haben, der mit der eigenen Verantwortung leben muß? Wie einsam ist der Soldat im Moment des Entschlusses? Wie einsam ist er danach? Er war doch der Offizier vor Ort, was hätte er denn sonst tun sollen, als eine Entscheidung zu fällen, einen Befehl zu geben? Wie gesagt: Es schnürt einem die Kehle zu.

Konflikt, den es auszuhalten gilt

Ein General kennt den Umstand dieser Verantwortung, den Umstand des zügigen Handelns. Es darf also getrost spekuliert werden, ob er sich vielleicht schützend vor seinen Untergebenen stellte. Die „politischen Konsequenzen“, die er mit Würde trägt, heißen Rücktritt, Bitte um Entlassung, Entlassung. Eine Vorstellung von politischen Mechanismen mag das erklärbar, sogar verständlich und richtig machen. Eine andere Sichtweise aber läßt es – vielleicht in überpolitischer, moralischer Hinsicht – ungerecht erscheinen.

Es wäre schön, wenn die Echauffierten dies kurz bedächten; sie müssen ja nicht zustimmen. Ihre Empörung wirkte dann jedoch weniger affektiert.

Eine Armee im Einsatz kann nicht astrein sein. Ohne kurze Dienstwege, schützende Vorgesetzte, das Vertrauen ins Gute wäre sie nicht handlungsfähig. Verstöße gegen das Recht, gegen politische Vorgaben müssen Konsequenzen haben, sonst gerät das Schlechte im Menschen außer Kontrolle.

Dies ist ein Konflikt, den es nicht zu lösen, den es auszuhalten gilt.



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Jörg Hildesheim aus der Eifel

Donnerstag, 03-12-09 02:48

Man muß nicht als Offizier im Feindfeuer gestanden haben, um in dieser Form Entscheidungen treffen zu können. Der Einsatzleiter einer Feuerwehr oder eines Rettungsdienstes kann das auch. Aber welcher Abgeordnete hat solche Erfahrungen vorzuweisen?
Es ist tragisch, daß jetzt dieselben Berufsschwätzer über Oberst Klein zu Gericht sitzen, die vorher diese Militärkarikatur namens ISAF-Bundeswehrkontingent in einen sinnentleerten und gefährlichen Einsatz geschickt haben.

 

Florian Geyer aus Hofheim

Mittwoch, 02-12-09 22:20

Wie lange wird es wohl noch dauern, bis ein Nikotinbaron o.ä. eine Ausstellung organisiert über "Verbrechen der Bundeswehr in Afghanistan"?

 

Michael V aus dem Werratal

Mittwoch, 02-12-09 17:48

So ist es! In der leider langsam Wegsterbenden "bösen Tätergeneration" gab es noch sehr viele, welche diese Last der Entscheidung selber Jahrelang durchlitten haben. Ich erinnere mich an ein Interview mit Helmut Schmidt, in welchem dieser gefragt wurde, was ihn in Situationen wie der Flutkatastrophe von 1962 oder der Landshutentführung befähigt habe, derart weitreichende und harte Entscheidungen derart zügig fällen zu können. Seine Antwort: Meine Erfahrungen als Frontoffizier der Wehrmacht.

 
 

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